Allgemein

Sitzungsprotokoll sorgt für Aufsehen Fed vor überraschender Wende: Zinsen hoch statt runter?

Fed vor überraschender Wende: Zinsen hoch statt runter?
Das Marriner S. Eccles Federal Reserve Gebäude in Washington. Foto: Al Drago/Bloomberg

Die Fed sorgt für eine unerwartete Wende in der Zinsdebatte: Statt einer baldigen Zinssenkung rücken erneut stabile oder sogar höhere Zinsen in den Fokus. Hintergrund ist eine hartnäckige Inflation, die sich langsamer abschwächt als erhofft. Das jüngste Protokoll der Notenbank deutet darauf hin, dass der geldpolitische Kurs neu bewertet wird.

Fed: Zinsen hoch, statt runter?

Vertreter der Federal Reserve zeigten sich bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Januar überraschend zurückhaltend in Bezug auf weitere Zinssenkungen. Wie Bloomberg berichtet, brachten mehrere Mitglieder sogar ins Spiel, dass eine erneute Zinserhöhung notwendig werden könnte, falls sich die Inflation als dauerhaft hoch erweist.

Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der Sitzung deutet zwar nicht darauf hin, dass eine Mehrheit konkrete Zinserhöhungen plant. Es macht jedoch deutlich, dass sich die Fed zunehmend von der Perspektive weiterer Zinssenkungen entfernt. Damit verschiebt sich die geldpolitische Ausrichtung in eine restriktivere Richtung – ein Signal, das Märkte und Politik gleichermaßen aufhorchen lässt.

Diese Entwicklung könnte zu Spannungen mit US-Präsident Donald Trump führen. Trump hatte wiederholt betont, dass er sich niedrigere Zinsen wünscht. Am 30. Januar – zwei Tage nach der Sitzung – nominierte er den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai endet. Die Personalentscheidung verleiht der Debatte zusätzliche Brisanz.

Der Chefökonom von EY-Parthenon, Gregory Daco, spricht von einer „deutlich restriktiveren Tonlage“ im Sitzungsprotokoll. Auf Deutsch: „Die Protokolle weisen eine klar restriktivere Ausrichtung auf.“ Sollte Warsh tatsächlich zum neuen Fed-Vorsitzenden bestätigt werden, könnte sich daraus eine interessante Dynamik zwischen politischem Erwartungsdruck und geldpolitischer Unabhängigkeit ergeben.

Inflation bleibt Risikofaktor

Der Sprecher des Weißen Hauses, Kush Desai, sagte, die jüngsten positiven Preisdaten seien ein Beweis dafür, dass die Inflation aufgrund der Politik Trumps, die auf die Ankurbelung der Angebotsseite der Wirtschaft abzielt, nun „kühl und stabil” sei. „Es ist höchste Zeit, dass die Federal Reserve diese überaus klare Realität anerkennt und die Zinsen senkt, um amerikanischen Hauskäufern und Unternehmen weitere wirtschaftliche Erleichterungen zu verschaffen”, sagte er.

Aus dem Protokoll ging hervor, dass die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses der Federal Reserve der Meinung waren, dass die Schwäche des Arbeitsmarktes im letzten Jahr, die die Zentralbank Ende 2025 zu drei Zinssenkungen veranlasst hatte, Ende Januar nachgelassen hatte.

„Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer war der Ansicht, dass sich die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung in den letzten Monaten abgeschwächt hatten, während das Risiko einer anhaltenden Inflation bestehen blieb“, heißt es in dem Protokoll. Diese Einschätzung erfolgte noch vor der Veröffentlichung eines starken Arbeitsmarktberichts für Januar. Einige Mitglieder äußerten sich sogar noch kritischer gegenüber weiteren Lockerungen der Geldpolitik.

Im Protokoll wird festgehalten: „Mehrere Teilnehmer warnten, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik angesichts erhöhter Inflationswerte als nachlassendes Engagement für das Inflationsziel von 2 % missverstanden werden könnte.“

Gleichzeitig blieb eine andere Gruppe innerhalb der Fed offen für Zinssenkungen – vorausgesetzt, die Inflation geht wie erwartet weiter zurück. Allerdings rechnet die Mehrheit inzwischen mit einem langsameren Rückgang als bislang prognostiziert.

Der Offenmarktausschuss stimmte mit 10 zu 2 Stimmen dafür, die Zinsen in einer Spanne von 3,5 % bis 3,75 % zu belassen. Die Gouverneure Christopher Waller und Stephen Miran votierten für eine Senkung um 25 Basispunkte. Auffällig ist zudem, dass die Fed die Formulierung zu erhöhten Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt aus ihrer Erklärung strich – ein weiteres Indiz für eine veränderte Risikobewertung.

Robuste Konjunkturdaten

Seit der Januar-Sitzung zeichnen veröffentlichte Wirtschaftsdaten ein solides Bild der US-Konjunktur. Das Wachstum beschleunigt sich, die Inflation verlangsamt sich moderat, und der Arbeitsmarkt stabilisiert sich weiter.

Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im Januar nur leicht an, gebremst durch sinkende Energiekosten. Die Kerninflation, bei der Nahrungsmittel und Energie ausgeklammert werden, entwickelte sich im Rahmen der Erwartungen.

Besonders bemerkenswert: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen legte so stark zu wie seit über einem Jahr nicht mehr. Arbeitgeber schufen im Januar 130.000 neue Jobs, während die Arbeitslosenquote unerwartet auf 4,3 % sank. Diese Daten deuten auf eine anhaltende Stabilisierung des Arbeitsmarkts zu Beginn des Jahres 2026 hin.

Mehrere Fed-Vertreter betonten zuletzt, dass ihnen die insgesamt stabile wirtschaftliche Lage Spielraum für Geduld bei weiteren Zinsentscheidungen verschaffe. Präsident Trump und Mitglieder seiner Regierung fordern dagegen weiterhin eine rasche Senkung der Zinsen.

An den Finanzmärkten haben Händler ihre Erwartungen an baldige Zinssenkungen zuletzt etwas zurückgeschraubt. Dennoch signalisieren Terminkontrakte auf die Federal Funds Rate weiterhin eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bis Juni.

Abschließend bestätigte der Ausschuss einstimmig Jerome Powell erneut als Vorsitzenden des FOMC sowie weitere Personalentscheidungen – gültig bis zur regulären Neubesetzung der Posten im Jahr 2027.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Jetzt brauche ich etwas Nachhilfe: Jerome Powel‘s Amtzeit endet kommenden Mai, Nachfolger ist bekannt und dann wird Powel vom FOMC bis 2027 bestätigt in seinem Amt?
    Wie jetzt?

    1. Nicht ganz, das ist voneinander getrennt:
      Auf seiner Sitzung im Januar stimmte der Ausschuss außerdem einstimmig dafür, Fed-Vorsitzenden Jerome Powell bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai als Vorsitzenden des FOMC zu bestätigen und weitere Ausschusspositionen bis zur Wahl ihrer Nachfolger auf der ersten regulären Sitzung im Jahr 2027 zu besetzen.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Ein Buffet Indikator von über 225 in der Spitze spricht eine eindeutige Sprache…

    Warren Buffet redete mal im März 03 schlau daher…alles über 100 sei Blase und er hätte deshalb das Platzen der Dot Com Blase vorausgesehen…Dow damals bei den 7500…DAX bei den 2166…

    Wenn’s so ist…wenn’s so wäre…hatte er seit Jahren nicht mehr kaufen dürfen…denn der Indikator steht seit vielen Jahren bei über 100…
    Aber was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage