Märkte

Fazit nach der gestrigen Entscheidung: Die OPEC-Mitglieder verlieren gleich doppelt

Gestern war es nun endgültig soweit. Das zweimal jährlich stattfindende Spektakel in Wien, wo die OPEC-Mitglieder zu ihren offiziellen Treffen zusammenkommen, ist jedes Mal das Highlight am Ölmarkt. Letztes Mal im November...

Von Claudio Kummerfeld

Gestern war es nun endgültig soweit. Das zweimal jährlich stattfindende Spektakel in Wien, wo die OPEC-Mitglieder zu ihren offiziellen Treffen zusammenkommen, ist jedes Mal das Highlight am Ölmarkt. Letztes Mal im November wie auch gestern waren die Treffen um so wichtiger, weil diverse Nicht OPEC-Mitglieder (vor allem Russland) mit anwesend waren um eine größere Marktmacht zusammen zu bekommen. Der russische Öl-Minister saß gestern sogar neben seinem saudischen Kollegen auf dem Podium in der Pressekonferenz um die Entscheidungen der OPEC mit zu kommentieren.

Das Ergebnis: OPEC und Nicht OPEC-Staaten verlängern ihre am 30. November 2016 beschlossene Fördermengenkürzung (insgesamt -1,8 Mio Barrels pro Tag) um weitere 9 Monate bis März 2018. Ausführliche Infos über die gestrigen Vorgänge finden Sie hier. Man erwähnte ebenfalls, dass das gemeinsame Arbeitsgremium „JMMT“ monatlich tagen solle und bei Bedarf Vorschläge für Änderungen unterbreiten solle. Aber letztlich waren die 9 Monate Verlängerung von der Terminmarkt-Händlern in den letzten Tagen schon voll und ganz im Ölpreis berücksichtigt worden.

Denn zu viele OPEC-Delegierte haben die Angewohnheit ständig die im Vorhinein besprochenen Leitlinien auszuplaudern. Aber bis zuletzt gab es für die Öl-Bullen am Terminmarkt immer noch die Hoffnung, dass es mehr als 9 Monate werden könnten, oder sogar eine steigende Reduzierungsmenge. Die hätte dem Ölpreis womöglich auf die Sprünge geholfen, vielleicht Richtung 53, 54, 55 Dollar im WTI-Ölpreis?

Gestern früh stand WTI-Öl noch bei 52 Dollar. Als dann im Laufe des Tages von immer mehr Verhandlungsteilnehmern durchsickerte, dass als Ergebnis nur diese 9 Monate herauskommen, sackte der Ölpreis immer weiter ab auf 49 Dollar. Bis heute früh hat man sich beruhigt bei 48,70 Dollar. Der Markt ist sich wohl nur zu bewusst, dass die Fracker in den USA mit ständig steigender Produktion dagegen halten. Aber der saudische Öl-Minister Al-Falih zeigte sich gestern zumindest oberflächlich sehr entspannt.

Er interessiere sich nicht für den täglichen Ölpreis. Er kümmere sich nur um Dinge, die er selbst beeinflussen könne, also die Angebotsseite seiner eigenen Produktion. Das zeigt aber auch seine Hilflosigkeit, derer er sich wohl nur zu gut bewusst ist. Denn was soll er machen? Soll er die Fracker zwingen weniger zu fördern, oder soll er sie zwingen ihre Break Even-Preise nicht ständig nach unten zu ziehen mit immer weiteren technischen Verbesserungen? Das ist ein Problem, wenn nicht gar das Hauptproblem für die OPEC!

Die OPEC hat verloren

Nach dem Ende der 9 Monate ab April 2018 dürfte ein weiteres richtig großes Problem auf die OPEC zukommen. Der Iran scharrt mit den Hufen um seine Produktion auszuweiten, der Irak ebenso. Dazu erwähnte Al-Falih gestern in der offiziellen PK, dass die OPEC es toleriere, wenn Libyen und Nigeria ihre Mengen so stark ausweiten wie nur möglich, da man wisse, wie dringend die beiden jeden Cent aus der Ölförderung benötigen.

Also wird ab April 2018, wenn bis dahin nichts Neues beschlossen wird, die große Öl-Allianz womöglich in viele Einzeiteile zerfallen, und alle Förderländer werden wieder versuchen so viele Marktanteile zu raffen wie nur möglich. Denn da wären wir schon beim ersten Punkt, bei dem die OPEC der große Verlierer nach dem gestrigen Tag ist. Man bleibt bei seinen Mengenkürzungen, während die Fracker ihre Mengen ausweiten. Damit geschieht genau das, was die Golfstaaten seit Ende 2014 mit ihrem inoffiziellen Öl-Krieg gegen die Fracker doch eigentlich verhindern wollten, nämlich eine Verschiebung der Marktanteile.

Zum zweiten Mal verlieren die OPEC-Staaten, weil der Ölpreis nicht steigt, sondern sogar schwächelt. So ziemlich alle OPEC-Staaten leben größtenteils von ihren Öl-Einnahmen. Sie alle fördern bei Ölpreisen von um die 50 Dollar zwar massiv im Gewinn – also die Produktion an sich wirft deutlich mehr ab, als sie Kosten verursacht. Aber das Problem ist, dass man zum Beispiel in Saudi-Arabien wie auch in vielen anderen Ländern bei einem Ölpreis von 50 Dollar seinen Staatshaushalt nicht ansatzweise finanzieren kann.

Der Preis muss rauf, aber mehr als die 9 Monate Verlängerung von -1,8 Mio Barrels pro Tag war vermutlich mit Ländern wie Irak und Iran nicht zu vereinbaren. Man senkt also seine Fördermenge, und hat gleichzeitig auch keine steigenden Preise. Das bringt die Haushalte der Golfstaaten nicht wieder in die Balance. Ein Riesenproblem! Daher muss man wohl noch drastisch weiter seine Kosten senken, Subventionen für die Bevölkerung kürzen uvm. Die OPEC-Staaten sind die Verlierer.

Es sei denn es geschieht ein kleines Wunder, und der Ölpreis steigt wie aus dem Nichts drastisch an auf vielleicht 60 oder 70 Dollar? Am Ölmarkt soll man ja niemals NIE sagen. Verhungern werden die Saudis so schnell aber eh nicht, denn bald sollen 5% des staatlichen Ölkonzerns Saudi-Aramco an die Börse gebracht werden. Der Erlös von nur diesen 5% könnte bei 100, 150 oder 200 Milliarden Dollar liegen. Genau steht das noch nicht fest. Das Geld soll offiziell in einen Staatsfonds fließen um das Land zu modernisieren und unabhängig vom Öl zu machen. Wir vermuten einfach mal: Das Geld könnte auch unmittelbar zur Deckung der Haushaltslöcher verwendet werden.


Der WTI-Ölpreis seit dem 5. April. Man sieht die Euphorie seit Anfang Mai, in der 6 und zuletzt 9 Monate eingepreist wurden. Dann am Ende die aktuelle Enttäuschung, dass nichts Zusätzliches verkündet wurde. Oder auch anders formuliert: Kaufe das Gerücht, verkaufe die Fakten!



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage