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Finanzsystem im Krisen-Modus? Ein Blick auf die BaFin-Webseite genügt

Claudio Kummerfeld

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am

Finanzsystem im Krisen-Modus? Frankfurter Skyline

Was schwirrt heute durch die Medienlandschaft? Der oberste deutsche Versicherungsaufseher von BaFin Frank Grund gibt öffentlich zu bedenken, dass ihm die Lage der Pensionskassen Sorge bereite. Sie seien von der anhaltenden Niedrigzinsphase noch stärker betroffen als die Lebensversicherer. Einige Pensionskassen würden durch die dahinter stehenden Arbeitgeber erhebliche Unterstützung benötigen. Denn keine Zinserträge mehr bedeutet, dass laufende Ausgaben für die jetzigen Betriebsrenter immer schwieriger zu bezahlen sind. 31 der 135 deutschen Pensionskassen seien unter intensivierter Aufsicht, weil unklar ist, ob sie noch frisches Geld von ihren Trägern erhalten. Mehr als problematisch ist diese Frage bei Trägern (also Arbeitgebern), die gar nicht mehr existieren!?! Pensionskassen sind ein Teil, wenn auch nicht der wichtigste im Finanzsystem.

Aber die Sache mit den Betriebsrenten jetzt nur mal zum Aufwärmen. Wer einfach mal auf die Webseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dem zentralen Finanzmarktregulierer für Deutschland, schaut, dem wird klar: Die Aufseher sind für das Finanzsystem bereits im Krisen-Modus. Schon die Themen, die auf der Hauptseite der BaFin dargestellt werden, verraten die aktuellen Probleme im Finanzsystem. Viele Veröffentlichungen, die auf der Hauptseite präsentiert werden, stammen von Mitte Dezember. Dass sie aber mehr als wichtig sind, sieht man daran, dass sie auch jetzt noch zu Anfang 2020 die wichtigsten Themen sind, die exponiert dargestellt werden.

Versicherungen

Da wäre zum Beispiel die Veröffentlichung der BaFin mit dem viel sagenden Fragetitel „Erkennen Versicherer ihre Risiken frühzeitig?“ Eigentlich müsste oder sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass Versicherungen, die wegen fehlender Zinseinnahmen drohen in eine ernsthafte Schieflage zu geraten, sich darüber ernsthafte Gedanken machen. Aber offenbar ist es seitens der BaFin notwendig, dass man die Branche darauf nochmal hinweisen muss? So schreibt die BaFin zum Beispiel Zitat:

Versicherungsgesellschaften müssen früh genug feststellen können, ob sich ihre finanzielle Lage verschlechtert hat. Dafür müssen sie eigens geeignete Verfahren einrichten. Die BaFin sieht da noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wenn sich die finanzielle Lage eines Versicherers so stark verschlechtert, dass dies die Erfüllbarkeit seiner Vertragsverpflichtungen oder seine Zahlungsfähigkeit gefährden könnte, muss er die BaFin so früh davon unterrichten, dass Gegenmaßnahmen noch etwas bewirken können. So verlangt es § 132 Versicherungsaufsichtsgesetz.

Eigentlich doch eine nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit?

Banken abwickeln

Auch hat man sich jüngst damit beschäftigt, wie mittelgroße Banken im Falle ihres Zusammenbruchs möglichst problemlos abgewickelt werden können. Wir zitieren die BaFin auszugsweise:

Bei der zweiten Abwicklungskonferenz der BaFin in Frankfurt stellt Dr. Thorsten Pötzsch klar, dass auch große Institute abgewickelt werden können. Für mittelgroße Institute unterstützt er die Idee eines „Abwicklungsregimes light“.

Die teilnehmenden Spezialisten aus der Industrie, der Europäischen Zentralbank und der BaFin gingen insbesondere der Frage nach, inwieweit die umfangreichen Dokumentationspflichten der Institute zielorientiert sind. Dabei waren sich die Experten einig, dass die Sanierungs- und Abwicklungsplanung vorangetrieben werden müssen, um die praktische Umsetzbarkeit der in den Plänen vorgesehenen Handlungsoptionen der Institute und Behörden herzustellen.

Betriebliche Altersvorsorge

Und wo wir am Anfang dieses Artikels bereits bei den Betriebspensionskassen waren, so kehren wir am Ende wieder zu dem Thema zurück (wir berichteten bereits am 18. Dezember). Denn sie sind auch eines der Hauptthemen auf der Front-Seite der BaFin. Was hierzulande schon befürchtet und vermutet wird, ist auf europäischer Ebene auch offiziell festgestellt worden. Immer wieder sieht man, dass die Abschaffung der Zinsen durch die EZB das zentrale Problem darstellen, für Banken wie auch Versicherungen und Pensionskassen. Zitat von der BaFin auszugsweise:

Die Kapitalanlagen europäischer Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) reichen teilweise nicht aus, um deren Verpflichtungen zu bedecken. Das ergab der diesjährige europaweite EbAV-Stresstest der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung.

Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, urteilt: „Der EIOPA-Stresstest hat gezeigt, dass Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen Mitgliedstaaten vor erheblichen Herausforderungen stehen, die insbesondere auf das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen sind. Viele EbAV und ihre Trägerunternehmen stellen sich bereits diesen Herausforderungen.“

4 Kommentare

4 Comments

  1. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 2. Januar 2020 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Avatar

    Franz Mlynek

    2. Januar 2020 17:19 at 17:19

    Für mich ist es immer wieder lustig, wie uns die Entscheider auf alle Ebenen, Warnungen zukommen lassen! Sie die es schon seit längerem ändern hätten können, lassen die Karre in den Dreck und dann wird gewarnt. Für mich sind es alles nur lächerliche Figuren!

    • Avatar

      BrettonWood

      2. Januar 2020 18:14 at 18:14

      Ach dann kann man später sagen wir hatten wich ja zeitig gewarnt, die wirklich Verantwortlichen der EZB, BOJ, SNB, FED, wissen ganz genau wo wir stehen und wohin die Reise geht, würden Sie das ehrlich sagen wäre die Reise sofort am Ende angelangt, also wird der Patient solange es geht am Leben gehalten in der Hoffnung man überlebe den Patienten selbts nicht, immer schön die Strasse runter mit der Kanne…wie lange noch ? Wer weiss es schon aber wohin die Reise geht ist völlig klar….wir befinden uns in einem komplett Betrügerischen System, in dennen die Notenbanken die Währungen solange am Leben halten wie möglich, den mit dem Ende der Währungen endet alles, da können auch keine Verpflichtungen mehr erfüllt werden wenn morgen mit Auro bezahlt wird und du Euro kriegst die niemand mehr will iubd nichts mehr Wert sind, alle Verpflichtungen werden dann nicht mehr erfüllt, sonst wären wir ja wieder gleichweit, insofern ist das halt das kleinere Übel, die Exponentailkurve hat die kritische Schwelle erreicht, die Geldmenge hebt daher nun auch alle Boote die nicht zur Kerninflation gehören, dort wird als letztes noch geschaut das diese ja nicht ansteigt desshalb gehört auch nichts dazu was laufend steigt….kompeltt Betrügerisch…ich hoffe man sperrt die Vernatwortliche anschliessend zusammen in Abu Graib ein, ich gehe dann Fotos schiessen

    • Avatar

      globalvoterorg

      2. Januar 2020 19:03 at 19:03

      Die Lächerlichkeit ist Vorwärtsverteidigung! Beschäftigungstherapie in der IllusionsMatrix. Die Autoren sind Opfer und Protagonisten, zugleich, und lügen sich, vornehmlich, selbst, in die „eigene Tasche“! GEHT NICHT!? Doch, denn der Finanztsunamis (QE) hat alle Regeln, der sogenannten VWL, ausgehebelt! Diese ist, ergo, KEINE, exakte Wissenschaft, sondern eine Konvention. Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist der Part der doppelten Buchhaltung, nichts weiter! Ohne jedwede Macht und sooo lange diese Farce studiert und dies, auch, noch, geglaubt zu haben, da, fällt es, natürlich, schwer sein „Dogma“ in den Abfall zu werfen und zuzugeben, daß wir ALLE Fremdbestimmt sind.
      Die Finanzkrake (FED/EZB/BIZ) mit ihrer kriminellen Energie zeigt ihr häßliche Gesicht.
      Wir, Alle, sind, NUR, „Muggel“. Die Zauberer sitzen woanders und schwingen das Zepter der „Virtuellen DiktaturTotal“ Orwell 3.0 ! Orwell 2.0 haben wir schon. Keiner merkt was, bis auch die dt. Oma´s als „FinanzSchweine“ bezeichnet werden!? Wer weiß!? DA, hört die Eigenlüge, das Mittätertum dann, doch, auf! OMA NICHT !!!

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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