Der frühere Fed-Chef Ben Bernanke bezeichnete Geldpolitik einst als „98 Prozent Kommunikation und nur 2 Prozent Handlung“. Kevin Warsh scheint dieses Verhältnis nun neu mischen zu wollen. Die Märkte rechnen für die morgige Fed-Sitzung nahezu einstimmig mit unveränderten Zinsen. Doch die größte Überraschung könnte trotzdem noch bevorstehen. Ausgerechnet der neue Fed-Chef Kevin Warsh könnte damit die eigentliche Geschichte dieser Fed-Sitzung schreiben – und die Frage aufwerfen, wie viel Orientierung die Notenbank den Märkten künftig überhaupt noch geben will.
Wird die Fed wieder unberechenbarer?
Laut einem Bericht von Bloomberg hat die Fed ihre Kommunikation seit der Finanzkrise 2008 kontinuierlich ausgeweitet. Mit Instrumenten wie dem Dot Plot, den vierteljährlichen Wirtschaftsprognosen und regelmäßigen Pressekonferenzen versucht die Notenbank seit Jahren, den Märkten frühzeitig Hinweise auf ihren künftigen Kurs zu geben. Ziel ist es, Überraschungen zu vermeiden und die Erwartungen von Investoren gezielt zu steuern.
Genau diesen Ansatz stellt Warsh nun infrage.
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Bereits während seiner Anhörung im Kongress kritisierte der neue Fed-Chef, dass die Notenbank zu stark versuche, einen Fahrplan für ihre künftigen Entscheidungen zu liefern. Zudem würden die Mitglieder der Fed sehr häufig öffentlich auftreten. Seine Botschaft ist klar: Die US-Notenbank könnte künftig weniger reden und den Märkten weniger Orientierung bieten.

Immer mehr Worte: Die Fed veröffentlicht heute ein Vielfaches an Kommunikation im Vergleich zu den 1990er-Jahren. Genau diesen Trend stellt Kevin Warsh nun infrage.
Warum Warsh einen Kurswechsel will
Hinter dieser Haltung steckt eine grundlegende Überzeugung. Warsh argumentiert, dass Notenbanken ihre Flexibilität bewahren müssen. Wer zu viele Signale über zukünftige Entscheidungen aussendet, riskiert nach seiner Ansicht, an diese Aussagen gebunden zu werden.
In einem Vortrag beim Internationalen Währungsfonds brachte Warsh diese Sorge auf den Punkt: Notenbanker könnten „Gefangene ihrer eigenen Worte“ werden.
Wenn die Märkte bereits fest mit einer bestimmten Entscheidung rechnen, wird es für die Fed schwieriger, ihren Kurs an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Damit stellt Warsh eine der wichtigsten Säulen der modernen Notenbankpolitik infrage: die sogenannte Forward Guidance.
Was sich konkret ändern könnte
Wie genau Warsh die Kommunikation verändern möchte, ist bislang offen. An den Märkten richtet sich der Blick deshalb vor allem auf das vierteljährliche „Summary of Economic Projections“, kurz SEP. Die Veröffentlichung enthält Prognosen zu Wachstum, Inflation, Arbeitsmarkt und Zinsen sowie den viel beachteten Dot Plot. Dieser gilt seit Jahren als eines der wichtigsten Instrumente zur Steuerung der Zinserwartungen an den Finanzmärkten und wird von Anlegern weltweit genau verfolgt.
Mehrere Marktteilnehmer halten es für möglich, dass Warsh diese Instrumente künftig zurückfahren oder ihnen weniger Bedeutung beimessen könnte.Als mögliche Änderungen gelten zudem kürzere FOMC-Erklärungen, weniger Pressekonferenzen nach Zinsentscheidungen und weniger öffentliche Auftritte von Fed-Vertretern. Offiziell angekündigt wurde bislang zwar nichts. Doch genau deshalb dürfte jede Formulierung von Warsh besonders genau analysiert werden.
Mehr Risiken für die Märkte?
Kritiker warnen, dass weniger Transparenz nicht automatisch mehr geldpolitische Freiheit bedeutet, sondern auch neue Unsicherheit schaffen kann. William English, Professor an der Yale University und früherer Sekretär des geldpolitischen Ausschusses FOMC, formulierte es deutlich: „Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man die Kommunikation zurückfährt.“
Ein zu starker Rückzug könne die Wirksamkeit der Geldpolitik schwächen und zu mehr überraschenden Entscheidungen führen, die stärkere Schwankungen an den Finanzmärkten auslösen.
Wenn die Fed weniger Orientierung gibt, müssen Märkte stärker aus einzelnen Konjunkturdaten, Inflationszahlen oder Arbeitsmarktdaten ableiten, was die Notenbank als Nächstes tun könnte. Die Folge wären größere Ausschläge bei Zinserwartungen, US-Staatsanleihen und dem Dollar.
Warum Anleger genau hinschauen sollten
Für Anleger geht es damit um weit mehr als die morgige Zinsentscheidung der Fed. Unveränderte Zinsen gelten derzeit als wahrscheinlichstes Ergebnis der Fed-Sitzung. Entscheidend dürfte werden, ob Warsh in seiner ersten Pressekonferenz Hinweise auf eine neue Kommunikationsstrategie liefert. Eine Fed mit weniger Forward Guidance könnte stärkere Bewegungen bei US-Renditen auslösen – mit Folgen für Nasdaq, S&P 500 und DAX.
Die große Ironie dabei: Über viele Jahre hat die Fed versucht, Überraschungen an den Märkten möglichst zu vermeiden. Nun könnte ausgerechnet der neue Fed-Chef einen Kurs einschlagen, der wieder mehr Unsicherheit zulässt.
Die morgige Fed-Sitzung könnte daher weniger wegen der Zinsentscheidung in Erinnerung bleiben als wegen einer anderen Frage: Wie viel Orientierung will die US-Notenbank den Märkten künftig überhaupt noch geben? Die Antwort von Kevin Warsh könnte den Beginn einer neuen Fed-Ära markieren – mit weniger Vorankündigungen, mehr Flexibilität und potenziell größeren Überraschungen für Anleger.
FMW/Bloomberg
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Der Warsh soll die Bilanzsumme reduzieren …so wie er’s versprochen hat…2012…CNBC Interview ..