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Fed: Ist die US-Wirtschaft zu stark für die Geldpolitik von Jerome Powell?

Die Fed und ihre Geldpolitik - gefährlich angesichts der Stärke der US-Wirtschaft

Die Fed hat immer wieder klar gemacht, dass sie absehbar die Zinsen nicht anheben wird – und das trotz einer offenkundig sehr starken US-Wirtschaft!

Wer hätte das vor wenigen Monaten geglaubt? Die US-Wirtschaft beendet das Jahr „nur“ mit einer Schrumpfung von 3,3 Prozent, bereits im vierten Quartal betrug der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt 4,1 Prozent. Was Staat und Notenbank nicht daran hinderte, bereits über fünf Billionen Dollar an Stimuluspaketen an Wirtschaft und Konsumenten zu verteilen. Dennoch wird die Fed nicht müde, von einer notwendigen Fortsetzung des Quantitive Easing zu sprechen. Das gestrige Verbrauchervertrauen der US-Bürger sprang auf Glückshöhen. Die 1400 Dollar Schecks (pro Person) verfehlen nicht ihre Wirkung. Doch langsam dürfte die Lage, so seltsam es auch klingen mag, für die Notfallprogramme der Fed zu gut werden. Alle Augen sind auf den Freitag gerichtet.

Worauf achtet die Fed?

Klar zunächst einmal auf das Umfeld, das ihr der gesetzliche Auftrag vorgibt, mantraartig in jeder Pressekonferenz vorgetragen: „Maximum Employment and Price Stability“.

Bei der Arbeitslosenrate spricht die Fed von Vollbeschäftigung bei einer Rate von unter fünf Prozent, einer Quote der man sich 2021 annähern könnte, die Inflationsrate soll sich bei zwei Prozent einpendeln. Beides sind Indikatoren im Rückspiegel – und sollte sich tatsächlich ein Wachstum von 6,5 Prozent für 2021 einstellen, was dann? Riesige Rettungspakete, Ersparnisse der Bürger (coronabedingt) von 1,5 Billionen Dollar, weltweit steigende Preise, höhere Inputkosten, wenn sich da der Ketchup-Propfen nicht abrupt ergießt. Aber vielleicht weiß die Federal Reserve mehr und behält Recht mit ihrer Prognose einer vorübergehenden Inflation.

Natürlich achtet die Fed auf den Aktienmarkt, denn er hat fundamentale Bedeutung für den Wohlstand im Lande, für die Pensionskassen und die große Finanzindustrie. Durch seine mehr als Vervierfachung seit der Finanzkrise mit einer damaligen Marktkapitalisierung von unter 10 Billionen Dollar auf bereits deutlich über 40 Billionen Dollar hängt er nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der Gesellschaft. Daher hatte ich in dem Extrem-Monat Dezember 2018 schon einmal einen Artikel über die 40 Billionen Dollar-Achillesferse der USA geschrieben. Die damalige 180-Grad Kehrtwende von Jerome Powell ist bereits legendär.

Denn in erster Linie geht es um den Konsum, die USA sind die mit Abstand größte Konsumökonomie der Welt mit einem Volumen von 16 Billionen Dollar (vor der Krise), aber damit noch immer größer als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik China. Diesen gilt es bei Laune zu halten, deshalb auch die vielen Stimulusschecks an die US-Bürger in einem Land mit einem vergleichsweise schwachen Sozialsystem.

Doch jetzt gab es gestern einen gewaltigen Sprung im US-Verbrauchervertrauen (Conference Board) auf 109 Punkte. Die Konsumschecks lassen grüßen, ebenso zuversichtlich stimmt die Impfgeschwindigkeit, bei der es zuletzt 3,5 Millionen Impfungen pro Tag gab- Tendenz weiter steigend.

Die positiven Nachrichten nehmen zu, mehr als Jerome Powell lieb sein kann, wenn er sein Pandemie-Programm weiter durchziehen will.

Die Fed sieht die Exzesse an den Kapitalmärkten

Natürlich bleiben der Fed die Folgen nicht verborgen, die sich infolge der stetigen Kapitalzufuhr ergeben haben.

SPACs, IPOs, Margin Debt, Wertpapierkredite, Hebelung bei den Wertpapierkäufen, alles Nebenwirkungen des billigen Geldes durch die Rettungsmaßnahmen der Notenbank. Wenn es keine Zinsen gibt, – Gelegenheit macht „Kredite“ – also generiert vielerlei Übertreibungen mit unweigerlichen Kollateralschäden.

Vor Kurzem gab es einen Versuch durch ein neues, stimmberechtigtes Mitglied der Fed, Christopher Waller, die niedrigen Zinsen nicht in einen Zusammenhang mit der Neuverschuldung des Staates zu setzen. Ökonomischer Unsinn und zinspolitisch kontraproduktiv, wie es Hannes Zipfel in seinem gestrigen Artikel dargestellt hat. Was wollte der Notenbanker damit bewirken? Eine Rechtfertigung der Anleihekäufe einzig und allein zur Pandemiebekämpfung, die man trotz steigender Indikatoren noch längere Zeit aufrechterhalten will? Es ging daneben, die Märkte reagierten gleich mit einem kleinen Zinsanstieg.

Fazit

Es bleibt das alte Thema. Wirtschaftsprognosen in einer Pandemie sind mehr denn je wie ein Stochern im Nebel. Hatte im letzten Jahr auch nur irgendeine Aussicht mehr als vier Wochen Bestand gehabt und mussten diese nicht ständig revidiert werden? Aber sollte sich die Pandemie in den nächsten Monaten tatsächlich über die Impfungen so in den Griff kriegen lassen, wie von Experten erwartet, könnten wir ungeahnte Reaktionen der Menschen erleben, in ihrem Streben nach Altgewohntem. (Der Mallorca-Urlaub zu Ostern ist nur ein klitzekleiner Vorgeschmack).

So ähnlich wie es nach der Bergung der Ever Given für die Warenlieferungen erwartet wird: Erst kommt nichts, dann alles auf einmal. Schon wieder ein Ketchup-Effekt. Aber sollte die Exponentialfunktion bei der Infektionsrate bei Covid-19 in der anderen Richtung wirken, mit asymptotischer Annäherung an die X-Achse, dann passt vieles auf einmal nicht mehr zusammen. Angebot zu Nachfrage, Not- Anleihekaufprogramme zu Wirtschaftswachstum, Inflationsrate zu Kapitalmarktzinsen. Dann wird es spannend für die Aktienmärkte, die keine boomende Wirtschaft mögen. Jerome Powell hat angekündigt, die Märkte rechtzeitig auf ein Tapering (Rückführung der Notmaßnahmen) hinzuweisen. Man kann gespannt sein, wie er und die Fed dies ohne Verwerfungen hinkriegen wollen..



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