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20 Euro Ballermann – Warum die Flugpreise deutlich steigen müssen

Die Flugpreise müssen flächendeckend steigen. So könnte die strukturelle Personalkrise bei Airlines und Flughäfen bekämpft werden.

Flugzeuge an einem Flughafen

Man hat sich als Konsument im Lauf der letzten 20 Jahre nach und nach daran gewöhnt, vorher aber war das kaum vorstellbar. Mal eben für 20 Euro zum Ballermann fliegen. Da ist die Taxifahrt zum Flughafen schon teurer. Billigairlines wie Ryanair und easyjet haben die ganze Industrie vor Jahren unter Druck gesetzt, und eine Abwärtsspirale ausgelöst. Und diese Abwärtsspirale hat alles mit runter gezogen. Die Coronakrise war nun der Auslöser, der dieses Geschäftsmodell mit einem großen Ruck ins unausweichliche Desaster geführt hat. Wer dieser Tage fliegt, der sieht es: Stundenlanges Warten an Flughäfen, massenweise kommen Koffer nicht in den Flügen mit usw. Vor Kurzem musste die Lufthansa für Juli 900 Flüge streichen. Auch easyjet streicht gerade tausende Flüge. Nun hilft nur noch eines: Die Flugpreise müssen (eigentlich) deutlich steigen!

Warum die Flugpreise drastisch steigen müssen

Es ist der freie Markt. Jahrelang haben die Airlines die Preise diktiert. Sinnbildlich gesprochen: „Seit ihr (die Flughafenbetreiber) mit euren Gebühren nicht günstig genug, streichen wir als Airlines die Route über euren Flughafen, und fliegen zukünftig eben über kleine Regionalflughäfen“. Daraufhin mussten sich die Airports reihenweise anpassen. Die Flughäfen betrieben Outsourcing. Sicherheitskontrollen, Gepäckabfertigung etc gingen an private Dienstleister, die dem Flughafen das „Produkt“ (also Dienstleistung) zu möglichst niedrigen Kosten anzubieten hatten. Die Folge: Miese Löhne für die Mitarbeiter.

In der Coronakrise, wo ganze Flughafenbelegschaften arbeitslos oder auf Kurzarbeit waren, haben scharenweise Mitarbeiter mit harten Jobs und mieser Bezahlung die Zeit gehabt mal in Ruhe nachzudenken. Und auf einmal waren viele Kurzarbeiter weg, und kamen nicht mehr zurück. Man fand vielfach andere und bessere Jobs. Jetzt wo die Reisetätigkeit nach Corona wieder explodiert, ist das Desaster perfekt. Man will als Passagier, der sich an billige Flugpreise gewöhnt hat, natürlich dennoch den perfekten Service.

Aber das geht eben nicht. Zusätzlich zum großem Demografiewandel kam nun durch Corona noch die große Personalabwanderung hinzu. Und wie zahlreiche Berichte von Flughäfen überall in Europa zeigen: Zum Beispiel bei der Gepäckabfertigung – einem Knochenjob – bekommt man zwar neues Personal – das ist aber nach einem Tag Arbeit in vielen Fällen schon wieder weg. Für Gehälter von unter 2.000 Euro netto findet man in zahlreichen Dienstleistungsberufen nun mal leichtere Jobs mit viel besseren Arbeitszeiten.

Die marktwirtschaftliche Lösung lautet: Die Gehälter in vielen Bereichen an den Flughäfen müssen deutlich steigen! Dann wird man auch plötzlich wieder Personal finden, das die Knochenjobs macht! Aber genau von dieser Maßnahmen hört man derzeit wenig. Man hört immer nur von den Engpässen, und dass die Flugreisenden bitte 3 Stunden vor Abflug erscheinen sollen. Denn auch bei der Sicherheitskontrolle scheinen die Gehälter so mies zu sein, dass sich dort kaum noch neues Personal finden lässt.

Die sozialen Medien sind dieser Tage voll davon. Egal ob Amsterdam (dort soll die Lage besonders schlimm sein), London, Frankfurt, Hamburg – man könnte die Liste endlos fortsetzen. Flüge fallen aus, Kofferberge türmen sich, Schlangen für die Sicherheitskontrollen reichen oft sogar weit raus auf die Straßen vor den Flughäfen. Viele Passagiere verpassen ihre Flüge, auch wenn sie mehrere Stunden vor Abflug am Flughafen ankommen. Egal welcher Flughafen oder welches Land. Dieses aktuelle Chaos gibt es europaweit. Will diese Jobs einfach niemand mehr machen für diese Löhne, muss es eine marktwirtschaftliche Anpassung geben. Der Arbeitgeber muss die Löhne deutlich anheben! Das bedeutet aber auch: Die Kosten am Flughafen, die ja an die Airlines weitergereicht werden, müssen auf die Flugpreise aufgeschlagen werden. Man muss dann eben den Airlines sagen: Akzeptiert ihr keine höheren Flughafenpreise, dann geht eben zu anderen Airports. Auch müssen die Airlines bei ihrem eigenen Boden- und Kabinenpersonal endlich mal sagen: Die Hungerlöhne müssen ein Ende haben – die Gehälter müssen steigen, und damit letztlich auch die Flugpreise.

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Die Passagiere müssten die steigenden Flugpreise dann akzeptieren. Aber so wie es aktuell aussieht, versucht man bei Airlines und Flughäfen irgendwie das aktuell vorhandene totale Chaos nur zu verwalten, und hofft auf bessere Zeiten. Das wird aber auf Dauer nicht funktionieren. Wie gesagt: Zur großen Personal-Abwanderungswelle dank Corona kommt nun noch mit voller Wucht der Demografiewandel dazu – immer weniger junge Menschen kommen in den Arbeitsmarkt dazu, während gleichzeitig immer mehr alte Menschen in Rente gehen. By the way… die Flugbranche ist ein gutes Beispiel dafür, was in Sachen Inflation in der gesamten Volkswirtschaft auf uns zukommen könnte. Um Personal zu finden, müssten überall attraktivere Gehälter angeboten werden. Diese höheren Kosten müssten Arbeitgeber über steigende Preise für ihre Kunden wieder reinholen. Die Lohn-Preis-Spirale ist da, die Inflation wird weiter angeheizt. Dies wird keine Eintagsfliege sein, sondern ein anhaltendes Phänomen, und zwar europaweit.

Hier ein Beispiel aus Frankfurt: 12,46 Euro Stundenlohn für Flugzeugabfertiger auf dem Rollfeld. Dass man für den harten Job bei dem Lohn kaum Personal findet, sollte jedem klar sein. Doch über massive Lohnsteigerungen an Flughäfen redet derzeit niemand. Es ist kurios. Alle reden über das Problem, aber nicht über die beste und offensichtlichste Problemlösungsmaßnahme! Und die Flugreisenden? Wer wirklich nach Mallorca will, der sollte auch bereit sein statt 20 Euro 50 oder 80 Euro für einen Flug auszugeben.

Hier Beispiele über das Chaos an Flughäfen in Amsterdam und London:



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3 Kommentare

  1. Die größte Legitimation für den Luftverkehr sollte die Reisezeit bleiben. Drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein zu müssen, ist somit inakzeptabel. Die Luftverkehrspolitik sollte Flottenerneuerung und die Beimischung von synthetischen Kraftstoffen/Biokraftstoffen zu Kerosin aus fossilem Erdöl im Rahmen der Staffelung der Luftverkehrssteuer berücksichtigen. Die jetzige Lufthansa-Konzernführung räumt den touristischen Flügen einen höheren Stellenwert als den Geschäftsfliegern ein. Die Lufthansa-Lounges an den Flughäfen werden vernachlässigt. Dies gilt auch für die Bordverpflegung, selbst in den Premiumklassen Business-Class und First-Class. Ein Geschäftsflieger sollte komfortabel fliegen können, im sich am Zielflughafen umgehend seinen Terminen widmen zu können.

    1. @Holger Voss
      Als demokratisch zur Kenntnis genommen und von meiner Seite voll unterstützt.
      Mit ein paar wenigen kleinen Ergänzungen: Flüge sollten analog zur extrem klimaschädigenden Wirkung mindestens fünf mal so teuer werden. Premiumklassen je nach ihrer privilegierten Position auf der Prioritätenskala zehn bis zwanzig mal so teuer.
      Die Lufthansa-Lounges sind entsprechend wieder zu Wellness-Oasen mit Escortservice zurückzuwandeln.
      Bordverpflegung durch Heston Blumenthals Drei-Michel-Sterne-Restaurant „The Fat Duck“ muss Standard werden. Zumindest in der First Class, der Krönung aller Flugerlebnisse. Ein absoluter Profi übrigens, bekannt für exquisite Verpflegung beim Aufenthalt in großen Höhen und bei hohen Geschwindigkeiten.
      Bleibt zu hoffen, dass der wichtige Geschäftsflieger bei all den Annehmlichkeiten nicht seine Termine vergisst.

  2. Antwort und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

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