Die Finanzwelt blickt gespannt auf die kommenden Entscheidungen der Fed. Während Ökonomen weiter sinkende Zinsen erwarten, dürfte sich der Konflikt innerhalb der US-Notenbank weiter zuspitzen. Nach mehreren Zinssenkungen wächst die Debatte darüber, wie stark der Arbeitsmarkt tatsächlich schwächelt – und welchen Kurs potenzielle Nachfolger wie Kevin Hassett einschlagen könnten. Die Erwartungen sind hoch, die Unsicherheit ebenso.
Ökonomen erwarten sinkende Fed-Zinsen
Ökonomen, die von Bloomberg befragt wurden, rechnen damit, dass die US-Notenbank bereits in der kommenden Woche erneut die Zinsen senkt, um wachsende Risiken eines deutlichen Abschwungs am US-Arbeitsmarkt abzufedern.
Der Median der Befragten geht zudem davon aus, dass die Fed im Jahr 2026 zwei weitere Senkungen um jeweils 25 Basispunkte vornehmen wird – beginnend im März. Der Schritt in der kommenden Woche würde die Serie von Zinssenkungen aus den letzten beiden Sitzungen im September und Oktober fortsetzen und den Leitzins auf eine Spanne von 3,75 bis 3,50 % senken.
Eine deutliche Mehrheit erwartet außerdem, dass die Fed erneut erklären wird, die „Abwärtsrisiken für die Beschäftigung seien in den vergangenen Monaten gestiegen“. Die Entscheidung wird am 10. Dezember um 14 Uhr Washingtoner Zeit veröffentlicht, gefolgt von einer Pressekonferenz mit dem scheiddenden Fed-Chef Jerome Powell.
„Die Tauben innerhalb der Fed scheinen derzeit leicht im Vorteil gegenüber den Falken zu sein“, sagte Dennis Shen, Ökonom bei Scope Ratings. Er ergänzte: „Sollte die Fed erneut lockern, dürfte Powell zugleich eine vorübergehende Pause signalisieren – in Erwartung neuer Wirtschaftsdaten.“

Uneinigkeit über Risikoausrichtung
Innerhalb der Notenbank ist der Konflikt zwischen den Zielen Preisstabilität und Vollbeschäftigung deutlicher denn je. Mehrere regionale Fed-Präsidenten warnen vor hartnäckiger Inflation, insbesondere durch steigende Importpreise infolge neuer Zölle. Andere wiederum argumentieren, der Arbeitsmarkt brauche dringend weitere Unterstützung.
Die Datenlage liefert wenig Orientierung: Zwar haben Großunternehmen wie Verizon Communications und Amazon.com zuletzt größere Stellenstreichungen angekündigt, doch die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen bleiben niedrig.
Gleichzeitig hat das Bureau of Labor Statistics bislang keinen aktualisierten Inflationsbericht veröffentlicht. Nach dem langen Regierungsstillstand von Oktober bis November müsse man mehr Zeit einplanen, hieß es. Die letzten offiziellen Zahlen zeigen einen Anstieg des Verbraucherpreisindex auf 3 % im September.
Die meisten Ökonomen sehen die größte Herausforderung weiterhin in einer möglichen deutlichen Schwächung des Arbeitsmarkts. Nur 18 % der Befragten halten steigende Inflation für das größere Risiko. Die Umfrage unter 41 Ökonomen lief vom 28. November bis 3. Dezember.
Spannungen unter den Fed-Vertretern
Zusätzlich zur Zinsentscheidung veröffentlicht die Fed kommende Woche neue Wirtschaftsprognosen. Laut Umfrage dürfte die Notenbank ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht anheben und die Inflationserwartungen etwas senken. Für 2026 könnte die Arbeitslosenprognose geringfügig steigen.
Eine deutliche Mehrheit der Befragten rechnet zudem erneut mit einem gespaltenen Votum im Offenmarktausschuss. Der Präsident der Kansas City Fed, Jeff Schmid, dürfte wie schon im Oktober gegen die Zinssenkung stimmen. Über ein Drittel erwartet außerdem eine Gegenstimme von St.-Louis-Fed-Präsident Alberto Musalem, der zuletzt Inflationssorgen betonte.
Auch Fed-Governor Stephen Miran wird voraussichtlich erneut gegen eine Senkung der Zinsen um 25 Basispunkte stimmen, nachdem er im September und Oktober sogar stärkere Schritte gefordert hatte.
Hassett als möglicher Powell-Nachfolger
In den vergangenen Jahren suchte die Fed Entscheidungen oft im Konsens. Doch laut Umfrage rechnen mittlerweile fast alle Ökonomen damit, dass das Gremium künftig stärker nach Mehrheitsprinzip arbeitet – auch wenn unklar bleibt, wie häufig es 2026 zu Gegenstimmen kommen wird.
Die meisten Befragten gehen zudem davon aus, dass die Trump-Regierung Kevin Hassett, den Direktor des National Economic Council, als Nachfolger für Jerome Powell nominieren wird, dessen Amtszeit im Mai ausläuft. Hassett gilt laut Insidern als Favorit von Präsident Donald Trump. Dieser kündigte jüngst an, seine Entscheidung Anfang kommenden Jahres bekanntzugeben – und bezeichnete Hassett dabei als „potenziellen Fed-Chef“. Der mutmaßliche Powell-Nachfolger äußerte sich am Donnerstag bei CBS zu den Zinsen und ließ erkennen, dass er langfristig „ein deutlich niedrigeres Zinsniveau anstrebe“.
Dennoch halten viele Ökonomen Fed-Governor Christopher Waller für die bessere Wahl.
„Waller verfügt über institutionelles Wissen und Erfahrung im FOMC. Zudem dürfte er über bessere Arbeitsbeziehungen zu anderen Mitgliedern verfügen“, sagte Thomas Simons, Chefökonom bei Jefferies. „Allerdings gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Hassett eine schlechte Wahl wäre.“
FMW/Bloomberg
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Wenn die FED gar keine Korrekturen mehr zulässt…dann werden wir bald die 250 im Buffet Indikator sehen…
Aktuell steht er ja den 225…Tendenz klar nach oben gerichtet…
Wo soll das alles enden…? Wir wissen es nicht…
Es ist ein Experiment…
…ich hoffe, nein ich flehe, es endet erst bei 350…aber…wissen wir nicht…es bleibt ein Experiment…