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flatexDEGIRO erlebt heute Kursdebakel – zwei Gründe

Der deutsche Onlinebroker flatexDEGIRO erlebt heute ein Kursdebakel. Die Gründe: BaFin-Kritik und runtergeschraubte Erwartungen.

Der deutsche Onlinebroker flatexDEGIRO ist in den letzten Jahren rasant gewachsen, auch durch den Zukauf des Brokers DEGIRO. Nun erlebt das Unternehmen heute ein Desaster in seiner Aktie. Sie verliert heute 28 % an Wert. Dafür gibt es zwei Gründe – einmal die Herabsetzung der Erwartungen, und Ärger mit der BaFin.

flatexDEGIRO schraubt die Erwartungen runter

flatexDEGIRO schrieb am Wochenende in seiner Mitteilung, auszugsweise im Wortlaut: Hohe Inflationsraten, Energiepreise und geopolitische Spannungen wirken sich weiterhin negativ auf die Handelsaktivität von Privatanleger in Europa aus. Trotz erster Anzeichen für eine Aufhellung am Aktienmarktes im Oktober hat der Handel von Privatanlegern insgesamt noch nicht zu den normalen saisonalen Mustern zurückgefunden, die in der Regel zu einer erhöhten Handelsaktivität gegen Ende des Jahres führen. Die positiven Marktbewegungen haben jedoch zu einem deutlichen Anstieg des bei flatexDEGIRO verwahrten Kundenvermögens geführt, das seit Ende September 2022 um über 4 Milliarden Euro auf aktuell rund 42 Milliarden Euro gestiegen ist. Vor diesem Hintergrund erwartet flatexDEGIRO für das Gesamtjahr 2022 Umsatzerlöse in Höhe von ca. 380 Mio. Euro (+/- 2 Prozent) bei einer Adj. EBITDA-Marge von ca. 37 Prozent (+/- 1 Prozentpunkt). Dazu muss man wissen: Bisher lagen die Erwartungen beim Umsatz bei 400-440 Millionen Euro, und für die EBITDA-Marge waren es 42,4 %.

BaFin-Ärger

Ebenso wie die Gewinnwarnung ist auch Ärger mit der BaFin ein Desaster für die Außendarstellung des Brokers in Sachen Seriosität. Dazu schreibt flatexDEGIRO im Wortlaut: Mit der Übernahme von DEGIRO und dem beschleunigten organischen Wachstum hat sich flatexDEGIRO von einem deutsch-österreichischen Nischenanbieter zum europaweit führenden OnlineBrokerage-Unternehmen entwickelt. Von 2019 bis 2021 hat sich die Zahl der abgewickelten Transaktionen von 12 Millionen auf 91 Millionen mehr als versiebenfacht, während sich das verwahrte Kundenvermögen von 14,5 Milliarden Euro auf über 40 Milliarden Euro fast verdreifacht hat. Bis Ende September 2022 sind die Kundenaccounts um über 500 Prozent von 390.000 im Jahr 2019 auf 2,4 Millionen gewachsen. Aufgrund dieses transformativen Wachstums betrachtet die deutsche Aufsichtsbehörde flatexDEGIRO nicht mehr als „kleines und nicht-komplexes“ Institut, was zu erhöhten regulatorischen Anforderungen für die Gruppe führt, begleitet von einem allgemein höheren Aufsichtsniveau.

Im Jahr 2022 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei flatexDEGIRO eine Sonderprüfung gemäß § 44 Kreditwesengesetz (KWG) durchgeführt und dabei Mängel in einigen Geschäftspraktiken und der Unternehmensführung festgestellt; der Prüfungsbericht wurde im November 2022 vorgelegt. Als Ergebnis der Prüfung wird die BaFin flatexDEGIRO unter anderem auferlegen, eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sicherzustellen und hat vorübergehende zusätzliche Eigenmittelanforderungen angeordnet.

flatexDEGIRO hat umgehend verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens zu erfüllen und wird weiterhin eng mit der BaFin zusammenarbeiten. Auf Vorstandsebene wurde ein konzernweites Regulierungsprogramm aufgesetzt und erste Maßnahmen umgesetzt, darunter die Ernennung von Dr. Matthias Heinrich zum neuen Chief Risk Officer der flatexDEGIRO Bank AG sowie organisatorische Veränderungen in der Leitung der Abteilungen Interne Kontrollen, Risikomanagement und Meldewesen.

Darüber hinaus haben Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, die flatexDEGIRO Bank AG mit weiteren 50 Millionen Euro aus eigenen Mitteln zu kapitalisieren. Mit dem aktuellen CET1 der flatexDEGIRO Gruppe von ca. 180 Millionen Euro und dem vollständig zu thesaurierenden Jahresüberschuss 2022 sieht das Management alle zukünftigen Wachstumsanstrengungen ausreichend finanziert, mit soliden regulatorischen Eigenmitteln und ohne der Notwendigkeit von Kapitalmaßnahmen.

Blick auf die Aktie

Das Kurs-Debakel läuft bereits seit Sommer 2021, wo die Aktie noch über 29 Euro notierte – heute bei 7,35 Euro, seitdem ein Verlust von 74 %. Wer damals im Höhepunkt der Euphorie auf eine Brokeraktie wie diese setzte, hat maximal ins Klo gegriffen. Aber natürlich ist das die bequeme Sichtweise von heute, denn jetzt weiß man es ja besser. Im Chart sehen wir seit Januar 2020 die Kursentwicklung der Aktie von flatexDEGIRO als blaue Linie. Der Dax als türkise Linie hat sich hingegen viel besser entwickelt. Relativ parallel zum Kursverlauf der Aktie sehen wir die Entwicklung des Bitcoin als orange Linie. Was sagt uns das? In der Intensität, wie die Zockerei in hochspekulativen Assets an den Börsen in den letzten Monaten nachließ, verschlechterten sich auch die Aussichten für Onlinebroker. Logisch – je weniger gezockt wird, desto weniger verdienen die Broker.

Kursentwicklung bei flatexDEGIRO im Vergleich zu Dax und Bitcoin Chart: TradingView



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