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Fed: Abstieg einer Notenbank

Von Markus Fugmann

Stell dir vor es kommt das FOMC-Statement – und keiner kuckt hin. So ähnlich war es gestern – das Handelsvolumen im Umfeld des Statements war so gering wie noch nie in der Geschichte. Warum? Vor allem, weil die Fed immer unwichtiger wird. Die Geldpolitik der Welt entscheidet sich in Frankfurt, die Fed gerät zunehmend in eine Peripherie-Lage. Das QE der EZB hat eine ungeheure Sogwirkung auf zahlreiche Notenbanken der Welt, vor allem auf China, wo der Yuan derzeit in freiem Fall ist. China muss mitspielen im Konzert der Abwerter – nur die Amerikaner haben das noch nicht bgeriffen.

Die Fed hingegen meint, die großen deflationären Tendenzen würden für die USA nicht gelten: wenn sich der Arbeitsmarkt weiter erhole, so die Logik, dann stiegen auch die Löhne und so auch die Inflation in Richtung ihres 2%-Ziels. Das folgt der Theorie der „Phillips-Kurve“ – die sich jedoch schon in der Vergangenheit als wenig brauchbar erwiesen hatte. So stieg selbst bei Aufschwüngen mit Lohnsteigerungen die Inflation nicht oder nur wenig.

Die Fed hat sich erst Anfang 2012 duchringen können, ein Inflationsziel anzugeben. Aber seit April 2014 liegt die Inflation deutlich unter der Zielmarke der Fed – im November waren es nur 1,2%. Und in den nächsten Monaten dürfte sich der Abwärtstrend noch beschleunigen: der starke Dollar und der fallende Ölpreis werden die Preise nach unten drücken – und die Eurozone wird durch das QE der EZB Deflation in die USA exportieren.

Yellen und der Fed scheint irgendwie nicht aufgefallen zu sein, dass sich Meldungen über Entlassungen bei US-Firmen drastisch häufen. Die Shale-Industrie, die wichtig war für die leichter Erholung der US-Ökonomoie, ist bereits im Sinkflug. Wenn sich zeigt, dass der Rückgang der Ölpreise kein vorübergehendes Problem ist – was sehr wahrscheinlich ist – hat das starke Auswirkungen auf Jobs, Investitionen und Kapitalmärkte (High-Yiel-Anleihen).

Aber die Fed ignoriert all das – und liegt damit ganz auf der optimistischen Linie Obamas, der meinte, die Krise sei nun vorbei. Sie fängt für Amerika in Wirklichkeit jetzt erst an. Einer der besten, nein, wahrscheinlich der beste Analytiker der Finanzmärkte, Jeff Gundlach, hat gestern in einer erste Reaktion der Fed vorgeworfen, die Zinsen aus philisophischen (also rein theorertischen) Gründen anheben zu wollen. Der akademische Optimismus habe über die ökonomische Erfahrung triumphiert. Man darf gespannnt sein, wann die Fed aufwacht – noch ist sie im Tiefschlaf. Es ist der Niedergang einer Notenbank, die einst die wichtigste der Welt war.



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