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Turbulenzen am Markt? Fed-Zinsentscheid: Händler schließen eilig ihre Wetten und warnen

Fed-Zinsentscheid: Händler schließen eilig ihre Wetten und warnen

Gespannt schauen Händler auf der ganzen Welt heute auf den Zinsentscheid der Fed. Neben den US-Inflationszahlen der vergangenen Woche ist das Notenbank-Event sehr wichtig für den kurzfristigen Kursverlauf an den Börsen. Gerade an den Devisen-, Anleihen- und Aktienmärkten, aber auch am Goldmarkt können die Entscheidung sowie Hinweise zur zukünftigen Ausrichtung der US-Notenbank für starke Kursschwankungen sorgen. Für all diejenigen, die kurz vor dem richtungsweisenden Event Wetten eingehen, könnte es also brenzlig werden.

Im Gespräch mit Bloomberg haben einige Finanzexperten zur Vorsicht gemahnt. Ihre Botschaft, für alle, die vor einer der wichtigsten Sitzungen der US-Notenbank in diesem Jahr große Wetten abschließen wollen, lautet: Lassen Sie es, oder Sie riskieren, sich zu verbrennen.

„Schließen Sie Short-Positionen bei Aktien und Anleihen“, sagte Stephen Miller, ein Marktveteran seit vier Jahrzehnten und Anlageberater bei GSFM, ein Unternehmen der kanadischen CI Financial Corp. in Sydney. „Ich würde auch Long-Positionen in Dollar schließen – die nächsten 24 Stunden sind so ungewiss, da sich der Markt im Vorfeld des Zinsentscheids in eine extrem pessimistische Stimmung gebracht hat.“

Millers Vorsicht spiegelt sich in allen Trading Desks von der Woori Bank in Seoul bis zu BNP Paribas Asset Management in Hongkong wider, da sich die Anleger auf eine weitere große Zinserhöhung der Federal Reserve einstellen, um den steigenden Preisdruck auszubremsen. Die Märkte rechnen mit einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte, mit einer kleinen Chance auf eine Erhöhung um einen ganzen Prozentpunkt – ein Risiko, das die Rezessionsängste zusätzlich verstärken würde.

Volatilität steigt – Vorsicht ist besser als Nachsicht

Es ist aber nicht nur die US-Notenbank, die in dieser Woche den Zinsentscheid fällt. In der aus geldpolitischer Sicht ereignisreichen Woche entscheiden ebenfalls die Bank of England, schweizerische Nationalbank sowie die Bank of Japan am Donnerstag über die Zinsen. Die zahlreichen Zinsentscheidungen können zu kräftigen Schwankungen an den globalen Finanzmärkten führen.

Dazu sagt Bloomberg: Die Nervosität macht sich in praktisch allen Anlageklassen bemerkbar: Die erwarteten Schwankungen bei US-Aktien liegen in der Nähe von Niveaus, die zuletzt Mitte Juli zu beobachten waren, während die Schwankungen bei Staatsanleihen auf ein Monatshoch angestiegen sind. Auch die implizite Volatilität über Nacht ist bei allen wichtigen Währungspaaren in die Höhe geschnellt, was die Unsicherheit darüber unterstreicht, wie deutlich die Devisenmärkte auf die Entscheidung der Fed reagieren könnten.

Volatilität steigt vor dem Fed-Zinsentscheid

Zinsentscheid: Abwarten und Geld beisammen halten lautet die Botschaft

Es ist nicht nur der Zinsentscheid, der im Blickpunkt steht, sondern vor allem die Hinweise und Prognosen der Fed, die für die Händler eine Rolle spielen. Ein Zinsschritt von 75 Basispunkten ist wohl beschlossene Sache und in die Kurse bereits eingepreist. Aber es herrscht große Unsicherheit über die Reaktion auf den Zinsentscheid und die anschließenden Worte von Fed-Chef Powell.

Auch der Leiter der Abteilung für asiatische und globale Schwellenländeraktien bei BNP in Hongkong, Zhikai Chen, sagt im Gespräch mit Bloomberg, dass man angesichts der großen Ungewissheit Cash hortet, um sein Portfolio zu schützen. „In den letzten 10 Jahren hatten wir im Durchschnitt 3 % und mehr Barmittel in unseren Portfolios – wir gehen mit etwa 7,5 % in diese Sitzung“, sagte Chen, der bei dem Vermögensverwalter 500 Milliarden Euro mitverwaltet. „Es gibt definitiv einen verständlichen Mangel an Überzeugung“, während Händler auf die Aussagen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell warten.

Andere wie Steen Jakobsen, Chief Investment Officer bei der Saxo Bank A/S, planen, etwaige Marktturbulenzen zu überstehen, indem sie an bestehenden Positionen festhalten. „Wir machen nichts anders, egal ob es am Ende 75 oder 100 oder sogar 25 Basispunkte sind“, sagte Jakobsen bei Bloomberg. „Was wir im Laufe der Zeit abwägen müssen, ist, welcher Teil der Volkswirtschaften Kapital benötigt, und das wird nicht auf einem einzelnen Risiko-Event wie dem Fed-Zinsentscheid basieren.“

Min Gyeong-won von der Woori Bank ist jedoch der Meinung, dass jede große Position, sei es von institutionellen Händlern oder Privathändlern, die vor der Sitzung eingegangen wird, zu Verlusten führen kann. Sein Rat: Warten Sie ab und analysieren Sie die Botschaften der Fed, bevor Sie kühne Maßnahmen ergreifen.

FMW/Bloomberg



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