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Aktien

Fondsmanager-Umfrage: Man schaut verstärkt nach Europa

Wolfgang Müller

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Wieder einmal liegt die monatliche Umfrage der Bank of Amerika vor. Und einmal mehr bekräftigen die Fondsmanager, ihr Engagement in Europa ausbauen zu wollen. Nicht ganz uninteressant für die hiesigen Märkte, schließlich bewegen diese Manager Fonds in einem Volumen von 607 Milliarden Dollar.

Der Vergleich US-Aktien und europäische Titel

Laut der neuesten Studie von Bank of Amerika sind 17 Prozent der befragten Fondsmanager in europäischen Aktien übergewichtet, ein deutlicher Anstieg gegenüber der letzten Umfrage mit 7 Prozent. Tatsächlich betrug die Performance des europäischen Parameters, des Stoxx Europe 600, seit Anfang Juni 4,5 Prozent, während es bis zum Zeitpunkt der Umfrage beim S&P 500 gerade mal drei Prozent gewesen sind. Dass dies kein Einmaleffekt gewesen sein könnte, zeigt auch die Absicht der 210 befragten Manager, von denen 20 Prozent angaben, auch in den kommenden 12 Monaten der Europaanteil in den entsprechenden Fonds ausbauen zu wollen. Auf Sicht von dreieinhalb Monaten, also seit die Aktienmärkte aus ihrem Coronatief starteten, liegt der US-Leitindex mit über 40 Prozent noch klar vor seinem europäischen Pendants mit 33 Prozent. Insgesamt betrachtet stehen die US-Aktien mit 21 Prozent Übergewichtung bei den Geldverwaltern gegenüber der Benchmark noch vorne, hinter Europa liegen die Emerging Markets mit 15 Prozent an dritter Stelle. Das bedeutet in der Summe noch eine Übergewichtung des Aktienanteils um fünf Prozent.

Der Vergleich in einem längeren Zeitraum

Das letzte Jahrzehnt war eindeutig die Dekade der US-Titel (gegenüber Europa) und dies aus mehreren Gründen. Die Gewinne der Unternehmen pro Aktie waren seit der Finanzkrise in den USA um 87 Prozent gestiegen, in Europa nur um zwei Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die wachsende Regulierung von Finanzdienstleistern, Versorgern und Telekommunikationskonzernen in Europa, die 30 Prozent im Stoxx 600 ausmachen. Dann die Ertragskraft der großen US-Tech-Unternehmen, die Steuerreform von Präsident Trump im Jahre 2017 und natürlich die gigantischen Aktienrückkäufe (wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen) in den USA in Billionenhöhe (> 5 Bio.$). Auf der Sicht von 10 Jahren ergeben sich hierdurch eklatante Unterschiefe in der Aktien-Performance: Stoxx 600 plus 145 Prozent – S&P 500 plus 292 Prozent. Damit sehen die befragten Manager ein Aufholpotenzial für europäische Aktien, nicht zuletzt, da die USA die Coronakrise „grauenhaft“ managen, so der Europachef von BlackRock, Martin Lück.

Wie sind die allgemeine Einschätzungen der Fondsmanager?

  • Die Fondsmanager bleiben vorsichtig, da sie große Befürchtungen einer zweiten Welle von Covid-19 haben. 71 Prozent halten die
  • Aktienmärkte für überbewertet, etwas weniger als noch im Juni, aber dennoch auf Rekordniveau.
  • Der Bull&Bear-Index von BofA liegt bei 2,9, Euphorie beginnt erst über 8.
  • Die Cashquote ist im letzten Monat von 4,7 auf 4,9 Prozent gestiegen.
  • Während 72% der Befragten ein stärkeres globales Wachstum (2021) erwarten, glaubt die Mehrheit, dass die Erholung nicht „V-förmig“ sein wird. Aktuell sind es 14 Prozent der Befragten, von 18 Prozent im Vormonat kommend.
  • Die „U-förmige“ Erholung wird weiterhin am wahrscheinlichsten gesehen (44 Prozent, nach 43 Prozent im Vormonat), aber mit einem W-förmigen“ Verkauf rechnen mittlerweile 30 Prozent (vorher 21%).
  • Was die Währung betrifft: Mittlerweile glauben 42 Prozent, dass der Euro aufwerten wird, verglichen mit 30 Prozent im Juni.

Etwas seltsam liest es sich, dass trotz der Skepsis gegenüber den überbewerteten Märkten (74 % sprechen von most overcrowded markets) die Fondsmanager ihre Positionierung in US-Healthcare und US-Tech erhöht, aber gleichzeitig die Gewichtung von Value und Banken weiter gesenkt haben. Wenn es zu einer zu einer von mir angedeuteten Rotation (siehe Banken-Berichtssaison) mit Gewinnmitnahmen bei den heiß gelaufenen Tech-Werte kommen sollte, ja dann müsste sich einiges in den Depots tun.

Fazit

Die Fund Manager bleiben laut der Umfrage der BofA vorsichtig, da die Befürchtungen wegen der zweiten Coronawelle zunehmen und auch schon das Wahlthema in den Fokus rückt. War (und ist) das ein Grund für die insgesamt steigenden Notierungen – die Wall of Worry? Skepsis über die weitere Konjunkturentwicklung, steigende Cashquoten und eine Underperformance gegenüber der Benchmark (S&P 500 respektive dem SPDR), das sind die Zutaten für diese meistgehassteste Rally seit Langem. Die vielen Kleinanleger (Robinhooder) und viele Nasdaq-Investoren mögen euphorisch sein in der jetzigen Phase des Aktienanstiegs – die Fondsmanager der großen Häuser sind es nicht. Jedenfalls wenn es nach ihren Aussagen bei der aktuellen Umfrage geht. Die hohe Cashquote und der Performancedruck gegenüber den „Passiven“, vielleicht ein Grund für die vielen kleinen Aufwärtsbewegungen der jüngeren Zeit – als kleine „Pain Trades“?

Frankfurter Börse - Fondsmanager schielen verstärkt nach Europa
Außenansicht der Frankfurter Börse. Foto: Mylius GFDL 1.2

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Aktien

Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

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Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Bullen, Bären und fliegende Schweine

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ab morgen startet das verlängerte Thanksgiving-Wochenende in den USA. Die gut laufenden Kurse im November sind im Fokus seiner heutigen Berichterstattung.

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