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Das Börsenereignis des Tages Fed-Chef Powell heute mit Rede in Jackson Hole – die Vorschau

Fed-Chef Jerome Powell spricht heute in Jackson Hole. Werden die Zinsen im September sinken? Die Börsenwelt schaut ganz genau hin.

Fed-Chef Jerome Powell
Fed-Chef Jerome Powell. Foto: Al Drago/Bloomberg

Das Top-Event des Tages für Börsianer: Heute um 16 Uhr deutscher Zeit spricht Fed-Chef Jerome Powell auf der großen Zentralbanker-Tagung in Jackson Hole. Wird er sich in klaren Worten äußern zur ersten möglichen Zinssenkung der US-Notenbank am 17. September? Laut CME Fed Watch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte aktuell bei 73,3 %.

Fed-Chef Powell mit Rede – Aussagen über sinkende Zinsen?

Zuletzt sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung, die vor Tagen noch bei über 90 % lag (aktueller Zins in der Spanne von 4,25 % bis 4,50 %). Denn Konjunkturdaten aus den USA zeigten zuletzt vor allem verstärkten Preisauftrieb durch Trumps Zölle – genau das passende Argument für Powell, damit die Fed die Zinsen nicht senken muss. Im Oktober und Dezember stehen auch Zinsentscheidungen der Federal Reserve an. Wird Powell auch für diese Sitzungen Andeutungen machen? Können die Märkte für dieses Jahr ingesamt mit zwei Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten rechnen?

In diese Richtung gehen die Hoffnungen von Anlegern und Analysten. Wird Powell sich klarer äußern als bisher? Bei den widersprüchlichen Konjunkturdaten der letzten Tage und bei noch unzähligen anstehenden Datenmeldungen in den nächsten Wochen, könnte es mal wieder darauf hinaus laufen, dass Powell sich zurückhaltend und neutral äußert? Man werde die anstehenden Daten auswerten, und müsse schauen wie sich die Inflation durch die Zölle entwickelt? Jedes einzelne Wort des Fed-Chefs könnte vom Markt genau beobachtet werden, und für Aktien, Anleihen, Währungen und Gold kann ab 16 Uhr richtig Bewegung entstehen – also Augen auf!

Wetten auf Zinssenkungen am Anleihemarkt

Anleihe-Investoren sehen der mit Spannung erwarteten Rede von Jerome Powell mit der Erwartung entgegen, dass der Fed-Vorsitzende einen Beginn der Zinssenkungen im nächsten Monat ankündigen wird. Bloomberg berichtet hierzu: Powells Rede steht diese Woche aus gutem Grund im Mittelpunkt des Interesses. In den letzten Jahren nutzte er diese Gelegenheit, um marktbewegende geldpolitische Ankündigungen zu machen, wobei die Anleger genau darauf achteten, ob der Fed-Vorsitzende die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen zurücknimmt oder nicht.

Zinsswaps sind in den letzten Tagen angesichts der hawkischen Äußerungen anderer Fed-Vertreter und gemischter Wirtschaftsdaten zurückgegangen. Der Markt rechnet jedoch weiterhin mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70 % für eine Senkung um einen Viertelpunkt bei der Sitzung im September und mit einer Lockerung um fast 50 Basispunkte bis Jahresende.

Powell steht unter starkem Druck von Präsident Donald Trump und anderen Vertretern des Weißen Hauses, die Zinsen wieder zu senken, nachdem die Fed seit Dezember eine Zinsbandbreite von 4,25 % bis 4,5 % beibehalten hat. In Jackson Hole könnte Powell die Unabhängigkeit der Fed bekräftigen.

Ein hawkischer Ton in der Rede dürfte die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen anheben. Er könnte auch den Druck auf eine Reihe von großen Transaktionen am Optionsmarkt erhöhen, die auf eine überdurchschnittliche Zinssenkung im nächsten Monat und insgesamt 75 Basispunkte bis zum Jahresende abzielen.

„Die Wahrscheinlichkeit einer hawkischen Pressekonferenz ist hoch, und der Vorsitzende neigt nicht dazu, die Zinsen zu senken“, sagte Tom di Galoma, Managing Director bei Mischler Financial Group. Um sich geldpolitische Flexibilität zu bewahren, könnte Powell die Anleger daran erinnern, dass jede Entscheidung im September von den nächsten Beschäftigungs- und Inflationszahlen abhängt, die Anfang nächsten Monats veröffentlicht werden.

Grafik zeigt Wetten auf sinkende Fed-Zinsen kurz vor der Powell-Rede

„Powell wird sich im September nicht auf einen Zinssenkungspfad festlegen wollen, sondern wahrscheinlich eher andeuten, dass die Wirtschaftsdaten ausreichend geschwächt sind, um eine Zinssenkung in Betracht zu ziehen“, sagte Jason Pride, Leiter Investmentstrategie und Research bei Glenmede.

Dieser Ansatz dürfte den Anleihemarkt in seiner aktuellen Bandbreite halten, wobei die zweijährigen Anleihen bei etwa 3,75 % und die zehnjährigen Anleihen bei etwa 4,30 % verharren dürften.

Die Renditen für kürzerfristige Anleihen sind in diesem Monat bereits um 11 bis 16 Basispunkte gesunken und konnten damit einen Teil der Rallye halten, die durch die schwachen Beschäftigungsdaten für Juli ausgelöst worden war. US-Staatsanleihen blieben am Freitag im frühen asiatischen Handel weitgehend unverändert.

Expertenaussagen

Im Jahr 2024 öffnete Powell in Jackson Hole angesichts der Anzeichen einer schwächelnden Arbeitsmarktlage die Tür für einen Lockerungszyklus der Fed, was an diesem Tag zu einem Einbruch der zweijährigen Renditen führte, da seine Äußerungen die Händler bestätigten, die auf Zinssenkungen gesetzt hatten. Ein Jahr später verschlechtert sich der US-Arbeitsmarkt erneut, doch anders als im August 2024 sind die Inflationsrisiken gestiegen.

Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung zeigten sich die Fed-Vertreter im Juli besorgt über einen weiteren Anstieg der Inflation, da sich die Zölle auf die Wirtschaft auswirken. Die hohen Vermögenspreise deuteten ebenfalls darauf hin, dass eine Zinssenkung weniger notwendig war. Die Zentralbank hat die Zinsen das ganze Jahr über unverändert gelassen, wobei Powell dafür plädierte, zunächst das Ausmaß der durch die Zölle verursachten Inflation abzuwarten, bevor weitere Zinssenkungen vorgenommen werden.

Was Bloomberg-Strategen sagen: „Wie wir wissen, bedeutet die absolute Abneigung der Fed, den Markt mit Zinsüberraschungen zu überraschen, dass die Marktpreise praktisch zu einer vollendeten Tatsache werden können.“
— Cameron Crise, MLIV

Anleiheinvestoren gehen davon aus, dass die Schwäche des Arbeitsmarktes die Inflationssorgen überwiegen wird. Andrzej Skiba, Leiter des Bereichs US-Festverzinsliche bei RBC Global Asset Management, sagte, er erwarte, dass „Powell erneut auf eine geldpolitische Lockerung hinweisen wird“ und dass trotz „einiger Hotspots in den Inflationszahlen dieses Monats diese wahrscheinlich nicht ausreichen werden, um die Tauben im Ausschuss abzuschrecken“.

Sollten die Daten des nächsten Monats den Markt dazu veranlassen, weiterhin mit einer Lockerung zu rechnen, sei mit einer Bestätigung durch Fed-Vertreter zu rechnen, so Pride von Glenmede. „Die Federal Reserve neigt dazu, wenn nichts auseinanderzufallen scheint, das zu liefern, was sie zu diesem Zeitpunkt in die Markterwartungen eingebaut hat“, sagte Pride.

Die Strategen von BMO Capital Markets schlagen nach der ersten Reaktion auf Powells Rede folgenden Spielplan vor: „Wir würden eine Rallye im Zweijahresbereich abwarten, falls Powell sich zurückhaltend zeigt, aber keine Zinssenkung im September festlegt. Umgekehrt würden wir bei einem Einbruch der Kurse kaufen, wenn der Markt eine hawkische Äußerung als Hinweis darauf missversteht, dass eine Zinssenkung im September nicht in Frage kommt.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Er wird die Zinsen im September senken. Zumindest wird er das sagen und mit der zunehmend schwächeren Wirtschaft begründen. Damit er mal ein wenig Wind aus den Attacken auf sich und seine Verbündeten raus nimmt und sich Zeit erkauft. Dann nochmal im S&P500 auf mindestens 6.600 Punkte…

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