Mit der jüngsten Zinssenkung hat Fed-Chef Jerome Powell ein weniger klares Signal an die Aktienmärkte gesendet als erhofft. Er zeigte sich zurückhaltend und verzichtete auf Hinweise zu künftigen Zinsschritten. Dennoch legten die Futures auf den S&P 500 zu. Nun rätseln Anleger, wie entschlossen die Fed in den kommenden Monaten weiter vorgeht.
Fed verkündet „vorsichtige“ Zinssenkung
Die Fed hat die erwartete Zinssenkung vollzogen und damit für frischen Schwung an den Aktienmärkten gesorgt. Die US-Indizes schlossen am Mittwoch jedoch uneinheitlich. Am Donnerstag legten die Futures auf die US-Aktienindizes schließlich zu und signalisierten damit eine erneute Aufhellung der Stimmung, obwohl Fragen über das Tempo der künftigen geldpolitischen Lockerung weiterhin offenblieben. Der heimische DAX zeigte sich hingegen schwach.
Die Kontrakte für den S&P 500 stiegen um 0,5 %, diejenigen für den Nasdaq 100 um 0,7 %, nachdem die zugrunde liegenden Benchmarks nach der Entscheidung der Fed am Mittwoch leichte Rückgänge verzeichnet hatten. Staatsanleihen machten einen Teil ihrer Verluste wieder wett, während der Dollar-Index zum zweiten Mal in Folge stieg. Fed-Chef Jerome Powell hatte die Maßnahme zuvor als „Risikomanagement-Senkung” bezeichnet. Die Aktien in Japan, China und Südkorea legten ebenfalls zu.
Die Ölpreise verzeichneten einen Rückgang, da die Händler die Zinssenkung und den Anstieg der US-Kraftstoffvorräte abwogen. Gold und Silber fielen zurück, nachdem die Rally zuletzt heiß gelaufen war. Zuvor hatten schwächere US-Wirtschaftsdaten Spekulationen über eine überdurchschnittliche Zinssenkung angeheizt. Letztlich senkte die Fed die Zinsen jedoch wie erwartet um 25 Basispunkte und ließ sich die Möglichkeit für weitere Schritte offen. Dies ist eigentlich kein optimales Szenario für die Aktienmärkte, die im Vorfeld des Zinsentscheids für dieses Jahr bereits drei Zinssenkungen eingepreist hatten.
Ein Index globaler Aktien erreichte diese Woche einen neuen Höchststand, da die Anleger vor der Fed-Sitzung eine Senkung um 25 Basispunkte einpreisten. Die Zentralbank setzte die Senkung zwar um, doch betonten die Verantwortlichen, dass die künftige Geldpolitik „Sitzung für Sitzung” entschieden werde und warnten, dass es „keinen risikofreien Weg” gebe. Dennoch rechnen die Notenbanker im Median nun mit zwei weiteren Senkungen um jeweils einen Viertelpunkt in diesem Jahr – eine mehr als im Juni prognostiziert.
Aktienmärkte: Weiter wie bisher?
„Es wird weitgehend wie gewohnt weitergehen”, sagte Andrew Jackson, Leiter der japanischen Aktienstrategie bei Ortus Advisors. Die Aktienmärkte werden weiterhin „Aufwärtspotenzial im Technologie- und KI-Bereich verfolgen, wobei die Fed-Sitzung kaum zu Gewinnmitnahmen führen wird, obwohl die meisten Indizes auf oder nahe ihren Rekordhöhen liegen”.
Nachdem die Fed monatelang unter starkem Druck seitens des Weißen Hauses gestanden hatte, die Kreditkosten zu senken, senkte die Fed ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt. Der Offenmarktausschuss der Fed stimmte mit 11:1 dafür, den Zielkorridor für den Leitzins auf 4 % bis 4,25 % zu senken. Die einzige Gegenstimme kam von Stephen Miran, einem engen Verbündeten Donald Trumps, der eine stärkere Senkung befürwortete. Die Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowman, die sich im Juli für eine Zinssenkung ausgesprochen hatten, unterstützten die Entscheidung dieser Woche.
Was Bloomberg-Strategen sagen:
„Der US-Dollar dürfte die heutige Atempause genießen, da sie nur von kurzer Dauer sein wird. Ab nächster Woche können sich die Fed-Mitglieder wieder äußern und könnten dann dovishere Töne anschlagen, als es bei der Zinsentscheidung angedeutet wurde. Stephen Miran forderte diese Woche eine Senkung um 50 Basispunkte und könnte damit andere zu ähnlichen Forderungen bewegen, um den Prozess der Zinssenkungen bis zum nächsten Jahr zu beschleunigen.“ – Mark Cranfield, MLIV-Stratege.
Powell verwies auf zunehmende Anzeichen einer Schwäche des Arbeitsmarktes, um zu erklären, warum die Notenbanker beschlossen hatten, die Zinsen zu senken. Diese hatten sie seit Dezember aufgrund von Bedenken hinsichtlich einer durch Zölle verursachten Inflation unverändert gelassen.
Unklarer Zinspfad
„Investoren und auch die Fed sind nun wieder datenabhängig“, sagte Jack McIntyre, Portfoliomanager bei Brandywine Global, im Bloomberg-Fernsehen.
„Die Fed hat endlich den Abzug betätigt, aber die Reaktion des Marktes war alles andere als eindeutig“, sagte Armina Rosenberg, Mitbegründerin und Co-Portfoliomanagerin bei Minotaur Capital in Sydney. „Die Senkung selbst war keine große Überraschung, aber die Kombination aus einer zurückhaltenden Maßnahme und einer weiterhin vorsichtigen Prognose hat die Investoren in zwei Lager gespalten.“
Powell widersprach den Anleihehändlern, die darauf gesetzt hatten, dass die Fed mit einer Reihe aggressiver Zinssenkungen eingreifen würde, um ein Abflachen der US-Wirtschaft zu verhindern. Der Fed-Vorsitzende deutete an, dass er seinen vorsichtigen Ansatz nicht aufgeben werde, da er die Inflationsrisiken weiterhin als zu hoch einschätze.
„Die heutigen Nachrichten entsprachen den Erwartungen”, sagte Larry Hatheway, globaler Anlagestratege beim Franklin Templeton Institute. „Die Herausforderung für Anleger besteht jedoch darin, dass die Fed noch nicht bereit ist, ihre erwartete zukünftige Politik deutlich niedrigerer Zinsen zu bestätigen.“
FMW/Bloomberg
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