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Wall Street vor dem Rückschlag Fed startet neuen Zinszyklus – S&P 500 drohen 10% Minus

S&P 500-Korrektur wegen Fed-Zinserhöhung
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Die Fed könnte am Mittwoch einen neuen Zinserhöhungszyklus einleiten – und damit die bislang erstaunlich robuste Wall Street vor ihre härteste Belastungsprobe seit Monaten stellen. Steigende Renditen, Ölpreise über 100 Dollar und eine ungünstige Saisonalität treffen auf hoch bewertete Aktienmärkte. Ein Stratege warnt deshalb vor einer Korrektur des S&P 500 um bis zu 10 Prozent und einer zweiten Abwärtswelle im Dezember.

Fed vor Zinserhöhung

Am Terminmarkt gilt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte mittlerweile als nahezu sicher. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 90 Prozent, nachdem sie vor einer Woche erst rund 60 Prozent betragen hatte. Damit würde die Fed ihre Zielspanne am Mittwoch voraussichtlich auf 3,75 bis 4,00 Prozent anheben.

Für die Aktienmärkte ist allerdings nicht nur der erste Zinsschritt entscheidend. Die Anleger stellen sich zunehmend auf einen längeren Straffungszyklus ein. Laut dem FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung bis Dezember derzeit bei rund 50 Prozent. Auch ein zusätzlicher Schritt Anfang kommenden Jahres ist am Terminmarkt teilweise eingepreist. Höhere Leitzinsen verteuern die Finanzierung der Unternehmen und drücken zugleich auf die Bewertungen, da festverzinsliche Anlagen für Investoren attraktiver werden.

Experte erwartet deutlichen Rückschlag

Wie Bloomberg berichtet, rechnet Dean Curnutt, Gründer und Vorstandschef von Macro Risk Advisors, nach einer Zinserhöhung mit größeren Turbulenzen an den Aktienmärkten. Er erwartet einen Rückgang des S&P 500 um 8 bis 10 Prozent und hält im Dezember eine zweite Abwärtswelle für möglich.

Der US-Leitindex notiert nach dem Schlusskurs vom Montag lediglich 2,5 Prozent unter seinem Rekordhoch. Von einer ausgeprägten Korrektur kann bislang also keine Rede sein. Genau darin liegt nach Ansicht des Strategen ein Teil der Gefahr: Der Markt sei auf einen Volatilitätsschock nicht ausreichend vorbereitet. Zwar ist der Volatilitätsindex VIX in den vergangenen Tagen gestiegen, mit einem Stand von rund 17 notiert das Angstbarometer aber weiterhin unter der Marke von 20, die üblicherweise als Schwelle zu erhöhter Volatilität gilt.

Curnutt warnt zudem vor sinkenden Margen bei Unternehmen, die höhere Energie-, Finanzierungs- und Produktionskosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können.

Renditen und Ölpreis belasten

Zusätzlicher Gegenwind kommt vom Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist am Montag über 5 Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Höhere Renditen verteuern Kredite und erhöhen den Bewertungsdruck auf besonders hoch gehandelte Wachstums- und Technologieaktien.

Mit dem Sprung über 5 Prozent ist zudem eine wichtige Schmerzgrenze erreicht, oberhalb derer das Risiko einer Korrektur an der Wall Street deutlich zunimmt. Eine Bloomberg-Umfrage zeigt, dass bereits der Renditebereich zwischen 5,00 und 5,25 Prozent von vielen Investoren als kritische Schwelle für einen stärkeren Rückschlag im S&P 500 angesehen wird.

Gleichzeitig hält sich der Ölpreis deutlich über 100 Dollar. Brent kostet aktuell rund 106 Dollar, WTI etwa 102 Dollar. Da die geopolitischen Risiken rund um die Straße von Hormus, den Bab al-Mandab und die saudische Ölinfrastruktur eher zunehmen, könnte der Inflationsdruck länger anhalten. Das erschwert es der Fed, nach einem einzelnen Zinsschritt erneut eine längere Pause einzulegen.

Bank of America ist kurzfristig skeptisch

Auch die Bank of America sieht kurzfristig kaum Aufwärtspotenzial. US-Aktienstrategin Savita Subramanian hob ihr Jahresendziel zwar von 7.100 auf 7.400 Punkte an. Gegenüber dem Montagsschluss entspricht das jedoch einem Rückgang des S&P 500 um 2,9 Prozent. Ihr Zwölfmonatsziel von 7.800 Punkten verspricht lediglich ein Plus von 2,4 Prozent und zählt weiterhin zu den pessimistischsten Prognosen an der Wall Street.

Vor allem Inflationsrisiken und mögliche Zinserhöhungen der Fed stimmen Subramanian vorsichtig. Jeder Auslöser, der die bereits hohen Finanzierungskosten weiter nach oben treibt, könnte den „Schmerz beschleunigen“. Zudem seien die Aktienmärkte „überfällig für einen Rücksetzer“. Im laufenden Jahr gab es bislang lediglich einen Kursrückgang um mindestens 5 Prozent, während üblicherweise drei solcher Rücksetzer pro Jahr auftreten.

Höhere Kursziele | BofA-Strategin Subramanian erhöht ihr Jahresendziel für den S&P 500

Parallelen zum Jahr 2018

Curnutt vergleicht die aktuelle Situation mit 2018. Damals erreichte der S&P 500 im September sein Hoch, verlor bis Ende November rund 10 Prozent und weitete das Minus im Dezember auf nahezu 20 Prozent aus. Angesichts dieser Parallele sei „eine defensive Positionierung der richtige Ansatz“. Auch diesmal erwartet der Stratege im Dezember eine weitere Abwärtswelle, sollten mehrere Zinserhöhungen der Fed auf eine „K-förmige Wirtschaft mit geringer Dynamik“ treffen.

Auch die Saisonalität mahnt zur Vorsicht. Der September ist historisch der schwächste Börsenmonat. In Zwischenwahljahren fällt die Phase vor den Midterms häufig besonders schwierig aus. Die Kombination aus Fed-Straffung, Rekordrenditen und Ölpreisschock erhöht daher das Risiko, dass aus dem bislang überschaubaren Rücksetzer doch noch eine ausgewachsene Korrektur wird.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Seitdem Tiefpunkt in der Finanzkrise ist der Index in der Spitze um über 1000 Prozent gestiegen…der Index ist also sehr teuer…

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