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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Johann Steinhaus

    3. Dezember 2020 10:10 at 10:10

    Hallo Herr Kummerfeld,
    was passiert denn eigentlich wenn diese Maßnahmen der „Vertuschung“ für „Schrott-Kredite“, irgendwann einmal beendet sind ?
    Verschwinden diese Kredite in der kompletten Versenkung oder müssen sie erst dann aufgeführt und als Verlust der Bank verbucht werden ?

    Grüße, Johann

  2. Claudio Kummerfeld

    Claudio Kummerfeld

    3. Dezember 2020 10:38 at 10:38

    Hallo Herr Steinhaus,

    man sieht ja in dieser Krise, dass Politik und Finanzaufseher kreativ sind. Welche Maßnahmen nächstes und übernächstes Jahr ergriffen werden, das kann ich natürlich nicht vorhersehen. Beispiel Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen. Vor der Coronakrise wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass die Politik so eine Maßnahme auch nur erwägen würde. Was man sich für die Banken noch einfallen lässt, da ist meine Kreativität leider begrenzt. Vielleicht gibt es irgendeine EU Bad Bank-Regelung, die nur für die Öffentlichkeit anders dargestellt wird, und die Banken können dann Schrottkredite in dieses Vehikel überführen, und erhalten dafür den vollen Wert der Nominalforderung bezahlt, auf Steuerzahlerkosten? Man wird sehen.

    Grüße
    Claudio Kummerfeld

  3. Avatar

    Johann Steinhaus

    3. Dezember 2020 11:13 at 11:13

    Danke für die schnelle Antwort Herr Kummerfeld und ja, eine Bad Bank mit einer Belastung des Steuerzahler über Umwege, könnte ich mir lebhaft vorstellen.
    Ist schon witzig , wenn man mal die Vorsteuer ein paar Tage zu spät bezahlt, hagelt es unter Strafandrohung direkt Schreiben, dass man auch ja seinen Verpflichtungen unverzüglich nachkommt und
    unser Finanzsystem besch…..t uns bis der Arzt kommt (mal ganz rüde gesagt, sry ).
    Egal ob es nun bei „notleidenden Krediten „, Insolvenzverschleppung oder bei der Enteignung des Sparers bei Nullzinsen ist. Frag mich echt wo das noch enden soll……..
    Grüße, Johann Steinhaus

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    Alex

    3. Dezember 2020 12:46 at 12:46

    im Moment bekommt man für das im Grunde wertlose Papier noch Gold und Silber. Das ist ein außerordentlich schönes Geschenk für Leute die das begriffen haben. Man könnte genauso gut mit Sand oder Kieselsteinen bezahlen, wobei diese noch werthaltiger sind, da man sie nicht beliebig auf Knopfdruck vermehren kann.
    Schöne Grüße :)

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    franko33

    3. Dezember 2020 12:56 at 12:56

    Hallo Herr Kummerfeld,

    vielen Dank für Ihre aktuellen Aufklärungen (Tatbestände mit Kreativität ?)

    Kreativität bei der Beurteilung von Gold gibt es ja schon länger,da erzähle ich
    Ihnen ja nichts Neues.

    Vielen Dank noch einmal für Ihre regelmäßigen Gold-und Silberminen Reports
    einschließlich der aktuellen Beurteilungen !

    Grüße

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    Columbo

    3. Dezember 2020 13:30 at 13:30

    „Legaler Bilanzbetrug“…“Wolkenloser Regentag“…Nonsens.

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    Stiller User

    3. Dezember 2020 16:31 at 16:31

    Solange eine Bank einen Kredit nicht als „ausfallgefährdet“ oder „zahlungsgestört“ einstuft, gibt es keine Schrottkredite und demzufolge auch keine Abschreibungen die sich als Verluste in den Bilanzen niederschlagen.

    Letztendlich wird das Problem dadurch aber nicht gelöst, sondern nur unter den Teppich gekehrt.

  8. Avatar

    Sylvia

    3. Dezember 2020 18:27 at 18:27

    Zur Ergänzung:

    https://old.reddit.com/r/Debitismus_Forum/comments/k60xlz/bafinchef_felix_hufeld_einige_banken_werden_die/

    Kleines aber feines Wirtschaftsforum, welches auch oft in die Finanzmarktwelt verlinkt

    Sylvia

  9. Avatar

    Bert

    4. Dezember 2020 20:54 at 20:54

    Guten Abend, Finanzinspektor Columbo. Nein, es handelt sich nicht um Nonsens. Am besten lesen Sie zwecks Erweiterung der Perspektive noch einmal – entspannt und innerlich aufgeschlossen – die ersten Zeilen des vorliegenden Beitrags: „Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen.“ Ich hoffe sehr, dass in Ihrem Aktienportfolio – ich gehe davon aus, dass Sie ein entsprechendes Depot bei einer Bank haben – Bankaktien aus dem EU-Raum (namentlich Italien, Spanien, Frankreich) unterrepräsentiert oder, besser noch, nicht vorhanden sind. US-Aktien weisen hingegen teils noch eine Werthaltigkeit auf. Zu Ihrem Depot brauchen Sie sich im Übrigen keine Sorgen zu machen: die Bank mag kriseln, in Schieflage geraten, mit „legalem Bilanzbetrug“ noch weiterzappeln oder gar untergehen – Ihr Depot geht nicht mit unter. Natürlich kann dessen Wert eklatant fallen, so denn nur Schrott im Depot liegt. Hinsichtlich möglicher Investitionsdestinationen, v.a. Gold und Qualitätsaktien, können Sie sich an Darlegungen von Herrn Dr. Krall orientieren, die frei im Internet verfügbar sind. Gleiches gilt für ein hervorragendes Interview von Marc Friedrich mit Herrn Prof. Dr. Sinn. Es würde mich freuen, Ihnen Analyse- und Handlungsimpulse vermittelt zu haben. Beste Grüße aus Düsseldorf. Bert.

  10. Avatar

    Ernie

    4. Dezember 2020 23:10 at 23:10

    Hi Bert, als orthografisches Sprachrohr von Markus Kummerfeld-Krall überzeugst du uns alle auf den ersten flüchtigen Blick. Bei genauerer Betrachtung – entspannt und innerlich aufgeschlossen – bleibt es aber doch beim Nonsens. Wenn der von einer demokratischen Mehrheit gewählte Bundestag durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird daraus alles andere, als Betrug oder Illegales.

    Wenn demokratische Prinzipien von einem Markus Kummerfeld und einem Claudio Krall hypernervös und lautstark mit Betrug verwechselt werden, wie ich gerade die Namen verwechsle, nur weil sie nicht ins persönliche Wunsch-Schema passen, mag das eine individuelle Tragödie sein.

    „Legaler Bilanzbetrug“ bleibt dennoch Nonsens, vor allem aber hetzerischer Populismus, weil dadurch zwar die Triebe weniger radikaler Schrägdenker befeuert werden, aber kein Erkenntnisgewinn, nichts Produktives oder Innovatives, und schon gar keine Lösung generiert wird.

    Herzlichst, dein Homie Ernie

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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