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Fed-Protokoll: Wachsende Spannungen um Inflation und Zinsen

Fed-Protokoll: Wachsende Spannungen um Inflation und Zinsen
Jerome Powell nach der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung am 30. Juli. Foto: Bloomberg

Bereits vor dem Symposium in Jackson Hole steht die Fed im Zentrum der Aufmerksamkeit. Unter dem Vorsitz von Jerome Powell ringen die Währungshüter mit der Frage, wie sie den Spagat zwischen einem angespannten Arbeitsmarkt und der hartnäckigen Inflation schaffen sollen. Zwar beließen sie die Zinsen zuletzt unverändert, doch das am Mittwochabend veröffentlichte Sitzungsprotokoll zeigt tiefe Risse im Ausschuss und unterstreicht, dass für viele Notenbanker die Gefahr steigender Preise schwerer wiegt als die Risiken einer Abschwächung am Arbeitsmarkt.

Fed sieht Inflation als größtes Risiko

Laute einem Bericht von Bloomberg hat die Mehrheit der US-Notenbanker bei ihrer Sitzung Ende Juli die Inflationsgefahren höher eingeschätzt als die Risiken für den Arbeitsmarkt – ein Stimmungsbild, das im geldpolitischen Ausschuss eine wachsende Kluft signalisiert. Zwar äußerten die Währungshüter auch Sorgen über eine schwächere Beschäftigung, doch laut dem Protokoll der Sitzung vom 29. und 30. Juli hielten die meisten der 18 anwesenden Entscheidungsträger “das Aufwärtsrisiko für die Inflation für größer als das Arbeitsmarktrisiko”.

An den Zinsen änderten die Notenbanker im Juli nichts – sie blieben in einer Spanne zwischen 4,25% und 4,5%. In ihrer damaligen Stellungnahme hatten sie erklärt, die wirtschaftliche Aktivität habe sich im ersten Halbjahr abgeschwächt, der Arbeitsmarkt sei “robust”, die Inflation jedoch weiter “etwas erhöht”.

Mehrere Mitglieder hielten die Risiken für das Doppelmandat – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – für ausgewogen. Einige zeigten sich jedoch stärker besorgt über die Lage am Arbeitsmarkt. Zwar nennt das Protokoll keine Namen, doch hatten die beiden Fed-Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowman gegen die Zinsentscheidung gestimmt, mit Verweis auf eine nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt.

Fed und Powell: Inflation und Arbeitsmarkt als Risiken - Sinken die Zinsen?
Das Beschäftigungswachstum in den USA verlangsamt sich, während die Inflation über dem Fed-Ziel bleibt

Auswirkungen höherer Zölle

Fed-Chef Jerome Powell hatte auf der anschließenden Pressekonferenz erklärt, die inflationsfördernde Wirkung von Zöllen könne vorübergehend sein, doch müsse die Notenbank sich auch gegen längerfristige Effekte absichern. Im Ausschuss wurde diskutiert, ob Zölle lediglich einen einmaligen Preisschub auslösen oder eine anhaltende Inflationswelle nach sich ziehen könnten.

“Mehrere Teilnehmer betonten, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum hinweg über 2% gelegen habe, und dass diese Erfahrung das Risiko erhöht, dass sich die langfristigen Inflationserwartungen entankern könnten, falls die Auswirkungen höherer Zölle auf die Inflation anhalten”, hieß es im Protokoll.

Zudem merkten viele an, dass es eine gewisse Zeit dauern könne, bis sich die vollen Auswirkungen der Zölle auf die Preise von Konsumgütern und Dienstleistungen niederschlagen. Ein Grund, warum die Fed die Zinsen zuletzt unverändert gelassen hat.

Am Freitag wird Powell in Jackson Hole, Wyoming, eine mit Spannung erwartete Rede halten. Das jährliche Symposium der Fed hat er in der Vergangenheit bereits genutzt, um die Erwartungen der Investoren in Bezug auf die Zinsen zu steuern. Die Märkte zeigen sich im Vorfeld jedenfalls optimistisch: Laut dem FedWatch-Tool der CME liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bei der nächsten Sitzung bei 82 Prozent – vor einer Woche lag der Wert noch bei 94 Prozent. Vor allem die hohen Erzeugerpreise haben Zinssenkungserwartungen gedämpft.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten haben bestätigt, dass mit Blick auf die Inflation Vorsicht geboten ist, andererseits aber auch das Vertrauen in den Arbeitsmarkt geschwächt.

Der größte Anstieg der Großhandelsinflation seit drei Jahren ist das jüngste Anzeichen dafür, dass die Unternehmen begonnen haben, ihre Preise anzuheben, um steigende Kosten zu kompensieren. Einige US-Notenbanker haben Bedenken geäußert, dass die Zölle die Inflation bis weit ins nächste Jahr hinein beeinflussen könnten.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Wenn ich mal so richtig drüber nachdenke…

    Wenn die Zölle der Grund für weiter steigende Preise sind, ist das dann noch unter Inflation subsummierbar?

    Inflation bedeutet ja Ausweiten, was für die Geldmenge bedeutet, dass diese ausgeweitet wird, was als Folge Preissteigerungen haben kann, weshalb man die Geldmengenausweitung wieder einschränkt. Wenn nun aber der Grund ein anderer ist, Zölle!, steigen zwar die Preise aber ist das Inflation? Bzw. weiterleitend zur Folge: Kann man da mit dem Anheben von Leitzinsen überhaupt was Sinnvolles erreichen? Die Zölle gehen dadurch ja nicht weg.

    1. Wenn die Importeure mehr US-Dollar-Kredite bei den US-Banken aufnehmen müssen, um die gleiche Menge an Importprodukten zu bezahlen, steigt dadurch die US-Dollar-Geldmenge, bei gleichbleibender (Import-)Gütermenge ?

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