Die US-Arbeitsmarktdaten vom letzten Freitag waren der große Game Changer! Inzwischen sehen wir eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für stärker sinkende Zinsen der Federal Reserve (Fed) in diesem Jahr.
US-Arbeitsmarktdaten Game Changer für Fed-Zinsen
Was war passiert? Nicht nur, dass die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag zeigten, dass im Juli nur 73.000 neue Stellen geschaffen wurden (Erwartung +107.000). Entscheidend bei diesem Bericht war die Revision der beiden vorigen Monate. In Mai + Juni wurden demnach 258.000 weniger neue Jobs geschaffen als erwartet. Das war die Schocknachricht, der Game Changer für den Markt. Damit war sofort klar, dass die US-Konjunktur in Wirklichkeit bereits seit Mai viel schlechter läuft, als man es bisher annahm. Für die Fed-Zinsen bedeutet das: Eine viel schwächere Konjunktur bedarf niedrigerer Zinsen. Denn eine weniger brummende Konjunktur erzeugt weniger Aufwärtsdruck bei Verbraucherpreisen, und bedarf einer Stimulation in Form niedrigerer Kreditkosten.
Markt sieht drei Zinssenkungen bis Jahresende
Natürlich gibt es auf der anderen Seite weiterhin das immense Risiko, dass Trumps Zölle nach und nach über die Handelskette letztlich bei den Verbraucherpreisen ankommen. Dieses Szenario ist sogar sehr realistisch. Aber für den Augenblick sehen wir die schockierende Abwärtsrevision bei den US-Arbeitsmarktdaten. Die Märkte geben ein klares Signal: Sie erwarten stärker sinkende Zinsen bei der Fed. Lag die Wahrscheinlichkeit für um 0,25 Prozentpunkte sinkende Zinsen beim September-Meeting letzte Woche noch bei 40 %, so sind es laut CME Fed Watch Tool inzwischen 90,1 % Wahrscheinlichkeit.
Dann würde der Leitzins der Fed von einer aktuellen Spanne von 4,25 % bis 4,50 % auf 4,00 % bis 4,25 % sinken. Für das nachfolgende Fed-Meeting im Oktober erwartet der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 61,6 %, dass die Zinsen der Fed um weitere 0,25 Prozentpunkte sinken auf 3,75 % bis 4,00 %. Für das letzte Meeting der Fed in diesem Jahr am 10. Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit bei aktuell 49,5 %, dass die Zinsen nochmal gesenkt werden auf 3,50 % bis 3,75 % (40,4 % Wahrscheinlichkeit für 3,75 % bis 4,00 %). Also sehen wir jetzt die Markterwartung, dass die Fed-Zinsen bis Jahresende um 0,75 Prozentpunkte sinken werden.
Gut für den Aktienmarkt?
Der Aktienmarkt kann stets zwei Szenarien „spielen“. Einerseits gibt es die womöglich schlechter laufende Konjunktur, was natürlich die Aktienkurse belasten kann. Andererseits können die Anleger – wie sie es oft machen in den letzten Jahren – auch Variante B „ausspielen“: „Es stehen eine Reihe von Zinssenkungen an. Das wird mit Verzögerung von mehreren Quartalen die Konjunktur wieder stimulieren, daher kaufen wir jetzt schon mal den Aktienmarkt weiter nach oben, da die Börse stets die Zukunft handelt“. Dieses Szenario könnte ein weiterer Antreiber für den Aktienmarkt sein, wenn die höheren Zölle nicht die Inflation hochtreiben – dies würde das Szenario deutlich sinkender Fed-Zinsen angreifen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken














