Anleihen

Frankreich: Der finanzielle Niedergang in drei Charts

Frankreich ist dramatisch hoch verschuldet, und die Politik-Krise scheint kaum lösbar. Drei Charts zeigen den Niedergang.

Eiffelturm in Paris. Foto: Benjamin Girette/Bloomberg

Gestern Abend ist die französische Regierung gescheitert. Premier Bayour verlor seine Vertrauensfrage im Parlament haushoch. Es sieht nicht nach Neuwahlen aus, sondern nach einem Schwenk zu einer linkslastigen Regierung, und damit wohl auch zu mehr Staatsschulden? Die Finanzmärkte jedenfalls erkennen immer mehr, wie hoch Frankreich verschuldet ist, und wie hoch die immense Neuverschuldung auf dem Land lastet. Charts vom Anleihemarkt zeigen den Abstieg des Landes.


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Frankreich steigt ab – Griechenland zahlt weniger Zinsen

Zwar droht in Kürze wohl keine Staatspleite, aber die Tendenz zu einer nicht mehr tragfähigen Staatsverschuldung wird durch höhere Risikoprämien angezeigt, die Anleger verlangen, wenn sie dem Staat Frankreich Geld leihen sollen. Die zehnjährigen französischen Anleiherenditen haben in den letzten drei Monaten einen Auftrieb von 3,20 % auf heute 3,49 % erlebt. Die Haushaltskrise, die nun auch eine handfeste politische Krise wurde, war nicht mehr zu ignorieren. By the way: Ich bleibe bei meiner Meinung, die ich am 4. September veröffentlicht hatte: Sollten die Renditen für Frankreich sprunghaft auf nicht mehr tragfähige Niveaus ansteigen, würde die EZB Anleihen aufkaufen um die Renditen zu drücken – genau dafür hatte sie vor drei Jahren ihr TPI-Programm geschaffen, damit Renditen zwischen Ländern in der Eurozone nicht zu weit auseinander driften. Dies wäre dann eine planwirtschaftliche Unterdrückung der Realität, die am Anleihemarkt abgebildet wird!

Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit dem Jahr 2010: Zehnjährige griechische Staatsanleihen (blaue Linie) brachten im Höhepunkt der Staatsschuldenkrise im Jahr 2012 über 15 % Rendite, Staatsanleihen aus Frankreich (rote Linie) lagen bei 3 %. Über einen langen Zeitraum konnte sich Griechenland – auch dank massiver Hilfe der Euro-Partner – erholen. Inzwischen geht es in Athen wirtschaftlich bergauf, die Märkte haben Vertrauen. Und so konnten die Renditen für Griechenland immer weiter sinken. Inzwischen zahlt Athen mit heute 3,37 % weniger Zinsen als Frankreich mit jetzt 3,49 %. Frankreich vertraut man am Anleihemarkt inzwischen also weniger als Griechenland!

Grafik vergleicht die langfristige Entwicklung von Anleiherenditen aus Frankreich und Griechenland

Im folgenden Chart sieht man seit der Euro-Einführung vor 25 Jahren, wie dramatisch die Staatsverschuldung in Frankreich angestiegen ist. Nach der Finanzkrise 2008 noch vergleichbar, stieg die französische Staatsverschuldung ab 2010 von 85 % auf 113 % der Wirtschaftsleistung, in Deutschland sank sie von 82 % auf 63 %. Alleine dieser Chart zeigt, das Berlin (noch) viel Luft hat in Sachen Staatsschulden im Vergleich zu Paris.

Auch Italien jetzt gleich auf Frankreich

Selbst das einstige Chao-Land Italien wird vom Anleihemarkt jetzt genau so verlässlich angesehen als Frankreich! Georgia Meloni macht aus Sicht der Märkte offensichtlich eine bessere Haushaltspolitik als die Chaos-Regierung in Paris. Italienische Renditen liegen bei 3,51 %, nur noch 0,02 Prozentpunkte über der für Frankreich! Ein Maßstab für die Kreditkosten in Frankreich übertraf zum ersten Mal in der Geschichte der Eurozone die Italiens und zeigt damit, wie die Besorgnis der Anleger über die Finanzpolitik die Anleihemärkte der Region neu gestaltet, so formuliert es Bloomberg aktuell.

Weiter wird berichtet: Der Trend zur Konvergenz zwischen den Schulden beider Länder hat sich jedoch über Jahre hinweg entwickelt. Für Marktveteranen ist dies eine bemerkenswerte Entwicklung, da das mit einem niedrigeren Rating versehene Italien jahrelang das Paradebeispiel für die verschwenderische Finanzpolitik in der Region war. Jetzt ist es Frankreich, das die Anleger wegen der Höhe seines Defizits beunruhigt, nachdem Premierminister François Bayrou nach einer verlorenen Vertrauensabstimmung am Dienstag zurücktreten will.

„Die Erwartungen an eine schnelle Lösung der politischen und fiskalischen Probleme Frankreichs dürften weiterhin begrenzt bleiben”, sagte Sam Hill, Leiter der Marktanalyse bei Lloyds. Die Anleihen des Landes würden weiterhin empfindlich auf die allgemeine Besorgnis des Marktes über Haushaltsdefizite und Schuldenberge reagieren, fügte er hinzu.

Bayrous Nachfolger wird einen Weg finden müssen, um in einem zersplitterten Parlament einen Haushalt zu verabschieden – eine Aufgabe, an der die letzten beiden Premierminister gescheitert sind. Französische Anleihen haben seit der überraschenden Neuwahl durch Präsident Emmanuel Macron im letzten Jahr die schlechteste Performance in der Region erzielt.

Diese Instabilität hat die Renditen französischer 10-Jahres-Anleihen auf ein Niveau getrieben, das zu den höchsten in der Eurozone zählt, und bereits die ehemaligen Marktparia wie Griechenland und Portugal überholt. Die Renditen französischer Anleihen mit kürzerer Laufzeit haben Anfang dieses Jahres die entsprechenden italienischen Zinssätze übertroffen.

Traditionell boten italienische Anleihen einen attraktiven Aufschlag gegenüber vergleichbaren Anleihen, da Investoren aufgrund der turbulenten politischen Lage und der umfangreichen Kreditaufnahmepläne eine höhere Rendite verlangten. Auf dem Höhepunkt der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2012 lag der Renditeaufschlag Italiens gegenüber Frankreich bei mehr als vier Prozentpunkten. Noch 2022 betrug der Spread etwa zwei Prozentpunkte. In den letzten Jahren haben italienische Anleihen jedoch eine Outperformance erzielt, da Premierministerin Giorgia Meloni für politische Stabilität in Rom sorgte und einige Anstrengungen zur Konsolidierung der Staatsverschuldung unternahm.

Das Augenmerk der Anleger richtet sich nun auf die geplante Aktualisierung der Bonität Frankreichs durch Fitch Ratings, die erste einer Reihe von Überprüfungen in den kommenden Monaten. Die Bewertungen für Frankreich durch S&P, Moody’s und Fitch lauten AA-, Aa3 bzw. AA-, verglichen mit BBB+, Baa3 und BBB für Italien.

Allerdings verzerrt eine Laufzeitinkongruenz den Vergleich zwischen den Renditen beider Länder. Die neue französische Benchmark-Rendite basiert auf einer Anleihe mit Fälligkeit im November 2035, also mehrere Monate nach der italienischen Anleihe. Das bedeutet, dass die französische Rendite ein zusätzliches Durationsrisiko widerspiegelt.

Dennoch ist dies der jüngste unerwünschte Meilenstein für die französischen Politiker. Präsident Macron wird voraussichtlich in den nächsten Tagen einen neuen Premierminister ernennen, den fünften in weniger als zwei Jahren – ein Spiegelbild der unversöhnlichen Blöcke in der zersplitterten politischen Landschaft des Landes.

„Es wird erwartet, dass der nächste französische Premierminister nur eine Übergangsfigur sein wird“, sagte Elliot Hentov, Leiter der makroökonomischen Politikforschung bei State Street Investment Management. „Für Investoren ist die eigentliche Sorge, dass sich die Wählerschaft weder um eine klare Mehrheit schart noch besonders besorgt über die Verschlechterung der Haushaltslage zu sein scheint.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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3 Kommentare

  1. „Für Investoren ist die eigentliche Sorge, dass sich die Wählerschaft weder um eine klare Mehrheit schart noch besonders besorgt über die Verschlechterung der Haushaltslage zu sein scheint.“

    Das ist seine Interpretation, die sich hierzulande gut verfängt.

    Ich habe auch schon anderes gehört, nämlich, dass das dem Volk durchaus bewusst ist aber als Lösung lieber eine Reichensteuer angestrebt wird.

    Ist ja logisch: Wenn die vorherrschende Volksgruppe zu den Ärmeren gehört, dass dann die Kräfte überwiegen, die sich für soziale Themen einsetzen. Das ist im übrigen bei uns auch zu erwarten, man sieht es an dem Steilsieg der Linken in den letzten Wahlen. Man erntet das was man säht bzw. nährt die die man füttert (und verprellt die die man ignoriert). Also, allzulange wird man auf das ökonomische Grundverständnis hierzulande wohl nicht mehr bauen können.

    Es widerspricht sich ja auch, dass die Franzosen mit beiden Händen Geld ausgeben (irgendwie zum Wohle des Volkes) und hierzulande alles kaputt gespart wird und viele darunter leiden. Die können es sich nicht leisten, tun es aber, und wir könnten uns was leisten, knausern aber. Ich erwarte kein Eingreifen der EZB, dies großartig zu verändern bzw. echte Grenzen zu setzen, so wird der Unmut über die EU weiter wachsen. Der Euro wird die spaltenten Kräfte in Europa weiter stärken.

    Die sind ja auch noch weit weg von den 5%…

  2. @grosser bär,

    keine sorge um frankreich, heute hat die armee der feldspatenweitwerfer und staatsbankrotteure
    termingerecht dafür gesorgt, dass es mit der eu-insolvenz noch ein bisschen dauert.
    momentan gibt es wichtigers als schulden ……..

    1. Haha,

      um Frankreich mache ich mir bestimmt keine Sorgen. Es ist eher die EU. Wenn ich mir die letzten 10 Jahre so anschaue und die Entwicklung weitere 10 Jahre in die Zukunft projeziere, sehe ich eine echte Gefahr, dass die EU zerfällt.

      Und es scheint niemand zu kümmern, die alten Rezepte werden (was ist die Steigerung von stur?) weiter angewandt. Sogar Schimpansen geben nach ca. 3 Versuchen auf und versuchen etwas anderes.

      Ich würde gerne weiterhin die Freizügigkeit in der EU genießen wollen. Die Währung ist mir schnuppe, notfalls kann man Wechseln. Die würde ich zum Wohle der EU auch direkt opfern.

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