Folgen Sie uns

Indizes

Fed-Protokoll – Notenbank in Entscheidungsnotstand

Die Fed steht die vor der Entscheidung: „Pest oder Cholera“!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Heute wird das Fed-Protokoll veröffentlicht – und die Spannung ist groß im Vorfeld: kommt die Notenbank den Märkten entgegen?

Die „America first“-Politik des US-Präsidenten hat deutlich sichtbare Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen. Gut 14 Monate vor dem Termin der nächsten US-Wahlen hat sie verschiedene Entwicklungen in Gang gesetzt, die dem jetzigen Amtsinhaber gar nicht gefallen. Jetzt soll die US-Notenbank vieles gerade richten, der Präsident setzt diese massiv unter Druck und verschärft damit die Probleme ungewollt. Heute Abend bekommen wir mit dem Fed-Protokoll der letzten Sitzung Hinweise auf die Vorgehensweise der Federal Reserve, die sich in einem gewaltigen Spannungsfeld zurechtfinden muss.

Die Lage vor dem Fed-Protokoll – die Weltwirtschaft

Die America first-Politik der USA, mit der radikalen Art Donald Trumps alte Wirtschaftsbeziehungen einfach aufzukündigen, hat zu einem Handelsstreit geführt, der die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert hat. Kanada, Mexiko, China, Japan, Südkorea, die EU und besonders Deutschland und jüngst Vietnam, überall hat der US-Präsident alte Regeln über Bord geworfen, in der Absicht Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen. Die Folgen sind gestörte Lieferketten, ein Rückgang des Wachstums der Weltwirtschaft bis an den Rand des kritischen Wachstums von 2,5 Prozent – durch einen spürbaren Protektionismus und die Beschleunigung einer Phase der De-Globalisierung. Die USA selbst bemerken diese Entwicklung an der eigenen Wirtschaft, aber zunächst verzögert durch den immer noch boomenden Konsum.

Gesponserter Inhalt

Hier finden Sie die exklusive Amazon Sonderanalyse zum sofortigen Abruf. Absolut gratis!
Klicken Sie dazu bitte einfach an dieser Stelle.

Die internationale Zinslandschaft

Die Folgen der Schwäche des Welthandels hat zu einem weltweiten Zinssenkungswettlauf geführt. Bereits fast 20 Länder haben seit April ihre Leitzinsen gesenkt, um ihre Wirtschaft anzukurbeln. Damit entstand die historisch einmalige Situation, dass sich von den circa 60 Billionen Dollar ausstehenden weltweiten Staatsanleihen bereits 16 Billionen im negativen Territorium befinden. Aber ausgerechnet die USA mit ihren stark ansteigenden Staatsschulden (22,38 Billionen) bieten bei ihren Anleihen in allen Laufzeiten noch deutliche Renditen und zwingen die nach Rendite gierenden internationalen Kapitalsammelstellen quasi zur Anlage in den Dollarraum.

Der Währungskrieg

Durch die zahlreichen Zinssenkungen haben viele Länder automatisch ihre heimischen Währungen geschwächt, was zweifelsohne Vorteile für deren Export schafft. Dies aber bringt den US-Präsidenten auf die Palme, der offen von Währungsmanipulationen spricht. Daher seine extremen Zinsforderungen an die eigene Notenbank. Was aber nicht geht, ist eine allgegenwärtige Abwertung der Währungen und da hat der US-Dollar durch seine Sonderstellung schlechte Karten. Er ist die Weltleitwährung mit noch fast 60 Prozent Anteil. Die USA haben immer noch spürbare Zinsen und wenn es kracht, flüchtet man reflexartig in den Greenback. Die USA gelten als der sicherste Schuldner der Welt und ziehen damit Kapital an.

 

Fed-Protokoll und die Zwickmühle der Federal Reserve

Nicht nur die beständigen Beteuerungen des US-Präsidenten über die beste Wirtschaftslage der USA seit Menschengedenken, auch die Kommunikation der Fed selbst, haben eine schwierige Situation erzeugt, die eigentlich einen Knall erzeugen muss: Die US-Rentenmärkte haben bereits eine Rezession in absehbarer Zeit eingepreist, US-Regierung, US-Notenbank und auch die Aktienmärkte sehen allenfalls eine temporäre Delle und erwarten ein Wiedererstarken der US-Wirtschaft 2020.

Ein unvereinbares Gap in den beiden Anlageklassen ist entstanden und mittendrin steht die Fed mit ihrer Zinspolitik. Würde sie den Forderungen des Präsidenten nach einer Zinssenkung von mindestens 100 Basispunkten folgen und zugleich der Wiederaufnahme von Anleihekäufen, hätte sie nicht nur ein Glaubwürdigkeitsproblem. Warum ein derartiges extremes Notzinsszenario, wenn es der US-Wirtschaft doch noch so gut geht? Und was bliebe dann noch für ein Zinssenkungsspielraum für 2020/21, wenn es im elften/zwölften Jahr des Aufschwungs zu einer fälligen Rezession kommt? Früher konnte man bei einem Auftreten eines Abschwungs die Leitzinsen um gut und gerne fünf Prozent senken, aber heute?

Fazit: Die Ausgangslage vor dem Fed-Protokoll

Der US-Präsident hat mit seiner Politik des Protektionismus nicht nur der Weltwirtschaft Sand ins Getriebe geschüttet, sondern auch für eine gewaltige Zwangslage der Zinspolitik gesorgt. Mit der Forderung nach massiven Zinssenkungen an die US-Notenbank möchte er die eigene Geldpolitik zu einem Steigbügelhalter für seine Wiederwahl 2020 machen. Indem sie durch massive Zinssenkungen nochmals ein kleines Strohfeuer für die verschuldete Wirtschaft sowie für die für ihn so wichtigen Aktienmärkte entfacht.

Damit hat er aber eine unglaublich diffizile Gemengelage in der immer noch globalisierten Wirtschafts- und Finanzwelt entfacht – mit einer Fed, die vor der Entscheidung „Pest oder Cholera“ steht. Folgt sie den Aufforderungen des Präsidenten, ist dies ein Eingeständnis, dass etwas faul mit der Wirtschaft ist und dass man sich gewaltig getäuscht hat mit der Einschätzung des Umfelds. Bleibt man bei kleinen Zinsschritten von 25 Basispunkten, wird der Dollar weiter aufwerten, den US-Export belasten und nebenbei den US-Präsidenten zur Weißglut bringen. Die Märkte sehen natürlich das Spannungsfeld und warten auf eine Entscheidung im Sinne des ewigen Prinzips „Donˋt fight the Fed!“

Wie gesagt, es wird spannend vor dem Fed-Protokoll und den im September massiv anstehenden Notenbankenentscheidungen.

 

Das Fed-Protokoll wird zeigen, wie die US-Notenbank versucht, der Zwickmühle zu entkommen

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    21. August 2019 11:05 at 11:05

    Man schaue auf die Kurse heute.
    Die Insider gehen All In.
    Spannend ist es maximal für Lieschen Müller mit 10 Telekom im Depot.

  2. Avatar

    Marko

    21. August 2019 14:22 at 14:22

    Um den ganzen „Klim-Bim“ zu erklären, die FED ist vieles, aber garantiert nicht die mächtigste Notenbank der Welt !

    Wenn dem so sein sollte, würde der EUR/USD nicht über 1,10 „handeln“, wenn dem so sein sollte, wieso sollte die FED ihre Zinsen senken ? – weil es keine „andere“ Notenbank gibt, die FED ganz locker „niedermacht“ ? :) :D

    Und diese „andere“ Notenbank, reagiert bis heute nicht, seit Lehman (!!)

    Und da haben die Amis den „Donald“, welcher Grönland kaufen will ?!? – Sonst noch Fragen… ?

    Und den „harten Brexit“, na ja … ;) :D

    viel Spass beim Brexit !!

  3. Avatar

    Marko

    21. August 2019 14:33 at 14:33

    Und was ich damit sagen will, die FED muss darauf warten, bis die EZB endlich auf die Idee kommt, die Zinsen zu 0,25 % pro Quartal zu erhöhen…

    Börse kann so einfach sein… ?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Ich glaube an die Jahresendrally! Marktgeflüster (Video)

Sehen wir nun also jetzt schon den Beginn der Jahresendrally, kommt jetzt also die weitere, ungebrochene Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte heute einmal mehr stark – weil Trump nun den Übergang zu Biden ermöglicht hat und Janet Yellen wohl neue US-Finanzminsterin wird (allerdings überschätzen die Märkte ihre Möglichkeiten, sie muß sich mit Mitch McConell auseinandersetzen!). Sehen wir nun also eine Jahresendrally, also die ungebrochene weitere Aufwärtsbewegung? Eher unwahrscheinlich – zuvor braucht es eher noch einmal eine Korrektur der völlig überhitzten Aktienmärkte (vor allem Energie-Werte etc.), bevor dann eben diese Jahresendrally einsetzen kann. Was für diese Korrektur fehlt ist ein Katalysator, eine Meldung, die die bereits all-in Investierten auf dem falschen Fuß erwischt und aus dem Markt kegelt, bevor dann die starken Hände wieder kaufen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Gold/Silber

Aktuell: Dow mit Allzeithoch, Ölpreis steigt – warum der Goldpreis bei 1.800 Dollar hängt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Aktuell tut sich einiges an den Märkten. Der Dow Jones hat vorhin mit 29.996 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht. Die Aktienmärkte sind in guter Laune. Der Dax ist von seinem Hoch aus dem Frühjahr immer noch gut 500 Punkte entfernt, aber er klettert auch mit nach oben. Der Ölpreis steigt, der Goldpreis fällt weiter. Aber warum? Neben den positiven Corona-Nachrichten bringt heute eine weitere gute Nachricht neuen frischen Schub für die Aktienmärkte. Donald Trump macht nun offenbar den Weg frei für die Amtsübergabe an die Biden-Administration. Damit haben die Märkte mehr Sicherheit, dass in den USA wohl doch kein großes Chaos oder eine Verfassungskrise ausbrechen wird.

Außerdem scheint Joe Biden die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen zur neuen US-Finanzministerin machen zu wollen. Auch das freut den Markt. Die Geldflut kann weiter gehen, und die Konjunktur in den USA dürfte weiteren staatlichen Stimulus erhalten. Das pusht die Aktienmärkte, und auch der Ölpreis steigt kräftig. Alleine seit heute Nacht bei 43 Dollar steigt der WTI-Ölpreis aktuell auf 44,94 Dollar. Mehr Konjunktur-Stimulus bedeutet auch mehr Öl-Nachfrage. Logisch, dass da der Ölpreis ansteigt.

Goldpreis verliert gegen Aktienmärkte

Gold ist der Verlierer. In so einem positiven Umfeld schichten die Börsianer in risikoreichere Geldanlagen wie Aktien um, und der Goldpreis fällt. Nach positiven US-Konjunkturdaten von gestern war der Goldpreis bereits spürbar gefallen, von gestern 1.868 Dollar bis vorhin auf genau 1.800 Dollar im Tief. Ein große runde Marke ist immer wichtig für die Börsianer. Drüber und drunter liegen in der Regel viele Stop-Orders.

In den letzten Augenblicken kann der Goldpreis leicht auf 1.807 Dollar steigen, aber die Lage ist doch sehr wacklig. Es kann auch in Kürze einen Abwärtsschub unter 1.800 Dollar geben. Interessant: Die Bewegung im US-Dollar scheint derzeit weniger Einfluss auf den Goldpreis zu haben. Die negative Korrelation zwischen den beiden funktioniert diese Woche nicht so richtig. Vielmehr ist es aktuell eine negative Korrelation zwischen Gold und Aktienmärkten. Der Chart reicht bis Mitte letzter Woche zurück. Wir sehen den steigenden Dow Jones gegen den fallenden Goldpreis. Die aktuell gute Stimmung für risikoreichere Assets drückt gegen Gold.

Chart zeigt Kursverlauf von Dow Jones gegen Goldpreis seit letzter Woche

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Die aktuelle Lage bei Dow Jones und Nasdaq

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Die aktuelle Lage bei Dow Jones und Nasdaq bespreche ich direkt am Chart im folgenden Video. Sind derzeit gute Tradingchancen zu finden?

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage