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Finanzsystem im Krisen-Modus? Ein Blick auf die BaFin-Webseite genügt

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Finanzsystem im Krisen-Modus? Frankfurter Skyline

Was schwirrt heute durch die Medienlandschaft? Der oberste deutsche Versicherungsaufseher von BaFin Frank Grund gibt öffentlich zu bedenken, dass ihm die Lage der Pensionskassen Sorge bereite. Sie seien von der anhaltenden Niedrigzinsphase noch stärker betroffen als die Lebensversicherer. Einige Pensionskassen würden durch die dahinter stehenden Arbeitgeber erhebliche Unterstützung benötigen. Denn keine Zinserträge mehr bedeutet, dass laufende Ausgaben für die jetzigen Betriebsrenter immer schwieriger zu bezahlen sind. 31 der 135 deutschen Pensionskassen seien unter intensivierter Aufsicht, weil unklar ist, ob sie noch frisches Geld von ihren Trägern erhalten. Mehr als problematisch ist diese Frage bei Trägern (also Arbeitgebern), die gar nicht mehr existieren!?! Pensionskassen sind ein Teil, wenn auch nicht der wichtigste im Finanzsystem.

Aber die Sache mit den Betriebsrenten jetzt nur mal zum Aufwärmen. Wer einfach mal auf die Webseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dem zentralen Finanzmarktregulierer für Deutschland, schaut, dem wird klar: Die Aufseher sind für das Finanzsystem bereits im Krisen-Modus. Schon die Themen, die auf der Hauptseite der BaFin dargestellt werden, verraten die aktuellen Probleme im Finanzsystem. Viele Veröffentlichungen, die auf der Hauptseite präsentiert werden, stammen von Mitte Dezember. Dass sie aber mehr als wichtig sind, sieht man daran, dass sie auch jetzt noch zu Anfang 2020 die wichtigsten Themen sind, die exponiert dargestellt werden.

Versicherungen

Da wäre zum Beispiel die Veröffentlichung der BaFin mit dem viel sagenden Fragetitel „Erkennen Versicherer ihre Risiken frühzeitig?“ Eigentlich müsste oder sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass Versicherungen, die wegen fehlender Zinseinnahmen drohen in eine ernsthafte Schieflage zu geraten, sich darüber ernsthafte Gedanken machen. Aber offenbar ist es seitens der BaFin notwendig, dass man die Branche darauf nochmal hinweisen muss? So schreibt die BaFin zum Beispiel Zitat:

Versicherungsgesellschaften müssen früh genug feststellen können, ob sich ihre finanzielle Lage verschlechtert hat. Dafür müssen sie eigens geeignete Verfahren einrichten. Die BaFin sieht da noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wenn sich die finanzielle Lage eines Versicherers so stark verschlechtert, dass dies die Erfüllbarkeit seiner Vertragsverpflichtungen oder seine Zahlungsfähigkeit gefährden könnte, muss er die BaFin so früh davon unterrichten, dass Gegenmaßnahmen noch etwas bewirken können. So verlangt es § 132 Versicherungsaufsichtsgesetz.

Eigentlich doch eine nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit?

Banken abwickeln

Auch hat man sich jüngst damit beschäftigt, wie mittelgroße Banken im Falle ihres Zusammenbruchs möglichst problemlos abgewickelt werden können. Wir zitieren die BaFin auszugsweise:

Bei der zweiten Abwicklungskonferenz der BaFin in Frankfurt stellt Dr. Thorsten Pötzsch klar, dass auch große Institute abgewickelt werden können. Für mittelgroße Institute unterstützt er die Idee eines „Abwicklungsregimes light“.

Die teilnehmenden Spezialisten aus der Industrie, der Europäischen Zentralbank und der BaFin gingen insbesondere der Frage nach, inwieweit die umfangreichen Dokumentationspflichten der Institute zielorientiert sind. Dabei waren sich die Experten einig, dass die Sanierungs- und Abwicklungsplanung vorangetrieben werden müssen, um die praktische Umsetzbarkeit der in den Plänen vorgesehenen Handlungsoptionen der Institute und Behörden herzustellen.

Betriebliche Altersvorsorge

Und wo wir am Anfang dieses Artikels bereits bei den Betriebspensionskassen waren, so kehren wir am Ende wieder zu dem Thema zurück (wir berichteten bereits am 18. Dezember). Denn sie sind auch eines der Hauptthemen auf der Front-Seite der BaFin. Was hierzulande schon befürchtet und vermutet wird, ist auf europäischer Ebene auch offiziell festgestellt worden. Immer wieder sieht man, dass die Abschaffung der Zinsen durch die EZB das zentrale Problem darstellen, für Banken wie auch Versicherungen und Pensionskassen. Zitat von der BaFin auszugsweise:

Die Kapitalanlagen europäischer Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) reichen teilweise nicht aus, um deren Verpflichtungen zu bedecken. Das ergab der diesjährige europaweite EbAV-Stresstest der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung.

Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, urteilt: „Der EIOPA-Stresstest hat gezeigt, dass Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen Mitgliedstaaten vor erheblichen Herausforderungen stehen, die insbesondere auf das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen sind. Viele EbAV und ihre Trägerunternehmen stellen sich bereits diesen Herausforderungen.“

4 Kommentare

4 Comments

  1. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 2. Januar 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Franz Mlynek

    2. Januar 2020 17:19 at 17:19

    Für mich ist es immer wieder lustig, wie uns die Entscheider auf alle Ebenen, Warnungen zukommen lassen! Sie die es schon seit längerem ändern hätten können, lassen die Karre in den Dreck und dann wird gewarnt. Für mich sind es alles nur lächerliche Figuren!

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      BrettonWood

      2. Januar 2020 18:14 at 18:14

      Ach dann kann man später sagen wir hatten wich ja zeitig gewarnt, die wirklich Verantwortlichen der EZB, BOJ, SNB, FED, wissen ganz genau wo wir stehen und wohin die Reise geht, würden Sie das ehrlich sagen wäre die Reise sofort am Ende angelangt, also wird der Patient solange es geht am Leben gehalten in der Hoffnung man überlebe den Patienten selbts nicht, immer schön die Strasse runter mit der Kanne…wie lange noch ? Wer weiss es schon aber wohin die Reise geht ist völlig klar….wir befinden uns in einem komplett Betrügerischen System, in dennen die Notenbanken die Währungen solange am Leben halten wie möglich, den mit dem Ende der Währungen endet alles, da können auch keine Verpflichtungen mehr erfüllt werden wenn morgen mit Auro bezahlt wird und du Euro kriegst die niemand mehr will iubd nichts mehr Wert sind, alle Verpflichtungen werden dann nicht mehr erfüllt, sonst wären wir ja wieder gleichweit, insofern ist das halt das kleinere Übel, die Exponentailkurve hat die kritische Schwelle erreicht, die Geldmenge hebt daher nun auch alle Boote die nicht zur Kerninflation gehören, dort wird als letztes noch geschaut das diese ja nicht ansteigt desshalb gehört auch nichts dazu was laufend steigt….kompeltt Betrügerisch…ich hoffe man sperrt die Vernatwortliche anschliessend zusammen in Abu Graib ein, ich gehe dann Fotos schiessen

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      globalvoterorg

      2. Januar 2020 19:03 at 19:03

      Die Lächerlichkeit ist Vorwärtsverteidigung! Beschäftigungstherapie in der IllusionsMatrix. Die Autoren sind Opfer und Protagonisten, zugleich, und lügen sich, vornehmlich, selbst, in die „eigene Tasche“! GEHT NICHT!? Doch, denn der Finanztsunamis (QE) hat alle Regeln, der sogenannten VWL, ausgehebelt! Diese ist, ergo, KEINE, exakte Wissenschaft, sondern eine Konvention. Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist der Part der doppelten Buchhaltung, nichts weiter! Ohne jedwede Macht und sooo lange diese Farce studiert und dies, auch, noch, geglaubt zu haben, da, fällt es, natürlich, schwer sein „Dogma“ in den Abfall zu werfen und zuzugeben, daß wir ALLE Fremdbestimmt sind.
      Die Finanzkrake (FED/EZB/BIZ) mit ihrer kriminellen Energie zeigt ihr häßliche Gesicht.
      Wir, Alle, sind, NUR, „Muggel“. Die Zauberer sitzen woanders und schwingen das Zepter der „Virtuellen DiktaturTotal“ Orwell 3.0 ! Orwell 2.0 haben wir schon. Keiner merkt was, bis auch die dt. Oma´s als „FinanzSchweine“ bezeichnet werden!? Wer weiß!? DA, hört die Eigenlüge, das Mittätertum dann, doch, auf! OMA NICHT !!!

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Kreditwachstum abgekoppelt von der Wirtschaftsleistung – die Gründe

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Das Kreditwachstum der letzten Jahre in Deutschland ist beeindruckend. Die Bundesbank hat aktuell dazu ausführliche Daten und Grafiken veröffentlicht. Man schaue auf die folgende Grafik seit den 1980er-Jahren, wo das Kreditwachstum (an Unternehmen außerhalb der Finanzbranche) in Prozentpunkten als blaue Linie dargestellt wird. Man sieht, wie die Wirtschaftsleistung (schwarze Linie) zuletzt immer mehr Richtung Nullwachstum abfällt, aber das Kreditwachstum eine viel höhere Wachstumsrate aufweist. Woran liegt das?

Kreditwachstum vs Wirtschaftsleistung

Schauen wir dazu auch auf die folgende Grafik, wo das jährliche Kreditwachstum (Durchschnitt in blauer Linie) seit 2014 dargestellt wird. Hier auf diesen kurzen Zeitraum bezogen ist der Dreh von vormals negativen Raten ins Plus gut erkennbar. Selbst zuletzt, wo die gesamte Wirtschaftsleistung (BIP) immer mehr Richtung Null-Linie läuft, verharrt die Wachstumsrate bei Krediten über 5%.

Kreditwachstum seit 2014

Was wir lobend erwähnen möchten: Die Bundesbank hat mit einem sehr einfach verständlichen Text die Gründe dafür aufgearbeitet, warum das Kreditwachstum sich von der Wirtschaftsleistung abgekoppelt hat. Bevor wir noch einen anschließenden Kommentar abgeben, hier die Bundesbank im Wortlaut:

Die Buchkredite deutscher Banken an nichtfinanzielle Unternehmen in Deutschland sind in den letzten Jahren nachhaltig und über alle Laufzeiten, Wirtschaftszweige und Bankengruppen gestiegen. Wesentlichen Einfluss auf diesen Aufschwung hatten die anhaltende konjunkturelle Erholung sowie die gesunkenen Kosten der Kreditfinanzierung. Das kräftige Wachstum der Unternehmenskredite lässt sich mit diesen beiden Größen allein jedoch nicht vollständig erklären.

Mögliche weitere Einflussgrößen sind sowohl auf der Kreditnachfrage- als auch auf der Kreditangebotsseite zu finden. Nachfrageseitig relevant waren vor allem das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie Verschiebungen in der Finanzierungsstruktur der Unternehmen und in der Investitionstätigkeit einzelner Wirtschaftszweige. Infolge der lebhaften Baukonjunktur sowie des damit verbundenen Preisauftriebs bei Bauleistungen und Immobilien erhöhte sich vor allem der Mittelbedarf des Bau- und Immobiliensektors. Dieser ist typischerweise besonders kreditintensiv, was dazu führte, dass die Kredite an diesen Wirtschaftszweig zur treibenden Kraft des Kreditaufschwungs wurden. Auf der Angebotsseite fällt auf, dass die Banken ihre Kreditvergabepolitik in den letzten Jahren wiederholt lockerten. Sie führten dies vor allem auf die angespannte Wettbewerbssituation im Bankensektor zurück.

Zusätzlich spielten die ab 2014 beschlossenen geldpolitischen Sondermaßnahmen des Eurosystems eine Rolle, die über ihren rein zinssenkenden Effekt hinaus positiv auf die Kreditdynamik wirkten. Eigene empirische Analysen auf der Basis von Bankbilanz-Einzeldaten deuten darauf hin, dass Banken in Deutschland, die an den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften und am
erweiterten Programm zum Ankauf von Vermögenswerten teilnahmen, in den Jahren 2014 bis 2019 ein höheres Wachstum der Unternehmenskredite aufwiesen als nichtteilnehmende Banken. Darüber hinaus geben Umfragedaten Hinweise darauf, dass das negative Niveau des Einlagesatzes für sich genommen zwar die Nettozinserträge der Banken dämpfte, jedoch bislang nicht zu einer Einschränkung ihrer Kreditvergabe führte.

Kommen wir zur letzten Bemerkung der Bundesbank. Bislang gebe es also noch keine Anzeichen für eine Einschränkung der Kreditvergabe durch die Banken. Geht das Kreditwachstum also weiter, auf hohem Niveau bei 5%? Wir erinnern an die im Detail erläuterte Prognose des Bankexperten Markus Krall. Viele Beobachter mögen seine Analysen und Schlussfolgerungen ablehnen, weil sie zu viele Variablen enthalten. Aber dennoch sind die Worte von Markus Krall aufschlussreich. Durch das Fehlen der Zinsmarge bei den Banken (dank der von der EZB abgeschafften Zinsen) schmelze das Eigenkapital der Banken derzeit immer weiter ab. Da die Banken für jeden vergebenen Kredit einen gewissen Teil an Eigenkapital vorhalten müssen (als Risikovorsorge für ausfallende Kredite), müssten die Banken ab einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kreditvergabe einschränken, da sie ja ein ständig schrumpfendes Eigenkapital hätten, so Markus Krall.

Und laut seinen Berechnungen (sehen Sie dazu bitte folgendes ausführliches Video ab Minute 32) werde die Kreditkontraktion (weniger Kreditvergabe durch die Banken) Ende 2020/Anfang 2021 einsetzen, weshalb die Wirtschaft mangels neuer Kredite massive Probleme bekommen werde. Soweit die Theorie von Markus Krall. Wird es so kommen? Zumindest basierend auf den aktuellen Aussagen der Bundesbank läuft jetzt noch alles rosig. Aber es sind ja noch mindestens 3 Quartale Zeit, bis laut den Schätzungen von Markus Krall die Kreditkontraktion einsetzen soll.

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Bundesbank: Wirtschaftswachstum wohl exakt auf der Null-Linie

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Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Das Wirtschaftswachstum ist gegen Ende des Jahres 2019 wohl exakt auf der Null-Linie gelandet, so die aktuelle Prognose der Bundesbank. Die Zweiteilung zwischen Binnenkonsum/Dienstleistungen sowie der Produktion bleibt weiterhin bestehen. Aber man erkenne, dass sich im Verarbeitenden Gewerbe eine Stabilisierung abzeichne. Dies wird auch im erläutert. Zitat auszugsweise:

Auftrieb sei nach wie vor von der Binnenwirtschaft gekommen. Hier hielten die trotz schwacher gesamtwirtschaftlicher Entwicklung recht günstigen Arbeitsmarkt- und Einkommensaussichten die Konsumfreude der Verbraucher aufrecht.

„Ein Ende das Baumbooms zeichnet sich weiterhin nicht ab“, schreiben die Expertinnen und Experten.

Demgegenüber habe die Abwärtsbewegung in der exportorientierten Industrie weiterhin angehalten, heißt es im Bericht. „Zuletzt mehren sich jedoch Anzeichen dafür, dass sich das verarbeitende Gewerbe mit Beginn des neuen Jahres stabilisieren könnte“, schreiben die Ökonominnen und Ökonomen. So hätte sich die industrielle Auftragslage seit einigen Monaten nicht weiter eingetrübt und die Warenausfuhren würden merklich steigen. Die kurzfristigen Exporterwartungen hätten sich ebenfalls erholt und würden nun erstmals seit einem halben Jahr wieder den positiven Bereich erreichen. Dem Bericht zufolge stieg die deutsche Industrieproduktion im November 2019 kräftig an. Sie übertraf demnach den Stand vom Oktober saisonbereinigt um 1 Prozent. Im Mittel der Monate Oktober und November lag die industrielle Erzeugung dennoch erheblich unter dem Durchschnitt der Sommermonate (-1½ Prozent).

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Immobilien: Schlüssiges Indiz für eine Manie bei den Preisanstiegen!

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Eine Manie ist laut Wikipedia eine affektive Störung, bei der sich „Antrieb, Stimmung und Aktivität“ weit über dem Normalniveau befinden. Darf man beim Thema Immobilien von einer Manie sprechen? Auf jeden Fall ist es ein Mega-Boom, eine Hausse, und auch eine Blase. Dass es eine Preisblase ist, dafür kann man jetzt ein schlüssiges Indiz liefern. Und ja, wir möchten hier von einer richtigen Manie sprechen! Erst einmal, als erster Baustein unserer Spurensuche: Die Preise für Immobilien steigen, und steigen, und steigen immer weiter an! Seit Monaten zeigen die Immobilienpreise im Jahresvergleich Wachstumsraten von knapp unter 10%, und jetzt ganz frisch für den Monat Dezember sogar über 10%, wie der Europace Hauspreisindex basierend auf tatsächlichen Transaktionen in der Branche erst letzte Woche gezeigt hat. Auch die Baupreise ziehen weiter kräftig an.

Preise für Immobilien klettern immer weiter, Mieten stagnieren

Aber sind diese sehr stark steigenden Immobilienpreise vielleicht gerechtfertigt? Denn wenn die Wohnungsmieten parallel dazu auch immer weiter ansteigen, können die Erwerber der Immobilien ja auch bei ihren extrem hohen Kaufpreisen gute Renditen aus den Mieteinnahmen erzielen, wenn sie die Objekte nicht für den Eigengebrauch nutzen. Bei der Spurensuche nach der Manie bei den Preisen für Immobilien hilft ganz aktuell der F+B-WOHN-INDEX DEUTSCHLAND für das 4. Quartal 2019.

Die oberste Linie im folgenden Chart zeigt die Entwicklung bei den Preisen für Eigentumswohnungen seit dem Jahr 2004. Die zweite Linie in rot zeigt die durchschnittliche Entwicklung des Wohnindex. Auch er steigt deutlich an, ungebremst. Und jetzt kommen wir zum Problem, woran man erkennen kann, dass die Käufer von Immobilien offenbar in eine Manie verfallen sind, und immer höhere Preise akzeptieren – Hauptsache rein in Immobilie, egal was es kostet? Lautet so die Parole? Denn die graue Linie im Chart zeigt die Entwicklung der Wohnungsmieten bei Neuvermietungen. Diese Linie läuft seit mehr als einem Jahr seitwärts. Sie stagnieren und sind teilweise sogar rückläufig!

Problem für Investoren

Also: Während die Mieten für neue Wohnungen und Häuser nicht mehr steigen und sogar leicht fallen, gehen die Kaufpreise für Immobilien immer weiter nach oben. Wer also als Investor bei einer Neuerstellung eines Wohngebäudes zum Beispiel eine einzelne Eigentumswohnung kauft um diese dann zu vermieten, wird sich mit dem Problem konfrontiert sehen, dass er keine seinem Kaufpreis entsprechende hohe Miete erzielen kann. Also hat er teuer gekauft, und die Rendite für sein Investment fällt mickrig aus. Die Preisentwicklung für die Käufer hat sich also von den Preisen für die Wohnungsmieten entkoppelt, wodurch die Rendite für die Investoren immer kleiner wird.

Das zeigt eine ungesunde Entwicklung. Wer nun also kauft und seine Objekte nicht für den Eigenbedarf nutzt, wird immer kleinere Renditen erzielen! Kommt der Punkt, wo die Preise für Immobilien daher ruckartig einbrechen werden, weil es einen Käuferstreik gibt aufgrund zu hoher Preise? Oder ist der durch die EZB befeuerte Drang hin zu Immobilien und Aktien einfach zu groß, und diese Hausse (oder auch Manie?) geht noch einige Zeit weiter? Hier einige Detailaussagen von F+B zu den Neuvertragsmieten:

Im Gegensatz dazu stagnierten die Neuvertragsmieten im Vergleich der Quartale Q4/2019 zu Q3/2019 erneut bei 0,0 %. Damit setzt sich der von F+B seit dem ersten Quartal 2019 berichtete Trend von leicht sinkenden, maximal aber stagnierenden Angebotsmieten weiter fort! Im Jahresvergleich mit dem 4. Quartal 2018 gehen die Angebotsmieten nun sogar leicht um -0,3 % zurück, mit sichtbarer Tendenz nach unten. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau legt eine ähnliche Interpretation für eine sich verfestigende Marktberuhigung nahe. So sind im Vergleich zum Vorquartal in 23 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten gesunken (im Vergleich der Quartale Q3/2019 zu Q2/2019 betraf dies erst 15 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2018 gab es reale Mietpreisrückgänge in elf der teuersten 50 Städte. „Das kann man als Effekt verringerter Ertragserwartungen der Eigentümer bei der Neuvermietung, aber sicher auch als Ankündigungseffekt der geplanten Verschärfung der Mietpreisbremse interpretieren“, kommentierte der Immobilienexperte.

Charts für Preisentwicklungen bei Immobilien

Hier noch ein sehr interessanter Kommentar aus der aktuellen F+B-Veröffentlichung:

Der F+B-Chef meint hier einen „Herdeneffekt“ zu erkennen, der aus der wirtschaftshistorischen Erfahrung heraus für die Nachzügler häufig nicht gut ausgeht. „Betrachtet man die letzten 25 Jahre, sind in der Immobilienwirtschaft immer wieder verzögerte Reaktionen deutscher Investoren auf internationale Kapitalmarkttrends zu beobachten gewesen“, so der Wohnungsexperte. Zu Beginn und in der Hochphase des Verkaufs öffentlicher und Werkswohnungsbestände zwischen 1998 und 2005 waren fast ausschließlich anglo-amerikanische Fonds engagiert, die dann später enorme Gewinne realisieren konnten. Deutsche Anleger und Wohnungs-Fonds stießen erst relativ spät und dann auf einem schon hohen Preisniveau dazu. „Besonders prozyklisch agiert hier die öffentliche Hand, die ihre Bestände aus heutiger Sicht zu Spottpreisen verkaufte, um diese nun mit enormen Aufschlägen z. T. wieder zurückzukaufen – teilweise auf einem Preisniveau, auf dem private Kaufinteressenten längst ausgestiegen sind“, kommentierte der Marktforscher.

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