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Fed-Schritt verpufft: Oracle zieht Aktienmärkte nach unten

Fed-Schritt verpufft: Oracle zieht Aktienmärkte nach unten
Ein TV überträgt die Rede von Jerome Powell, an der New Yorker Börse. Foto: Bloomberg

Die Aktienmärkte stehen erneut unter Strom: Während die Fed mit ihrer jüngsten Zinssenkung zunächst Rückenwind lieferte, sorgte ausgerechnet Tech-Schwergewicht Oracle für einen abrupten Stimmungsumschwung. Enttäuschende Zahlen des Softwarekonzerns ließen die Hoffnung auf eine anhaltende Rally erodieren – und machten deutlich, wie fragil das Vertrauen der Anleger derzeit ist.

Aktienmärkte fallen: Oracle vs. Fed

Die weltweiten Aktienmärkte gaben am Donnerstag spürbar nach, nachdem ein zuvor von der jüngsten Zinssenkung der Fed getriebener Kursschub abrupt endete. Laut einem Bloomberg-Bericht war der Auslöser der deutliche Einbruch der Oracle-Aktie, deren enttäuschende Quartalsergebnisse die Stimmung im Technologiesektor stark belasteten und Investoren veranlassten, den optimistischen Ausblick der US-Notenbank neu zu bewerten.

Nasdaq-100-Futures verloren über 1,5 %, während ein Ausverkauf asiatischer Technologiewerte frühere Gewinne der regionalen Aktienmärkte zunichtemachte. S&P-500-Futures notierten 0,8 % im Minus. Auch der heimische DAX rutschte ab, nachdem er im Anschluss des Fed-Events auf 24.230 Punkte geklettert war. Besonders im Fokus stand Oracle, dessen Geschäfte eng mit dem globalen KI-Boom verknüpft sind: Die Papiere fielen im nachbörslichen US-Handel um mehr als 11 %, da der Cloud-Umsatz im zweiten Quartal knapp unter den Analystenschätzungen geblieben war. Risikoscheu zeigte sich auch am Kryptomarkt, wo Bitcoin über 2 % verlor und zeitweise unter 90.000 USD fiel.

Nach dem Fed-Entscheid hatte der S&P 500 noch 0,7 % zugelegt und damit nur knapp neue Rekordstände verfehlt. Fed-Chef Jerome Powell äußerte zugleich Zuversicht, dass die US-Wirtschaft an Stärke gewinnen werde, sobald die inflationssteigernden Effekte der jüngsten Zölle nachließen. Auffällig war jedoch die starke Uneinigkeit innerhalb des geldpolitischen Ausschusses: Erstmals seit 2019 votierten drei Offizielle gegen die Zinssenkung. Zudem bestätigten die Verantwortlichen ihre Erwartung lediglich eines weiteren Zinsschritts im Jahr 2026.

Oracle belastet Tech-Sektor

Billy Leung, Investmentstratege bei Global X Management, erklärte: „Während sich der Fokus der Aktienmärkte weitgehend auf das FOMC richtete, geriet ein wesentlicher Risikofaktor über Nacht in den Hintergrund: Oracle.“ Das Ergebnis sei ein entscheidender Test für den Markt rund um KI-Infrastruktur gewesen, da Oracle als „Bellwether für Hyperscale-Data-Center-Investitionen“ gelte und der Rückschlag zu zusätzlichem Druck auf Technologiewerte und damit die Aktienmärkte führe.

Tatsächlich meldete Oracle zwar stark steigende Ausgaben für KI-Rechenzentren und zugehörige Hardware, doch diese Investitionen benötigten länger als erwartet, um sich in höheren Cloud-Erlösen niederzuschlagen. Angetrieben vom globalen KI-Optimismus hat der MSCI-Weltindex in diesem Jahr rund 20 % zugelegt und steuert damit auf das beste Börsenjahr seit 2019 zu. Doch die Ernüchterung rund um Oracle zeigte, wie fragil die Zuversicht im Tech-Segment inzwischen geworden ist.

Asiatische Technologiewerte sackten daraufhin um über 1 % ab, während der breitere regionale Index 0,5 % verlor. Besonders stark traf es SoftBank, dessen Aktien in Tokio mehr als 8 % einbüßten – auch wegen wachsender Sorgen, dass die hohen KI-Investitionen zu langsam monetarisiert werden.

Aktienmärkte fallen nach Oracle-Zahlen - Fed-Entscheid hilft nicht
Asiatische Aktienmärkte verlieren frühe Gewinne

Neue Risiken in Asien und Schwellenländern

Parallel dazu blickten Händler in Asien auf die Folgen neuer mexikanischer Importzölle, die potenziell globale Lieferketten betreffen könnten.

In Japan zogen Staatsanleihen an, nachdem eine Auktion für 20-jährige Bonds die stärkste Nachfrage seit 2020 verzeichnet hatte. Die Renditen hatten zuvor mehrjährige Höchststände erreicht – befeuert durch wachsende fiskalische Sorgen und die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes der Bank of Japan in der kommenden Woche.

Unterdessen legte der Dollar nach einem Rückgang von 0,4 % am Vortag wieder leicht zu. An den Rohstoffmärkten sorgte die Beschlagnahmung eines sanktionierten Öltankers durch die USA vor Venezuela für Verunsicherung, da der Vorfall weitere Lieferungen des südamerikanischen Produzenten gefährden und geopolitische Spannungen erhöhen könnte.

Uneinigkeit in der Fed

US-Staatsanleihen hatten bereits am Mittwoch deutlich zugelegt. Die renditesensible Zweijahresanleihe sank um acht Basispunkte, nachdem die Fed neben der erwarteten Zinssenkung auch den erneuten Ankauf von Treasury Bills zur Stärkung der Bankreserven angekündigt hatte. Die Zehnjahresrendite fiel um zwei weitere Basispunkte und unterbrach damit einen Aufwärtszyklus, der globale Renditebarometer auf den höchsten Stand seit 2009 gehoben hatte.

Powell setzte die Zinssenkung durch, obwohl nicht nur mehrere stimmberechtigte Mitglieder widersprachen, sondern auch zahlreiche regionale Notenbankchefs, die dieses Jahr nicht abstimmungsberechtigt sind. Bloomberg bezeichnete dies als „Silent Dissents“, die signalisieren könnten, wie schwierig Konsensbildung innerhalb der Fed ab 2026 werden könnte – insbesondere unter einem neuen Vorsitz.

Powell betonte zugleich, dass die bisherigen Schritte ausreichten, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, während die Zinsen weiterhin hoch genug seien, um Preisdruck zu dämpfen. Er hob die Bedeutung der kommenden Konjunkturdaten hervor und warnte vor Verzerrungen in Beschäftigungsstatistiken infolge eines Datenstaus nach dem Regierungs-Shutdown.

Nick Twidale, Chefanalyst bei AT Global Markets in Sydney, zeigte sich skeptisch: Er sei „zögerlich“, was die nachhaltige Wirkung des Zinsschritts auf die globalen Aktienmärkte angehe. „Die Forward Guidance war wahrscheinlich weniger dovish, als viele Investoren gehofft hatten“, sagte er. „Wir könnten in den kommenden Sitzungen ziemlich volatile Aktienmärkte sehen, während die Anleger Powells Aussagen verarbeiten.“

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Am All Time High die Zinsen senken und zusätzlich ein neues QE einzuleiten…das ist wirklich eine neue Dimension…

    Zwischenzeitlich erreichte der Buffet Indikator wieder seine alten Hochs vom Oktober 25..immerhin gut 100 Basispunkte ….über dem Durchschnitt des ersten Quartals von 2000 ….

    Die Rendite der richtungsweisenden Zehnjährigen ging folglich wieder zurück und liegt jetzt schon wieder im negativen Bereich der Realverzinsung… wenn man alles in der Inflation berücksichtigt…

    Scheinbar ist es nicht mehr möglich.. in den USA… mit adäquaten Zinsen zu leben…der Verschuldung wegen…das lässt tief blicken …
    Die Goldanleger hatten wieder mal den richtigen Riecher bewiesen…sie vertrauten dem Gelaber von der Geldwertstabilität nicht mehr,eindrucksvoll die Performance von der Jahrtausendwende bis heute…

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