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Fed: Treibt sie die Wirtschaft in die Rezession – und Wall Street in Bärenmarkt?

Fed Wall Street Rezession

Stürzt die Fed nicht nur die US-Wirtschaft in eine Rezession – sondern auch die Aktienmärkte der Wall Street in einen Bärenmarkt?

Leitzinsen schneller rauf, Fed-Bilanz schneller schrumpfen: Nach der „hawkishen“ Rede von der Vize-Chefin der Fed, Lael Brainard, zeigte auch das Fed-Protokoll am Mittwoch die Absicht der US-Notenbank die Finanzierungsbedingungen sehr schnell straffen zu wollen. Damit treibt die ausufernde Inflation die US-Notenbank zu großem Aktionismus. Der monetäre Faktor, der die Märkte so lange getrieben hat, verkehrt sich in sein Gegenteil. Man will und muss anscheinend auch die hohen Aktienmärkte dämpfen, zur Verringerung der Nachfrage. Dabei deuten bereits einige Sektoren am Aktienmarkt schon in Richtung Rezession.

Fed und Wall Street: Die Signale einer schrumpfenden Wirtschaft

Zwar lag der marktbreite Leitindex der Wall Street, der S&P 500, gestern nur etwa sechs Prozent unter seinem Allzeithoch, der Technologieindex Nasdaq nur etwa elf Prozent. Aber wenn man sich die Sektoren betrachtet, so erkennt man eindeutige Signale, die auf ein Ende eines Aufwärtszyklus hindeuten. Sehr typisch für das Ende eines Aufwärtstrend sind: Steigende Löhne, höhere Inflation, nachlassendes Wirtschaftswachstum und fallende Gewinnmargen.

Hinsichtlich der Sektoren bedeutet dies, dass Zykliker (speziell Halbleiter als Frühindikatoren), höherwertige Konsumtitel und Banken Schwäche aufzeigen, während hingegen Rohstoffwerte und Versorger relative Stärke an den Tag legen.

Wie zeigt sich dies aktuell an der Wall Street, seit gut einer Woche?

Transportsektor, minus 11 Prozent
Immobilienaktien (Homebuilders), minus 10 Prozent
Einzelhandel, minus 9 Prozent
Banken, minus 8,8 Prozent
Die anderen Sektoren:

Versorger, plus 4 Prozent
alltägliche Konsumtitel, plus 1,9 Prozent
Energie, plus/minus 0 Prozent
Gesundheit, minus 0,9 Prozent
Grundstoffe (Metals&Minings), minus 1,4 Prozent (Stand 7. April)

Ein erster Fingerzeig, oder nur temporary?

Die Warnsignale an den Anleihemärkten sind schon seit einigen Wochen Gesprächsthema, die Zinskurve – also das Verhältnis von lang- zu kurzlaufenden Anleihen – war schon invers. Ein recht guter Rezessionsindikator, allerdings mit mindestens sechs Monaten Vorlauf, der jedoch auch von einigen Ökonomen aktuell relativiert wird.

Fed-Politik: Die Hoffnung auf ein Soft Landing der US-Wirtschaft

Getrieben von sehr hohen Inflationsraten, einem starken US-Arbeitsmarkt, mit der niedrigsten Arbeitslosenrate der letzten Jahrzehnte (3,6 Prozent) und noch starken Einkaufsmanagerindizes (über 58 Punkte), glaubt die Fed die US-Wirtschaft sei so stark, dass sie eine starke Straffung der Geldpolitik leicht verkraften könne. Gleichzeitig bekundet die US-Notenbank, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sehr gering sei.

Das muss sie auch verkünden, denn täte sie das Gegenteil, käme diese sehr schnell, da sich Wirtschaft und Verbraucher sofort mit Sparmaßnahmen darauf einstellen würden. Zugleich sei die Wall Street so stark und habe die angekündigten Geldmaßnahmen bisher erstaunlich gut verkraftet. Dass dies nur oberflächlich so ist, wurde gerade beleuchtet.

Kann die Fed eine Rezession untätig tolerieren?

..natürlich nicht, denn bei einer schrumpfenden Wirtschaft steigen stets die Arbeitslosenzahlen, für die Politik eine nicht tolerable Entwicklung, die fatale Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Einnahmen des Staates hätte. Gerade bei einer so großen Anzahl an Zombiefirmen, die nur durch niedrigste Zinsen überleben konnten. Was würde eine Rezession gleichzeitig für Folgen nach sich ziehen?

Ein parallel kollabierender Immobilienmarkt – die bisher große Beleihungsmöglichkeit für Millionen Eigentümer durch die ständig gestiegenen Immobilienpreise. Sind die Hypothekenzinsen binnen drei Monaten nicht schon von 2,65 Prozent auf über 5 Prozent gestiegen? Siehe Entwicklung von Immobilienaktien.

Einen Einbruch des Konsums durch vorher gestiegene Kapitalmarktzinsen (in Koexistenz mit hohen Teuerungsraten), die bei den 10-jährigen US-Staatsanleihenrenditen schon einen Anstieg in der Spitze bis auf 2,70 Prozent vollzogen haben. Diese 10-jährige US-Rendite ist die Benchmark für alle Konsumentenkredite, die neben der Inflation auf den Konsumenten lasten. Klar: Abermillionen Amerikaner haben keine 1000 Dollar auf der Seite, um sich Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen leisten zu können. 61% der Amerikaner leben von Paycheck zu Paycheck. Mehr noch: 130 Millionen Amerikaner müssen bereits Überziehungskredite in Anspruch nehmen, um sich das tägliche Leben leisten zu können!

Steigende Zinsen sind eine weitere Belastung – schon deshalb hat US-Präsident Biden das Moratorium für Studentenkredite vorerst bis zum 31. August 2022 verlängert, eben weil diese Kredite in Höhe von mehr als einer Billion Dollar bereits in die Höhe getrieben wurden und von den jungen Menschen nicht mehr bedient werden können!

Jede Rezession wird zunächst von stark fallenden Kursen an der Wall Street begleitet, weil es eben gewaltige Gewinnrevisionen gibt, vor allem bei negativen Ausblicken. Das ist ein ganz zentraler Aspekt in einer 70 Prozent-Ökonomie mit einem Bruttoinlandsprodukt von 24 Billionen Dollar, in dem aber die Hälfte der Bevölkerung im Aktienmarkt investiert ist! Dies mit 45,1 Billionen Dollar, oder 188 Prozent des BIP, wie diese Grafik von Fundstrat aufzeigt:

Wall Street und Fed - Vermögenspreisblase

Was für eine Vermögenseinbuße, sollte der Markt, wie in einer Rezession üblich, in einen Bärenmarkt (mit über minus 20 Prozent ~ 9 Billion Dollar) fallen.

Ergo: Einen durch eine Rezession verursachten dreifachen Einbruch – des Immobilienmarktes, des US-Konsums mit seinem Volumen von 16 Billionen Dollar und des Aktienmarktes, bei einer Gesamtverschuldung von über 88 Billionen Dollar – könnte die Fed niemals mit weiteren Zinsanhebungen und Bilanzreduzierungen im Billionen-Bereich begleiten. Hierzu braucht man sich nur die volkswirtschaftlichen Größenordnungen zu betrachten. Ein billionenschwerer Abbau der Fed-Bilanz wird ein Wunsch bleiben. Allerdings wird man jetzt heftig den monetären Schalter umlegen, schon um die Inflationserwartungen zu dämpfen. Um dann festzustellen..bis zum nächsten Quantitative Easing?

Fazit

Wenn jetzt sogar die Rede (Bullard und Dudley) von der Notwendigkeit ist, die Aktienmärkte der Wall Street ins Rutschen zu bringen, sollte man bedenken, was dann in der gerade dargelegten Kombination auf die US-Wirtschaft zukommen könnte.

Es ist eigentlich alles angerichtet für eine Rezession – und jetzt beeilt sich die Fed, die Finanzierungsbedingungen mit Gewalt zu straffen, während die Wall Street schon ohne Zinsmaßnahmen und Financial Tightening viel vorweggenommen hat.

Wie es da in den nächsten Monaten einen größeren Anstieg der Aktienkurse an der Wall Street geben kann, darauf hoffen wahrscheinlich nur die größten Optimisten. Noch einmal: Der monetäre Faktor ist der Wichtigste für die Wall Street – und dieser wendet sich zunächst gegen den Bullenmarkt. Die Anzeichen für sein Ende sind unübersehbar.

Da könnte man schon auf den Gedanken kommen, ob die Fed nicht schon wieder weit hinter der Kurve ist und jetzt in Torschlusspanik die Zinsen anheben muss, um im Falle einer Rezession Munition für geldpolitische Lockerungen zu haben. Kann die US-Notenbank damit überhaupt einen Policy Error verhindern, eben weil sie die Situation zu lange falsch eingeschätzt hat? Auf die Worte von Fed-Offiziellen sollte man hier nicht allzu viel Bedeutung legen, diese können auch nicht in die Zukunft blicken, wie es bei einer Rückschau auf Reden von Powell und Brainard allein in den letzten 12 Monaten zum Ausdruck kommt.

Man wird seitens der US-Notenbank jetzt gewaltig auf das monetäre Bremspedal drücken, um dann „Data driven“ zu reagieren, wenn sie sich einstellt – die Rezession, die man eben noch für sehr unwahrscheinlich erachtet hat. Same procedure as always..



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