Die wichtigsten Eckpunkte
- Zehnjährige Anleiherendite für Frankreich liegt 1,27 Prozentpunkte über der für Deutschland.
- Sogar Griechenland und Italien zahlen weniger Zinsen für ihre Staatsanleihen.
- Alarmsignal der Märkte für Haushaltsprobleme in Paris.
Wer dem französischen Staat heute für zehn Jahre Geld leicht, kassiert 4,87 % Rendite. Wer Deutschland Geld leiht, erhält „nur“ 3,60 %. Mit aktuell 4,49 % zahlt sogar Griechenland derzeit weniger Rendite als Paris, auch Italien liegt mit 4,66 % tiefer! Die Anleiherenditen sind weltweit im Auftrieb. Die Gründe ganz kurz zusammengefasst: Hohe Inflation durch Iran-Krieg, große Konkurrenz durch KI-Anleihen, massive Neuverschuldungen von Regierungen. Diese Faktoren treiben die Renditen nach oben. Damit wird die Schuldenaufnahme für Regierungen, aber auch für Unternehmen und Verbraucher immer teurer.
Frankreich-Anleiherendite 1,27 Prozentpunkte über Deutschland
Frankreich ist ein Sonderfall. Deutschland ist nicht nur weltweit in Sachen Bonität sehr hoch angesehen, sondern gilt in Europa sozusagen als Referenzmarkt in Sachen finanzieller Seriosität und Bonität. Auch wenn der Bund gerade dabei ist durch massive Neuverschuldung viel von diesem Bonus zu verspielen – noch ist das Verschuldungsniveau in Relation zu vielen anderen Ländern eher gering. Der Renditeaufschlag für Frankreich in Relation zu Deutschland liegt jetzt bei 1,27 Prozentpunkten, das ist enorm – der höchste Aufschlag seit 14 Jahren! Der Chart zeigt seit dem Jahr 2023 in rot die französische Rendite, in blau die deutsche. Man sieht vor allem zuletzt den massiven Zuwachs des Renditeaufschlags. Zum Jahresanfang waren es nur 0,6 Prozentpunkte Aufschlag, 2023 teils nur 0,5 Prozentpunkte.
Diese Ausweitung des Renditeaufschlags bedeutet: Der Anleihemarkt sendet ein klares Signal nach Frankreich. Auch wenn niemand davon ausgeht, dass der französische Staat demnächst pleite sein wird, sendet man ein Alarmsignal. Desolate Haushaltsführung, immer mehr Neuverschuldung. Und ein Ausblick auf die führende Politik, die immer so weiter macht. Und wenn dieser Aufschlag wächst, soll das für Frankreich im negativen Sinne schon was heißen. Denn in Deutschland explodiert die Neuverschuldung ja auch durch Aufrüstung, Sondervermögen und immer höhere Ausgaben im Kernhaushalt.
Französische Politik im Fokus
Gestern wurde in Frankreich die September-Inflation gemeldet mit 3,4 % nach 2,6 % im August. In Deutschland ist es ein Anstieg von 2,9 % auf 3,3 %. Dieser Inflationszuwachs hat die Anleihemärkte für Frankreich mehr in Aufruhr versetzt als für Deutschland. Aber wichtiger ist aktuell die politische Lage in Frankreich, die noch weitaus komplizierter ist als in Deutschland. Man reagiert mit einer wackligen Minderheitsregierung. Und bei den Präsidentschaftswahlen für nächstes Jahr zeichnet sich immer klarer ab, dass sich zwei Kandidaten von beiden extremen politischen Lagern gegenüber stehen werden. Und beide dürften in Sachen Ausgabenpolitik so einige Versprechen für ihre Wähler umsetzen und daher wenig Augenmerk auf solides Haushalten legen wollen.
Das bedeutet eine Aussicht auf eine weiter steigende Neuverschuldung für den französischen Staatshaushalt, was die Anleiherendite schon jetzt weiter nach oben treibt. Es ist ein Kreislauf: Höhere Renditen machen die Neuverschuldung noch teurer, weswegen man noch mehr Geld aufnehmen muss, um die immer höhere Zinslast zu finanzieren. Das Haushaltsdefizit in Paris wird wohl auf 5,4 % ansteigen, obwohl 5,1 % von der Regierung als Ziel ausgegeben worden war. Heute legt die Regierung ihren letzten Haushaltsplan vor den Wahlen im nächsten Jahr vor, wo man versuchen will das Defizit für 2027 wieder auf 5,0 % zu senken. Aber ob man darauf eine Wette abschließen sollte?
Kommentar
Es ist überall in westlichen Industrienationen der selbe Trend: Massive Neuverschuldung. Regierungen geben viel zu viel Geld aus für alles mögliche, und konzentrieren sich nicht auf ihre Kernaufgaben. Die Schulden und die Neuverschuldungen explodieren, und damit auch die Zinslasten. Allein in Deutschland soll sich die Zinslast auf die Bundesschuld bis 2030 auf 80 Milliarden Euro verdoppeln, so bestätigt es die Bundesregierung. Die Anleiherendite zeigt, dass der Markt Frankreich derzeit als finanzpolitisch instabilsten und größten „Sünder“ in der EU ansieht. Sonst hätten Griechenland und Italien nicht geringere Renditen!
Die Schuldenlast in Relation zur Wirtschaftsleistung (BIP) liegt in Deutschland bei 63,5 %, dürfte aber dank massiver Neuverschuldung steigen. Aber noch steht man deutlich besser da als andere. Frankreich liegt bei 119 % bei den Schulden in Relation zum BIP. Deswegen ist schon die Ausgangslage für Paris deutlich schlechter. Die Anleiherendite ist der Gradmesser, der Alarm schlägt. Die Botschaft: Haushaltet endlich solide, sonst verlangen wir Anleger immer mehr Risikoaufschlag, wenn wir euch Geld leihen sollen. Aber man darf davon ausgehen: Die sich abzeichnende Extreme in die eine oder andere Richtung wird das Problem weiter verschärfen.
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In Frankreich wählen die Jungen die Linkspopulisten und die Älteren die Rechtspopulisten. Eine Mitte gibt es nicht mehr. Übrigens, die Linken dort haben ein ähnliches Wahlprogramm wie bei uns die Linkspartei in Berlin und die Linken in NewYork. Und in allen drei Fällen sind es die eingebürgerten Migranten, die sich davon besonders angesprochen fühlen.
Wenn jemand wissen will warum die islamische Welt zu den ärmsten Regionen der Welt gehört – hier kann man sehen warum.
tja, Union und SPD betreiben die Einwanderung und die Linkspartei profitiert davon. Aber man hat nichts falsch gemacht. Im Gegenteil, man hängt sich gegenseitig Orden um.
Die „Rettung“ von Frankreic wird der nächste Brocken sein, den Deutschland zum größten Teil zu stemmen hat.
Zumindestens soweit, dass die Dose noch weiter….
Mal sehen, ob es ohne ein weiteres Sondervermögen für Deutschland, nur durch Verschiebung der Schulden in die Zukunft, hinzugekommen ist.
Es wird spannend.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Ja wo ist denn die Madame? Die Notre-Dame sollte jetzt mal schleunigst was sagen.
Ganz wurscht was, einfach irgend was. Zum Beispiel „What ever it takes“ oder so…
Von mir aus auch auf französisch, oba anfoch amol redn.