Folgen Sie uns
Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Allgemein

Frankreich-Defizit wird auf 3,5% steigen – obwohl Brüssel Italien 2,4% nicht erlaubt

Veröffentlicht

am

Frankreich hat ein Problem. Aber halt. Wir erinnern uns. Die EU-Kommission hatte gerade erst Italiens Haushaltsentwurf mit 2,4% Neuverschuldung in Relation zum BIP zurückgewiesen, obwohl bis zu 3,0% erlaubt sind. Das Land müsse von seiner hohen Schuldenlast runterkommen. Nun geht es darum einen Kompromiss zu finden, so dass Rom und Brüssel das Gesicht wahren können. Also werden es vielleicht 2,0% werden?

Also: 2,4% sind für Italien zu viel neue Schulden, und 3,0% sind eh das maximal Erlaubte laut Maastricht-Regeln. Das dürfte ein Problem für Frankreich werden. Die „Gelbwesten“ haben in den letzten Wochen Präsident Macron extrem unter Druck gesetzt. Irgendwas musste er machen um die Massen auf den Straßen zumindest etwas zu besänftigen.

So hat er nun verkündet: Es wird einige kleine Verbesserungen geben. Zum Beispiel wird der Mindestlohn statt um 20 jetzt um 100 Euro erhöht. Arbeitgeber und Ökonomen in Frankreich warnen schon jetzt, dass der sehr hohe Mindestlohn für die Volkswirtschaft ein Problem sei – aber egal, lassen wir das Thema bei Seite. Denn der Mindestlohn belastet zunächst einmal die Arbeitgeber, und nicht den Staat.

Auf Überstunden sollen Steuern und Sozialabgaben komplett entfallen. Auch eine Sozialsteuer auf Renten wird wieder rückgängig gemacht. Insgesamt, so schätzen es französische Fachmedien aktuell, wird der französische Staat 10 oder 11 Milliarden Euro weniger im Jahr einnehmen. Und man bedenke: Präsident Macron hatte für 2019 bereits eine Defizit-Prognose von 2,8% nach Brüssel gemeldet – die lag also schon höher als die der neuen italienischen Regierung.

Und dennoch bekam nur Rom die gelbe Karte, aber nicht Paris. Und jetzt? Nach bisheriger Annahme von 2,8% berechnet zum Beispiel die Zeitung „Les Echos“, dass das Defizit nächstes Jahr bei 3,5% liegen wird, also deutlich über der 3,0%-Schwelle! Ein Regierungsvertreter sprach sogar von möglichen 3,6% Defizit.

Tja, nun hat Frankreich ein Problem, und Brüssel hat ein Problem. Frankreich darf ja gar nicht über 3,0% Defizit steigen, und Brüssel müsste dann ebenso das Budget ablehnen, wie man das mit Rom gemacht hat. Dann müsste Macron irgendwo anders im Haushalt sparen. Massiv bei Rüstungsausgaben kürzen zum Beispiel? Oder staatseigene Betriebe zu Geld machen?

Und Brüssel hat vielleicht das größere Problem. Bleibt Paris einfach stur, wie wollte man dann den Italienern erklären, dass sie keine 2,4% Defizit haben dürfen, Frankreich aber 3,5%? Das ist schon alles ein Riesen-Schlamassel, diese Sache mit den Defizit-Kriterien. Und eines hat man ja noch gar nicht bedacht. Der nächste Konjunkturabschwung dürfte nicht mehr all zu weit entfernt sein. Was dann? Dann dürften wieder mehrere Euro-Staaten an der 3,0%-Schwelle anklopfen.

Frankreich - Macron
Emmanuel Macron. Foto: Foundations World Economic Forum CC BY 2.0 – Ausschnitt aus Originalfoto

13 Kommentare

13 Comments

  1. Christoph

    11. Dezember 2018 16:19 at 16:19

    Raus aus dem Euro und alle sind glücklich…keine Defizit-Regeln, kein Streit, Zeit für die wirklich wichtigen Dinge in Europa! So viele Sitzungsstunden, wie zum Thema Griechenland auf höchster Ebene abgehalten wurden, hätten im Bereich Umwelt, Migration, Bildung und Zukunftstechnologien deutlich mehr Nutzen gebracht! Jetzt wird diese teure Zeit für Italien und Frankreichs Defizite vergeudet… und die Aussichten auf Änderung sind schlecht.

  2. Bittl

    11. Dezember 2018 16:46 at 16:46

    Europas Liebling auf der einen Seite, die bösen Buben auf der anderen Seite, da wird gerne mit zweierlei Mass gemessen.

    • Emil

      14. Dezember 2018 22:57 at 22:57

      Ja genau, die bösen „populistischen“ Buben! Wer Populismus betreibt, betreibt eine Politik die sich an den Interessen seines „Volkes“ (populum), also seiner Wähler orientiert (so wie Lobbyisten die Interessen eine Lobby vertreten). Von allen Seiten wird uns aber erzählt, das sei ganz schlecht. ABer wessen Interessen soll denn Politik in einer Demokratie vertreten, wenn nicht die des Volkes? Wer ein Problem im Populismus hat, der hat offensichtlich auch ein Problem mit Demokratie.

      • leftutti

        15. Dezember 2018 14:43 at 14:43

        @Emil, Ihre bestechende Logik basiert einzig auf der Annahme, dass Populismus etwas sehr Positives, Unpolitisches und vor allem einzig zum Wohle des gesamten (einfachen) Volkes sei. Populisten wären demnach frei von politischen Strömungen und Ansichten (weder links, noch rechts), ihr Handeln und Denken wären einzig auf das Gesamtwohl des einfachen Volkes ausgerichtet, frei von Eigeninteresse, eigenen Machtbetrebungen und eigenen politischen Zwecken.
        Wer Populismus betreibt, betreibt eine Politik die sich an den Interessen seines „Volkes“ (populum), also seiner Wähler orientiert… Wenn nun jemand Populismus betreibt, der die Interessen einer kleinen Minderheit von 10 bis 15% des Wahlvolkes abbildet und dem Wohl und Willen der großen Wählermehrheit entgegenwirkt, orientiert sich lauf Ihrer Definition dennoch an den Interessen seines Volkes?!?

        Es gibt daneben eine weitere, ebenso legitime Definition und Sichtweise von Populismus (laut Duden): Von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen.
        Wer also ein Problem mit Populismus hat, hat offensichtlich kein Problem mit Demokratie.

        • xxx

          15. Dezember 2018 18:53 at 18:53

          @leftutti

          Danke für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen nur zustimmen.
          Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass @Emil mit einer billigen Trickserei versucht, Stimmung zu machen. Er lässt erscheinen, dass „Name“ (hier populum und daraus abgeleitet Populismus) und „Begriff“ bzw. Bedeutungsinhalt eins sind. Dies ist gewiss nicht der Fall, wie Sie mit der von Ihnen genannten Definition, nach welcher Populismus auch in breiten Teilen der politisch interessierten Bevölkerung wahrgenommen und benutzt wird, darlegen.
          Populistische Parteien sind, auch wenn sie das für sich immer wieder behaupten, genauso wenig dem (überwiegenden) Volkwillen zugetan wie sich die CDU überwiegend christlichen Werten verpflichtet fühlt.

      • bademeister

        15. Dezember 2018 20:53 at 20:53

        „Wer Populismus betreibt, betreibt eine Politik die sich an den Interessen seines „Volkes“ (populum), also seiner Wähler orientiert (so wie Lobbyisten die Interessen eine Lobby vertreten).“…also Macron ist ein Populist, vertritt aber sicher nicht die Interessen seiner Wählerschaft, wie man es aktuell aus den Medien erfahren kann..Orban – Populist der ersten früheren Stunde sieht sich aktuell mit steigendem Widerstand aus dem Volk konfrontiert..Kurz in Österreich verliert gerade ordentlich an Wählergunst, und versucht mit „menschlicherem Kuschelkurs“ die Davonlaufenden wieder einzufangen..Trump…
        ..alles astreine Populisten die jetzt bei abflauender Hochkonjunktur zu schwächeln beginnen.

        • xxx

          15. Dezember 2018 23:20 at 23:20

          Ich befürchte, dass linke wie rechte Populisten bei abflauender Hochkonjunktur bzw. bei größeren Wirtschafts- und Finanzkrisen viel eher Gehör finden und zur Hochform auflaufen werden, einfach deshalb, weil sie dann scheinbar einfache, aber unrealistische Lösungen gepaart mit der Lieferung von Sündenböcken anbieten. Welche wirklichen politischen Ziele dahinter stehen, wird dann geschickt verschleiert. Die Geschichte hat es bewiesen.

          „Als opportunistische Strategie betrachtet Hans-Georg Betz populistische Rhetorik, die darauf abgestellt sei, „in der Bevölkerung latent oder offen vorhandene Ressentiments aufzugreifen, zu mobilisieren und emotional aufzuheizen und daraus politisches Kapital zu schlagen“.“ (aus Wikipedia)

  3. Politologe

    11. Dezember 2018 18:28 at 18:28

    Gemäss meiner Information will Macron die Erhöhung des Mindestlohns dem Staat belasten.Der Titel einer Zeitung war heute treffend. FRANK reich gegen FRANK arm.
    Ich konnte nie begreifen, dass Macron als Investmentbanker mit seinem Sanierungsprogramm gewählt wurde.Dass die demonstrationsfreudigen Franzosen Macron gewählt haben war eher weil man Le PEN verhindern wollte.Ich war immer der Meinung, dass er sich die Zähne ausbeissen werde.Um so erstaunlicher, dass er in der EU noch den Ton angeben will, hat er doch sein eigenes Haus überhaupt nicht mehr unter Kontrolle.Er möchte ja auch Arbeitslosenkasse, Armee, Mindestlohn u.s.w.vereuropaisieren, also den Zentralismus der in seinem Land nicht funktioniert noch auf Europa ausdehnen.
    Natürlich würde DE wieder als grösster Zähler auftreten müssen.

  4. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 11.12.2018 | das-bewegt-die-welt.de

  5. Goldsammler

    11. Dezember 2018 18:29 at 18:29

    Das wird im neuen Jahr zweistellig. Zur Beruhigung, es wird alle treffen. Wenn der Abschwung mal Dynamik aufnimmt, wird es richtig Krachen.

  6. Gast

    12. Dezember 2018 10:07 at 10:07

    Alle Länder sind gleich. Nur manche sind gleicher als gleich. Typisch.

  7. Politologe

    12. Dezember 2018 10:18 at 10:18

    Die Franzosen u.die Deutschen waren meines Wissens auch die Ersten, die die EU-Kriterien gebrochen haben. Die vielkritisierten, aber chaosgewohnten Italiener werden sich am Schluss besser durchwursteln als DE u.Frankreich. Die beiden „ Musterschüler“ der EU werden mit der Migration u.der Altersarmut noch horrende Probleme bekommen.

  8. Emil

    14. Dezember 2018 23:09 at 23:09

    Der Artikel erwähnt jedoch nicht, dass das Gesamtdefizit Frankreichs um einiges geringer ist, als das Italiens. Daher kann es durchaus sein, dass 2,4 % für Italien zu viel sind, aber für Frankreich 3,5 % noch tolerabel wären.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Gold fundamental und charttechnisch

Veröffentlicht

am

Von

Von Naeem Aslam, chief market strategist bei ThinkMarkets

Der Goldpreis hat seinen Glanz verloren und wird aufgrund der Stärke des Dollars niedriger gehandelt. Die bisherige Performance des gelben Metalls seit Jahresbeginn war schwach mit nur um 0,31%.

Interessanterweise sehen wir trotz eines gedämpften Interesses an den risikoreicheren Anlagen immer noch keine Aufwärtsbewegung des Goldpreises, und zwar deshalb, weil die Ertragssaison für dieses Quartal starke Ergebnisse geliefert hat. Abgesehen von den US-Einzelhandelsumsätzen waren die Wirtschaftsdaten in den USA robust, und den Anlegern fällt es schwer zu glauben, wie die Fed ihre aktuelle Geldpolitik neutrale beibehalten will.

Auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint wieder auf Kurs zu sein, was einer der Hauptgründe dafür war, dass der Goldpreis zuvor stark gestiegen ist. Wir sind jedoch noch nicht aus dem Schneider, weil chinesische Medien eine härtere Haltung gegenüber den USA signalisiert haben. Erst wenn wir eine noch stärkere Reaktion aus China sehen, dürften die Auswirkungen im Goldpreis sichtbar werden.

Blickt man auf die Preisaktion bei Gold, so scheint es, dass der Preis keine starke Dynamik hat. Dies ist der Grund dafür, dass der Kurs das kritische Niveau von 1300 derzeit nicht überschreiten kann.

Technisch gesehen handelt der Goldpreis unter dem gleitenden 50- und 100-Tagelinie, aber über dem gleitenden 200 Tages-Durchschnitt. Dies bedeutet, dass die Bullen die Kontrolle über den Preis verloren haben, aber es besteht immer noch die Hoffnung, dass sie die Kontrolle zurückerhalten, denn der Preis liegt immer noch über dem großen gleitenden Durchschnitt, dem 200-Tage-SMA. Die kurzfristige Unterstützung liegt bei 1266 und der Widerstand bei 1303.


Naeem Aslam


Foto: Stevebidmead – https://pixabay.com/en/gold-ingots-golden-treasure-513062/ Gemeinfrei

weiterlesen

Allgemein

EZB erklärt, warum man die Inflation bisher nicht ankurbeln konnte

Veröffentlicht

am

Von

Gemäß heute veröffentlichter offizieller Zahlen liegt die Inflationsrate in der Eurozone bei 1,7%. Das EZB-Ziel liegt bei 2,0%. Aber auch wenn es auf den ersten Blick doch ganz gut aussieht: Nur durch einen plötzlichen Sprung bei Dienstleistungspreisen springt auch die Inflationsrate nach oben. Die Kernrate bleibt bei 1,3%. Die EZB erklärte in den letzten Jahren immer wieder sie wolle beide Werte für einen längeren Zeitraum konstant bei 2,0% sehen, bevor man überhaupt nur darüber nachdenke die Zinswende einzuläuten.

Und jetzt steht auch noch der Konjunkturabschwung ins Haus. Da ist es kaum vorstellbar, dass die Notenbanker gerade jetzt die Zinsen anheben, wo die Volkswirtschaften doch billige Zinsen brauchen. Aber kommen wir zur Sache. Seit vier Jahren hat die EZB insgesamt 2,6 Billionen (!) Euros virtuell gedruckt und über Käufe von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in die Kapitalmärkte gepumpt. Dazu noch die Nullzinsen. Damit sollte die wirtschaftliche Aktivität in Europa angekurbelt werden. Indirekt hätte diese Aktivität die Preise stark zum Anstieg bringen sollen.

Doch 2,6 Billionen Euro haben nichts bewirkt. Nein, die gestiegenen Ölpreise halfen den Verbraucherpreisen zu einem kleinen Anstieg, aber die EZB war nicht dafür verantwortlich! Sieht sich die EZB daher aktuell unter Rechtfertigungsdruck? Womöglich, denn EZB-Direktor Benoit Coeure hat jetzt einen langen Aufsatz mit vielen Zahlen und Grafiken präsentiert. Dabei geht es darum zu ergründen, warum die Inflation denn nicht durch die Geldpolitik der EZB (Geld drucken + Zinsen auf Null) viel stärker angefacht wurde.

EZB hat nicht versagt? Schuld sind die die Dienstleister?

Und hier präsentieren wir den Sündenbock der EZB. Es ist die Dienstleistungsindustrie. Mit jeder Menge schöner Grafiken will Coeure aufzeigen, dass der Anteil der Dienstleistungen an den Volkswirtschaften in Europa in den letzten Jahrzenten immer mehr zugenommen hat. Das mag auch so sein. Aber diese Zunahme der Wichtigkeit der Dienstleistungen nimmt er als Grund dafür, dass die Geldpolitik der EZB deutlich länger benötige, bis sie ihre Wirkung entfalten könne. Ach so, alles klar? Die Maßnahmen der Geldpolitik bräuchten länger um in der Wirtschaft anzukommen, so Coeure.

Na, dann haben wir verstanden. Die Geldpolitik der Notenbanker ist also nicht wirkungslos. Weil die (doofen?) Dienstleister deutlich mehr Zeit als die Industriebetriebe brauchen um höhere Preise an den Endverbraucher weiterzuleiten, müssen wir eben nochmal ein paar Jährchen warten, bis ein Effekt sichtbar ist? Vielleicht fünf oder zehn Jahre? Soll das eine indirekte Rechtfertigung dafür sein, dass man die Politik extrem niedriger Zinsen noch viel, viel länger laufen lässt? Gut möglich, so meinen wir.

Konnte die EZB nicht vor der Abschaffung der Zinsen und der Billionen-Gelddruck-Orgie auf diese Idee kommen? Ach nein, falsch, ihre Politik wirkt ja. Es dauert halt nur etwas länger… hier das Schlussfazit aus dem Vortrag von Benoit Coeure. Zitat:

The first is that the rise of services in production and consumption over the past few decades has contributed to lift core inflation across advanced economies – making current low inflation appear even more puzzling.

The second key takeaway is that services deepening has had a profound impact on the transmission of monetary policy, also in the euro area. It has lowered the median frequency of price changes in the economy, increasing the lag with which monetary policy is transmitted to consumer price inflation.

The third and final takeaway is that the service sector itself is subject to change. The rise and expansion of “modern” services that can be delivered at distance means that competition and aggregate productivity may increase over time, thereby contributing to reducing price rigidity. Completing the single market for services in Europe, and reducing barriers to trade for services, would support this process and thereby also facilitate a faster transmission of monetary policy.

Hier zwei Grafiken aus dem Vortrag von Benoit Coeure, die zeigen, dass seit 1970 der Anteil der Dienstleistungen an der Gesamtwirtschaft dramatisch zugenommen hat (Eurozone blaue Linie).

EZB Direktor Benoit Coeure
Benoit Coeure. Foto: Aron Urb (EU2017EE) – Flickr CC BY 2.0

weiterlesen

Allgemein

Weniger Selbständige! Neue Angestellten-Jobs überwiegend bei schlecht bezahlten Dienstleistungen

Veröffentlicht

am

Von

Das Statistische Bundesamt hat heute für das 1. Quartal 2019 vorläufige Berechnungen veröffentlicht für die Entwicklung bei der Erwerbstätigkeit in Deutschland. Im Vergleich zum 4. Quartal 2018 gibt es einen Rückgang, aber diese Betrachtung ersparen wir uns aufgrund der geringen Aussagekraft (saisonale Schwankungen). Aber im Jahresvergleich zum 1. Quartal 2018, da gab es einen kräftigen Zuwachs der Erwerbstätigkeit um netto (!) 481.000 oder +1,1% auf 44,9 Millionen Personen.

Neu geschaffen wurden 551.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Die Zahl der Selbständigen fiel aber im Jahresvergleich um 70.000 auf 4,17 Millionen. Das wirkt nicht gerade so, als würde die Startup-Szene in Deutschland blühen? Oder ist das nur eine Art „Bereinigung“? Denn es gibt ja das Phänomen, dass sich in Zeiten schlechter Konjunktur viele Menschen quasi in die Selbständigkeit flüchten. Umgekehrt kann man daher vermuten, dass viele dieser notgedrungen Selbständigen jetzt wieder zurückgekehrt sind in die Festanstellung?

Natürlich ist es positiv für die deutsche Volkswirtschaft, dass in nur einem Jahr 551.000 neue Arbeitsverhältnisse geschaffen wurden. Aber der Haken liegt im Detail. Das angelsächsische Phänomen, dass überwiegend einfache und schnell zu schaffende Jobs in Dienstleistungssektoren entstehen, ist auch in Deutschland fest etabliert. Diese Personen werden aufgrund der in diesen Sektoren niedrigen Löhne zukünftig arge Probleme mit ihrer Altersvorsorge haben.

Zitat Statistisches Bundesamt:

Der Anstieg der Erwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahresquartal war auch im 1. Quartal 2019 überwiegend auf die Dienstleistungsbereiche zurückzuführen. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne innerhalb der Dienstleistungsbereiche gab es im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit einem Plus von 189 000 Personen (+1,7 %), gefolgt vom Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit +81 000 Personen (+0,8 %).

Aber auch in der Industrie wurden anständig Stellen geschaffen. Zitat:

Im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) stieg die Zahl der Erwerbstätigen im 1. Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 139 000 Personen (+1,7 %) und im Baugewerbe um 43 000 Personen (+1,7 %).

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen