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Finanzmärkte im Überblick: Wie ist die Lage und was ist zu erwarten?

Finanzmärkte im Überblick: Wie ist die Lage und was ist zu erwarten? (Ukraine)

Zwei Themen beherrschen derzeit das Geschehen an den Finanzmärkten – die Zinswende und Ukraine-Krise. Zum einen steht nach einer Dekade fallender Leitzinsen eine Zinswende bevor. Darüber hinaus nehmen geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine/Nato zu und könnten in einem Krieg in Europa münden. Zuletzt haben die Kriegssorgen nochmal deutlich an Brisanz gewonnen, nachdem der Kreml-Chef Putin denkwürdige Rede gehalten hat. Dabei erklärte er die Anerkennung der Volksrepubliken in der Ost-Ukraine und bezeichnete die Ukraine als Vasallen der USA. Anschließend sendete der russische Präsident offiziell erste Truppen in die Regionen Donezk und Luhansk. Die USA planen wohl im Laufe des Tages erste Sanktionen gegen Russland zu erlassen. Die Europäische Union hält sich hingegen noch zurück und wartet weitere Schritte der Russen ab.

Der Gegenwind für die Märkte bleibt stark

Für die Finanzmärkte, die keine Unsicherheiten mögen, ist die aktuelle Lage äußerst prekär. Denn in einer Situation mit extrem niedrigen Zinssätzen, einer Fed-Bilanzsumme von 9 Milliarden US-Dollar und einer Inflation von 7,5 % kommt jetzt auch noch der Verlust der Kontrolle über die Politik hinzu. Der Gegenwind trifft nun auf einen Markt, der sehr hohe Bewertungen aufweist und immer noch stark überhebelt ist. In den vergangenen Wochen haben Investoren demnach begonnen, die Zinswende einzupreisen. Auch die jüngsten Kurseinbrüche sind auf die Einpreisung weiterer Zinsschritte wegen der ausufernden Inflation zurückzuführen.

Hinzu kommen die Sorgen vor einer Eskalation in der Ukraine-Krise, die vor allem in den vergangenen Tagen zu dynamischen Bewegungen an den Finanzmärkten geführt haben. Dabei haben die Aktienmärkte wichtige Unterstützungsniveaus durchbrochen, während die Gold- und Rohölpreise erneut in die Höhe geschossen und die Renditen gestiegen sind. Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Situation an den Finanzmärkten.

Finanzmärkte: Überblick Dax und Dow Jones

Der Dax ist im gestrigen Handel nach elf Monaten erstmals wieder unter der Marke von 14.800 Punkten gefallen. Damit hat der deutsche Leitindex eine entscheidende Unterstützung gebrochen und ist aus der übergeordneten Seitwärtsrange nach unten herausgefallen. In der Folge kam es zu einem Kurseinbruch bis in die Region bei 14.300 Punkten. Aktuell sehen wir eine kräftige Gegenbewegung, die bis in den Bereich bei 14.750/840 laufen kann. Allerdings ist weiterhin Vorsicht geboten, solange die vorherige Unterkante der Range bei 14.800 Punkten nicht nachhaltig überwunden wird. Die laufende Korrekturbewegung kann sich anschließend bis an die Marken bei 14.200, 14.050 und im schlimmsten Fall bis 13.800 Zähler fortsetzen.

Im Dow Jones sieht die Lage ähnlich aus, allerdings konnte der Index die Unterstützungszone bei 33.700/550 vorbörslich verteidigen. Oberhalb der starken Unterstützung besteht die Chance auf eine Erholungsrally bis 34.250/400 und 34.550 Punkte. Erst ein Bruch der lokalen Tiefs bei 33.500 Punkte würde einen weiteren Kursbeinbruch bis an die markanten Verlaufstiefs bei 33.150 und 33.030 Punkten einleiten. Man kann davon ausgehen, dass die Volatilität an den Finanzmärkten erhöht bleibt und Abwärtsrisiken für Aktien bestehen bleiben, da der Inflationsdruck und die Kriegssorgen noch länger andauern. Hier geht es nochmal zur ausführlichen Dow-Analyse.

Öl- und Goldpreise legen Verschnaufpause ein

Der Preis für die Ölsorte WTI hat aufgrund der Krise in der Ukraine fast die 95 US-Dollar Marke erreicht und notiert damit auf einem Siebenjahreshoch. Die Befürchtung besteht, dass die Sanktionen gegen Russland zu einer Verringerung des Angebots führen könnten, wodurch sich der globale Ölmarkt inmitten einer starken Erholung des globalen Wachstums und der Nachfrage nach einer Pandemie noch weiter verengen könnte. Hinzu kommen die Sorgen über die ins Stocken geratenen Atomgespräche mit dem Iran. Auch die Unfähigkeit mehrerer OPEC+-Mitglieder, ihre Produktionsziele zu erreichen, hält die Ölpreise auf hohem Niveau.

Anleger haben wohl weiterhin die runde Marke von 100 US-Dollar im Blick. Setzt sich die Eskalation in der Ukraine fort, dürften die Ölpreise weiter steigen. Erst ein Entspannungssignal könnte zu einer Konsolidierung bis in den Bereich bei 90 USD und tiefer führen. Die alljährliche Internationale Energiewoche in London beginnt heute, und in den nächsten drei Tagen sind zahlreiche Schlagzeilen von dieser Veranstaltung zu erwarten. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation an den Finanzmärkten weiter entwickelt. Viel hängt schließlich davon ab, wie stark die Straffung der Geldpolitk vonstattengeht und wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt.

Rücklauf beim Goldpreis?

Im Zuge der Ukraine-Krise konnte auch der Goldpreis deutlich zulegen. Die derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten treiben Investoren schließlich in den sicheren Hafen. Im heutigen Handel hat der Goldpreis jedoch eine markante Widerstandszone erreicht. Zwischen 1.912 und 1.916 USD befinden sich die Hochs aus Mai 2021. Hier könnte es zu einer Gegenreaktion kommen, die den Preis bis zum vorherigen Ausbruchsniveau bei 1.879/77 führt. Dementgegen dürfte eine Eskalation in der Ukraine das goldene Edelmetall in Richtung der Hochs von Ende Dezember 2020 bei 1.952 bringen.

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