Die globalen Aktienmärkte stehen am Donnerstag kurz davor, ihre Verluste des Monats November vollständig auszugleichen. Grund dafür ist ein deutlicher Anstieg der Wetten auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Diese Hoffnung ließ die Risikoaversion schwinden, nachdem zu Monatsbeginn Sorgen über überhöhte KI-Bewertungen sowie sinkende Zinssenkungserwartungen zu einem Abverkauf geführt hatten. Der MSCI All Country World Index verzeichnete den fünften Anstieg in Folge und reduzierte sein November-Minus auf lediglich 0,5 Prozent – nach zuvor sieben Monaten kontinuierlicher Gewinne. Auch die asiatischen Aktienmärkte, die zuvor ebenfalls eine ähnliche Gewinnserie verzeichnet hatten, legten am Donnerstag um 0,5 Prozent zu und verkleinerten ihre bisherigen November-Verluste auf 2 Prozent.
Während der S&P 500 seinen 50-Tage-Durchschnitt zurückeroberte, konnte sich der heimische DAX von seinem Vorwochentief bereits um 3,4 % erholen. Im heutigen Handel dürften jedoch frische Impulse weitgehend ausbleiben, da die richtungsweisenden US-Börsen aufgrund des Thanksgiving-Feiertags geschlossen bleiben. Parallel dazu überschritt Bitcoin erneut die Marke von 91.000 US-Dollar, während ein Bloomberg-Index für den US-Dollar den dritten Rückgangstag in Folge verbuchte. Davon profitierte auch der Goldpreis, der nach seiner jüngsten Erholungsbewegung wieder im Bereich von rund 4.150 US-Dollar notiert.
Aktienmärkte setzen auf Fed-Zinssenkung
Die Marktbewegungen spiegeln die steigende Erwartung wider, dass die Fed schon bald eine geldpolitische Lockerung einleiten könnte. Geldmärkte preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von knapp 85 Prozent für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bereits im kommenden Monat ein – ergänzt um drei weitere Senkungen bis Ende 2026. Noch vor einer Woche erwarteten Händler insgesamt nur drei Zinsschritte.
Diese Entwicklung sorgt für vorsichtigen Optimismus an den globalen Aktienmärkten, die zuvor durch Zweifel an den hohen Bewertungen großer Tech-Unternehmen unter Druck geraten waren. Unterstützt wird die Stimmung zudem durch die Aussicht, dass ein Vertreter des Pro-Zinssenkungslagers neuer Fed-Chef werden könnte. „Sicherlich scheint der Optimismus über Zinssenkungen der Fed die Sorgen über eine mögliche KI-Blase vorerst auszugleichen“, sagte Charu Chanana, Chef-Investmentstrategin bei Saxo Markets in Singapur. Sie ergänzte: „Und der schwächere Dollar bietet eine zusätzliche Stütze für Asien.“

Nahrung für die Zinsfantasie
Das Beige Book der Federal Reserve zeigte unterdessen, dass die Beschäftigung landesweit leicht zurückging, während die Preise moderat stiegen. Besonders auffällig: Die Konsumausgaben verlangsamten sich weiter – mit Ausnahme der hochpreisigen Käufergruppe. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken hingegen leicht, entgegen der Erwartung eines moderaten Anstiegs. Die Rallye der US-Staatsanleihen, die über vier Tage hinweg den Renditedruck reduzierte, pausierte am Mittwoch; die Rendite der 10-jährigen Treasury lag stabil bei 4 Prozent, nachdem neue Arbeitsmarktdaten robust ausgefallen waren.
Der Rentenmarkt zeige damit „Gegenströmungen und gemischte Entwicklungen in der Realwirtschaft“, sagte Ian Lyngen von BMO Capital Markets. Allerdings gebe es in den jüngsten Daten „nichts, was die Fed davon abhalten würde“, am 10. Dezember die Zinsen um 25 Basispunkte zu senken. Bloomberg Economics betonte: „Die wichtigste Botschaft des neuesten Beige Book der Fed war, dass die Beschäftigung leicht zurückging, wobei fast die Hälfte der Bezirke eine geringere Nachfrage nach Arbeitskräften meldete.“ Dies sei eine „erhebliche Herabstufung gegenüber dem vorherigen Bericht“ und werde voraussichtlich „die Waage zugunsten einer Zinssenkung um 25 Basispunkte beim FOMC-Treffen am 9./10. Dezember neigen“.
Die Erwartungen einer Zinssenkung verstärkten sich weiter, nachdem bekannt wurde, dass Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council des Weißen Hauses, als führender Kandidat für das Amt des Fed-Vorsitzenden gilt. Investoren sehen seine potenzielle Ernennung im Einklang mit Präsident Donald Trumps Forderung nach niedrigeren Zinsen. Parallel dazu schwächte sich der US-Dollar weiter ab, da Anleger ihre Wetten auf Zinssenkungen ausweiteten. „Die größeren Risiken für den Dollar sind die sich abzeichnende Schwäche am Arbeitsmarkt und erneute Risiken für die Unabhängigkeit der Fed“, sagte Kaitlyn Buhariwalla von Westpac Banking Corp.
Auch die Rohstoffmärkte gerieten in Bewegung. Der Ölpreis gab leicht nach, während Investoren sowohl die von den USA geführten diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekriegs als auch das anstehende OPEC+-Treffen am Wochenende beobachteten.
FMW/Bloomberg
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