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Fed: Anhebungen der Zinsen am Vorabend einer Rezession?

Warum die Fed die Zinsen schnell anheben will!

Fed Zinsen Rezession

Die gestrige Rede von Fed-Chef Jerome Powell hat es noch einmal zum Ausdruck gebracht: Die US-Notenbank ist geldpolitisch weit hinter der Kurve und die Fortdauer des Krieges in der Ukraine mit all ihren Auswirkungen auf die globalen Energie-, Rohstoff,- und Lebensmittelmärkte heizen Inflation und Lieferkettenprobleme weiter an und dürften die Wirtschaft in eine Rezession treiben. Was die Fed nach außen hin aber nicht kommunizieren darf, ist, dass es der US-Wirtschaft auf mittlere Sicht gar nicht so gut gehen dürfte wie man kommuniziert, sogar eine Wirtschaftsschrumpfung droht. Die Inflation dürfte in diesem Stagflationsszenario tatsächlich zurückgehen – ob mit oder ohne heftige Zinsanhebungen. Aber es gibt hinsichtlich des Handelns der Notenbank einen großen Unterschied.

Fed: Die Warnsignale zwingen zum Handeln

Verschiedene US-Geldpolitiker, aber auch große Geldhäuser, verweisen derzeit auf die großen Cash-Reserven der Amerikaner, die sich in der Corona-Krise durch Rettungspakete und Helikopterschecks aufgebaut hätten. Aber ist dies wirklich so, nachdem die Inflationsrate bei den US-Verbraucherpreisen nun schon 10 Monate in Folge über fünf Prozent notieren, zuletzt bei 7,87 Prozent – Tendenz weiter steigend.

Die Löhne aber sind nicht adäquat gestiegen. Über die Probleme eines großen Anteils der US-Bevölkerung, die von Paycheck zu Paycheck lebt und von der permanenten Inanspruchnahme von Krediten zur Aufrechterhaltung der täglichen Versorgung wurde hier schon viel geschrieben. Die Finanzierungsbedingungen haben sich schon deutlich verschärft, bei den Kapitalmarktzinsen wie den 10-jährigen US-Staatsanleihen als Benchmark mit aktuell über 2,33 Prozent oder bei den US-Hypothekenzinsen, die von 2,6 auf 4,4 Prozent gestiegen sind. Während der Zinsanhebungszyklus gerade erst begonnen hat.

Gleichzeitig invertieren die Zinskurven zwischen den verschiedenen Laufzeiten von Woche zu Woche immer mehr, das sicherste Zeichen für eine sich in ein paar Monaten anbahnende US-Rezession. 11-Mal gab es eine Inversion seit 65 Jahren – und stets schrumpfte die US-Wirtschaft anschließend.

Fed und US-Zinskurve

Aber desto mehr die Fed über die Bekämpfung der Inflation und über die notwendige Zinsschritte spricht, desto mehr wetten die Märkte gegen höhere Zinsen und Inflation, wie es dieser Tweet zynisch zum Ausdruck bringt:

Fed Märkte wetten auf Zinssenkungen

Der Fed bleibt keine andere Wahl

Wie es bei FMW schon öfters formuliert wurde: Die Bekämpfung der Inflation hat Top-Priorität, US-Präsident Biden hat diesen Auftrag an die Fed unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Inflation trifft ganz besonders die unteren Bevölkerungsschichten (aber auch Rentner), eine wichtige Wählergruppe für die Demokraten, die sich vor einer Niederlage in beiden Häusern bei den im November stattfindenden Midterm Elections fürchten.

Aber können Zinsanhebungen etwas an Lieferkettenproblemen, an hohen Energie- und Rohstoffpreisen ändern – also an der Angebotsseite? Mitnichten, man kann nur dämpfend auf die Nachfrage wirken und damit rezessive Tendenzen in der Wirtschaft befördern. Was die Fed aber niemals offen aussprechen würde. Im Übrigen wurden die letzten drei Wirtschaftszyklen durch Zinsanhebungen (9 -16 – 9) gebremst, eine Rezession war dabei die unmittelbare Konsequenz.

Warum die plötzliche Hektik der Fed bei den Zinsanhebungen?

Was war das probate Mittel in der Nachkriegszeit, um eine Wirtschaft, die in eine Rezession gefallen war, wieder daraus hervorzuholen? Natürlich waren dies Zinssenkungen der US-Notenbank Fed (wie zuletzt im Februar 2020), um über die günstigeren Finanzierungsbedingungen die Wirtschaft und natürlich die Konsumenten zu stützen. Aber früher gab es eben Zinsen, die gesenkt werden konnten. Und heute? Muss die Fed nicht gerade für den Fall vorsorgen, dass aufgrund der denkbar ungünstigen globalen Lage im Falle einer Rezession Spielraum vorhanden ist? Sprich ein Leitzinssatz, den man nicht nur um ein paar Zehntel Prozent senken kann.

Ob es im April nun 0,25 oder 0,50 Prozent mit den Leitzinsen nach oben geht, dürfte für die Inflationsbekämpfung kaum eine Rolle spielen. Anders jedoch, sollte man in 2023 wieder an der Zinsschraube drehen müssen. Weil die derzeitige Inflation die Budgets der Verbraucher dezimiert und die Gewinne der Unternehmen geschrumpft hat.

Könnte es nicht sein, dass der Fed schwant, wie weit sie zinspolitisch „Behind the Curve“ wäre, wie leer ihr Instrumentenkasten, sollte der Ukrainekonflikt die Weltwirtschaft weiter tangieren? Die Märkte haben dieAnhebungen der Zinsen schon längst eingepreist, siehe kurzfristige Zinsen.

Die Fed hat, wie schon oft erwähnt, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber für die Notenbank gibt es wohl keine andere Alternative, als um rasch den Zinszyklus zu starten „Whatever it takes“.

Aber was bedeutet dies eigentlich für unsere EZB mit ihrer Chefin Christine Lagarde? Quantitative Easing forever?



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