Heute um 16 Uhr deutscher Zeit wird Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole eine mit großer Spannung erwartete Rede halten. Wie sieht er die Entwicklung der Inflation, und wohin tendiert er mit den Zinsen? Das interessiert den gesamten Kapitalmarkt. Seine Aussagen können sich auf Anleihen, Währungen, Gold und Aktien auswirken.
Markt erwartet Bekenntnis von Fed-Chef Kevin Warsh
Zahlreiche Investoren drängen den Vorsitzenden der US-Notenbank, Kevin Warsh, dazu, die hohe Inflation deutlich zu kritisieren, um das lange Ende des Marktes für US-Staatsanleihen anzukurbeln, so Bloomberg News. Ein klares Bekenntnis zur Preisstabilität in seiner heutigen Rede könnte Käufe von 30-jährigen US-Anleihen auslösen, deren Renditen letzte Woche den höchsten Stand seit 2007 erreichten. Ein solcher Schritt würde auch US-Finanzminister Scott Bessent dabei helfen, den Ausverkauf langfristiger Anleihen zu stoppen und die explodierende Zinslast des Landes in den Griff zu bekommen.
Fed-Beobachter bei JPMorgan, Apollo Global Management und Morgan Stanley sagen, Kevin Warsh habe die Chance, den Markt davon zu überzeugen, dass die Inflationsbekämpfung seine Priorität ist. Wenn ihm das gelingt, dann „werden sich die Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Fed etwas legen“, sagte Priya Misra, Portfoliomanagerin bei JPMorgan Investment Management.
Damit wird seine Rede in Jackson Hole zu einem entscheidenden ersten Test für den Vorsitzenden, dessen ausweichender Kommunikationsstil die Anleger verwirrt und Zweifel daran aufkommen ließ, wie sehr sich seine Zentralbank der Eindämmung des Preisanstiegs verschrieben hat.
Zu hohe Inflation, zu hohe Kreditkosten
Die US-Inflation liegt seit fünf Jahren über dem 2-Prozent-Ziel der Fed, und die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen bewegen sich seit zwei Monaten trotz Bessents Interventionen – darunter ein Plan zum Rückkauf langfristiger Anleihen – über der wichtigen 5-Prozent-Marke. Anhaltend hohe Kreditkosten belasten den US-Immobilienmarkt ebenso wie Private-Equity-Firmen und kleine Unternehmen.
Warshs Rede erfolgt vor dem Hintergrund unterschiedlicher Ansichten unter den Fed-Vertretern hinsichtlich der Notwendigkeit höherer Zinsen. Die Präsidentin der Fed von Boston, Susan Collins, erklärte am Donnerstag, es gebe nach wie vor Anzeichen dafür, dass die derzeitige Geldpolitik der Zentralbank die Wirtschaft leicht dämpft und dazu beiträgt, die Inflation zu verlangsamen.
Beth Hammack, Präsidentin der Fed von Cleveland und eine der Vertreterinnen, die gegen die Zinsentscheidung vom letzten Monat gestimmt hatten, bekräftigte am Donnerstag, dass die Entscheidungsträger jetzt handeln sollten, um die Inflation einzudämmen, da die Zinsen die Wirtschaft nicht ausreichend bremsen, damit sich der Preisdruck von selbst abkühlt.
Die gegensätzlichen Ansichten zur Bekämpfung der anhaltenden Inflation sowie die Sorge, dass es kaum den Willen gibt, die Haushaltsdefizite der Regierung und die steigende Schuldenlast anzugehen, trugen dazu bei, dass die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen in der vergangenen Woche auf 5,34 % stieg – den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise.
Expertenaussagen
Gleichzeitig notiert der vielbeachtete Term-Premium-Indikator der New Yorker Fed – ein Maß dafür, wie viel zusätzliche Vergütung Anleger für das Risiko des Besitzes langfristiger US-Staatsanleihen verlangen – nahe den Niveaus, die zuletzt im Jahr 2014 zu beobachten waren. „Wenn sich die Fed auf die Inflation konzentriert, dürfte der Term-Premium stark sinken, da die Fed nun deutlich glaubwürdiger ist“, sagte Vishal Khanduja, Leiter des Bereichs „Broad Markets Fixed Income“ bei Morgan Stanley Investment Management.

Die Marktteilnehmer werden jedes Wort von Warsh auf der jährlichen Tagung der Fed in Wyoming genau unter die Lupe nehmen. In seiner Pressekonferenz im Anschluss an die Juli-Sitzung der Zentralbank weigerte er sich, zu erläutern, wie die Entscheidungsträger auf unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen reagieren könnten. Eine Bemerkung ließ einige vermuten, dass das Inflationsziel der Fed im Januar geändert werden könnte, was für zusätzliche Unsicherheit sorgte und einen Ausverkauf bei langlaufenden US-Staatsanleihen auslöste.
„Er wird etwas liefern müssen, das klarer ist als die Pressekonferenz im Juli“, sagte Torsten Slok, Chefökonom bei Apollo Global Management, in einem Interview mit Bloomberg Television. Zwar müsse Warsh den nächsten Schritt der Fed in Bezug auf die Zinssätze nicht vorwegnehmen, doch sollte der Vorsitzende laut Slok seine Einschätzung zur Inflationslage und zum Arbeitsmarkt darlegen, um seine Prioritäten deutlich zu machen. „Wenn er keine Rahmenorientierung gibt, besteht das Risiko, dass dies zu einem deutlich stärkeren Anstieg der langfristigen Zinsen führen wird“, so Slok.
„Die Zusammensetzung eines etwaigen Anleiheausverkaufs nach den Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh am Freitag ist entscheidend – sie wird den Unterschied zwischen einem Markt, der sich an ein neues Fed-Regime anpasst, und einem Markt, der beginnt zu hinterfragen, ob die Fed überhaupt eines hat, ausmachen“, so sagt es Alyce Andres, Zins- und Devisenstrategin bei Bloomberg.
Dennoch sehen Anleger eine Reihe von Gründen für hohe Renditen entlang der gesamten Treasury-Kurve. Das lange Ende leidet unter der rekordhohen US-Staatsverschuldung, die gerade die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Die hartnäckige Inflation hält das kurze Ende auf hohem Niveau, und im sogenannten „Belly“ sorgt eine Flut von Kreditaufnahmen durch Giganten der künstlichen Intelligenz für Aufwärtsdruck, so Slok. „Die gesamte Renditekurve läuft Gefahr, weiter anzusteigen“, fügte er hinzu.
Warshs Rede bietet zudem die Gelegenheit, einen makroökonomischen Ausblick zu geben – noch vor dem Arbeitsmarktbericht für August in der kommenden Woche und den Daten zum Verbraucherpreisindex, die nur wenige Tage vor der nächsten geldpolitischen Entscheidung der Fed am 16. September veröffentlicht werden. Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 34 % für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt im nächsten Monat ein.
„Entscheidend sind nach wie vor die Daten, und genau darauf wird der Markt achten, sobald Warsh spricht“, sagte Kevin Flanagan, Leiter der Anlagestrategie bei WisdomTree. „Die zweijährige Rendite liegt weiterhin über dem Fed-Funds-Satz, was eine gewisse Unsicherheitsprämie im Zusammenhang mit Warsh widerspiegelt sowie einen Markt, der die Möglichkeit einer Zinserhöhung auch nach den schwächeren Juli-Daten zu Beschäftigung und Inflation noch nicht ausgeschlossen hat“, sagte er.
FMW/Bloomberg
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Kevin Warsh hatte sich in der Finanzkrise verzockt…indem er seine Bestände im Tief vollständig verkaufte… weil er von noch tieferen Kursen in der Zukunft ausging…
Er konnte also nicht mehr vom Anstieg profitieren.. als die vielen QE s starteten..jetzt ist es umgekehrt..Trump wird ihm ein schönes Depot… auf den Ceyman eingerichtet haben…
Wes Brot ich ess des Lied ich sing…das ist natürlich nur eine Vermutung…vielleicht belehrt er mich eines Besseren…indem er die Position vertritt von 2011/12…als er eben…vermutlich… nicht investiert war…
Ich tippe auf große Worte und Ankündigungen, denen dann im September nichts folgt.