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Fed: US-Wirtschaft wieder stark – worauf wartet die Notenbank?

Warum reagiert die Fed nicht auf die starke US-Wirtschaft?

US-Wirtschaft stark - worauf wartet die Fed?

Die letzten Wirtschaftsdaten zeigen es eigentlich immer deutlicher: Die US-Wirtschaft ist auf dem Weg den Corona-Einbruch zu egalisieren, die großen Parameter bewegen sich in Richtung Vor-Corona-Hoch – aber die Fed denkt dennoch nicht daran, die Zinsen anzuheben. Auf der anderen Seite werden die Nebenwirkungen der verabreichten Medizin (Rettungspakete, inklusive monetärer Stimulus) immer unangenehmer.

US-Wirtschaft: worauf wartet die Fed?

Analysten sprechen aber schon von einer weiteren Beschleunigung der US-Wirtschaft im vierten Quartal. Damit stellt sich die Frage: Worauf wartet die Fed? Der Konsum kann es nach den gestrigen Daten nicht mehr sein, also bleibt eigentlich nur noch die Sorge über die Stabilität des Aktienmarktes.

Die neuesten Daten des NBER – National Bureau of Economic Research

Diese private Forschungseinrichtung veröffentlicht monatlich Daten, um den Zustand der US-Wirtschaft im Zyklus zu beurteilen. Anhand von vier Indikatoren, die in Grafiken abgebildet werden:

  • Arbeitsmarkt
  • Industrieproduktion
  • Einzelhandelsumsätze
  • Persönliche Einkommen (ausgenommen Transferleistungen)

Beim letzten Report ging es um die Industrieproduktion, die im Oktober um 1,6 Prozent gestiegen war, deutlicher als die Konsensschätzung von 0,7 Prozent und mit einer Jahresveränderung von plus 5,14 Prozent. Nachdem es im September witterungsbedingt (Hurrikan Ida) um 1,3 Prozent nach unten gegangen war, liegt man aktuell auf dem höchsten Stand seit Dezember 2019.

Die Kapazitätsauslastung der Industrie stieg im Oktober um 1,2 Prozentpunkte auf 76,4 Prozent; dennoch lag sie immer noch 3,2 Prozentpunkte unter ihrem langfristigen Durchschnitt.

Die USA auf ihrem Weg in eine Dienstleistungsgesellschaft.

Fed und Capital Utilization

Betrachtet man sich die vier Indikatoren in einer Grafik, die die Erholung seit Ende der Rezession im April 2020 zeigt, wird einmal mehr die überragende Bedeutung der Einzelhandelsumsätze und des US-Konsums deutlich. Die Industrieproduktion ist der zweitstärkste Indikator.

Indikatoren US-Wirtschaft

Das National Bureau of Economic Research gibt zur Entwicklung der vier Indikatoren nach der kürzesten Rezession in der Geschichte der USA seit Beginn der Aufzeichnung (zwei Monate bis April 2020) folgende Erklärungen:

  • Am schnellsten erholten sich die Einzelhandelsumsätze aufgrund des Nachholbedarfs und der Spareinlagen der Verbraucher. Dies verbessert sich weiter, verursacht jedoch Probleme für Hersteller und Lieferanten.
  • Die Industrieproduktion hat von den vier Komponenten die zweitbeste Erholung gezeigt. Hersteller und Lieferanten kämpfen mit begrenzten Lagerbeständen und anhaltenden Lieferkettenproblemen.
  • Die Beschäftigung hat sich seit dem offiziellen Ende der Rezession verbessert, aber Arbeitgeber können aus verschiedenen Gründen viele offene Stellen nicht besetzen.
  • Die Realeinkommen haben sich am schwächsten erholt. Das Einkommen war im Laufe der Jahre ein ständiges Thema in Bezug auf Trends und Inflation.

Hier ist ein Diagramm, das auf einem Durchschnitt der Big Four basiert. Der Durchschnitt erreichte im November 2018 ein neues Allzeithoch.

Indikatoren US-Wirtschaft

Hier noch einmal ein längerer Überblick über die Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten seit dem zweiten Weltkrieg und das Auf und Ab im Zusammenhang mit den zwölf Nachkriegsrezessionen. Im übrigen hat Investor Warren Buffett mit seine Berkshire Hathaway davon nicht weniger als acht aktiv überstanden.

Industrie und Fed

Fazit

Aus all den Daten seit dem Höhepunkt der Pandemie erscheint es einmal mehr rätselhaft, wieso Jerome Powell als Chef der Fed so zögerlich bei seiner Normalisierung der Geldpolitik voranschreitet – die US Wirtschaft ist hier schon deutlich weiter.

Es dürfte zwei wesentliche Gründe für den Attentismus der Fed geben: Zum einen die hohe Verschuldung der USA mit 80 Billionen Dollar, bei der jedes Zehntel Prozent Zinsanstieg große Summen Kapital bindet. Dann natürlich das Thema der finanziellen Repression, welches eine große Differenz zwischen Inflation und Kapitalmarktzinsen benötigt, zum Ziele der relativen Entwertung der Staatschulden.

Und natürlich die Stabilität des Aktien- sowie des Immobilienmarktes, die Quelle aus der der Reichtum bestimmter Schichten in den USA gespeist wird. All das darf natürlich nicht in einem Statement der US-Notenbank Fed auftauchen.



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2 Kommentare

  1. All das ist richtig. Ich würde aber noch ergänzen, dass es durchaus auch realwirtschaftliche Bedenken gibt.

    Beispielhaft nur eine Frage zum Überdenken: Würden Sie Ihren geplünderten Laden neu eröffnen, wenn die Sicherheitslage weiter schlecht ist und Sie, wenn Sie sich selbst schützen (was in den USA Ihr verfassungsmäßiges Recht wäre) selbst als Verbrecher behandelt werden?

  2. Die Zahlen erscheinen als gut und die Frage ist natürlich warum reagiert die FED nicht.
    Doch meiner Meinung nach sind mindestens zwei Gründe zwingend.
    Zinsen erhöhen / Tapering ? Für die FED unmöglich.Der Aktienmarkt würde fallen und das gefährdet die
    Rendite (der Reichos) und die Renten der US Bevölkerung.
    Der zweite Grund und natürlich auch die Mitursache für Grund 1: Es ist endlos Geld gedruckt worden wodurch
    zwei Tatsachen geschaffen worden sind.Das Vertrauen in dieses Geldsystem schwindet extrem + die Inflation
    fängt an zu „gallopieren“.Zwei eher nicht messbare Tatsachen stehen dadurch im Raum. Stimmen wirklich
    die Zahlen (Vertrauen in die Institutionen schwindet) + durch die erhöhten Corona Inzidenzen kann als
    „Nebeneffekt“ versucht werden u.a.Ölpreise / Rohstoffe zu drücken (etwas „einzufrieren“).Was soll man
    sonst machen ? Allerdings ist es in der Vergangenheit eher noch nie gelungen eine gallopierende Inflation
    aufzuhalten.

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