Anleihen

Frankreich-Eskalation? Anleihemarkt sendet Entspannungssignal

Frankreich hat heute erstmals seit der EU-Wahl Staatsanleihen verkauft. Der Markt sendet ein Entspannungssignal. Hier die Details.

Eifelturm in Paris. Foto: Bloomberg

Aktuell gibt es ein Entspannungssignal aus Frankreich. Aber erst eine kurze Rückblende: Nach der Europawahl hatte Frankreichs Präsident Macron Neuwahlen für das Parlament ausgerufen, wo die rechte Marine Le Pen in den Umfragen vorne liegt. Mindestens bis zur ersten Wahlrunde am 30. Juni schwebt nun Unsicherheit über Frankreich und der EU, ob es zu politischer Instabilität kommt, wenn eine neue Regierung beispielsweise ihre immensen Wahlversprechen durch eine große Neuverschuldung erfüllen will, was aber auf Widerstand bei EU und EZB stößt. Deswegen stiegen die Anleiherenditen für französische Staatsanleihen seit Tagen kräftig an.

Frankreich vor Neuwahlen – Angst vor politischer Instabilität

Deutsche Renditen fielen im Gegensatz zu französischen. Daran erkannte man, dass der Anleihemarkt nervös ist. Die Risiken für französische Schulden stiegen, man „floh“ nach Deutschland, den vermeintlich viel sichereren Hafen für Schulden-Investoren. Der Aufschlag auf französische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit im Vergleich zu deutschen Papieren verdoppelte sich in den letzten Tagen fast auf 0,83 Prozentpunkte, zuletzt kam der Aufschlag (Rendite-Spread) etwas zurück auf aktuell 0,73 Prozentpunkte. Es tritt also jüngst etwas Beruhigung ein. In der Grafik sehen wir seit der EU-Wahl den Renditeaufschlag (blau), dazu im Vergleich der französische Aktien-Leitindex CAC 40.

Grafik vergleicht Renditeaufschlag für Frankreich-Anleihen mit CAC 40

Heute aber gibt es einen weiteren Faktor, der etwas Beruhigung ausstrahlt für die Stabilität in Frankreich. Zum ersten Mal seit der Verkündung der Neuwahlen hat Frankreich nämlich neue Staatsanleihen verkauft. Und was sah man, haben sich die institutionellen Investoren reihenweise zurückgehalten? Nein, überhaupt nicht! Frankreichs erster Anleiheverkauf stieß auf eine solide Nachfrage – ein Zeichen dafür, dass die politische Unsicherheit neue Käufer nicht abschreckt.

Reichlich Nachfrage nach französischen Staatsanleihen

Das Schatzamt in Paris nahm am Donnerstag 10,5 Milliarden Euro durch die Versteigerung von drei- bis achtjährigen Anleihen ein und erreichte damit das obere Ende seines Ziels. Die Gebote für alle vier Auktionen betrugen das 2,41-fache des Gesamtbetrags, und entsprachen damit in etwa dem 2,63-fachen und dem 2,37-fachen der beiden vorangegangenen Auktionen mit ähnlichen Laufzeiten, so berichtet es Bloomberg aktuell.

Die Anleger hatten die Ergebnisse aufmerksam verfolgt, um zu sehen, ob die Renditen in der Nähe von Niveaus liegen, die nach einer der brutalsten Marktverwerfungen in Frankreich seit Jahrzehnten frisches Geld anlocken würden. Fonds wie Candriam und BlueBay Asset Management erklärten diese Woche, dass sie sich von den Wertpapieren fernhalten, da sie angesichts der bevorstehenden Wahlen in Frankreich anfällig für weitere Verluste sind.

„Nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Die Auktionsergebnisse haben keinen großen Stress verursacht“, sagte Evelyne Gomez-Liechti, Strategin bei Mizuho International. „Dennoch würde ich bei französischen Anleihen vorsichtig sein, da wir kurz vor der ersten Wahlrunde stehen. Händler befürchten, dass es schwieriger wird, die angespannten öffentlichen Finanzen in Frankreich zu stützen, wenn Macrons Partei – die in Meinungsumfragen hinter Marine Le Pens rechtsextremer Partei liegt – im Parlament an Boden verliert. Am Mittwoch rügte die Europäische Kommission das Land wegen eines Haushaltsdefizits von 5,5 %, das weit über der 3 %-Grenze der EU liegt.

Die Verkäufe französischer Staatsanleihen lagen in diesem Jahr zwischen 12 und 13 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der Marktkrise in der vergangenen Woche kündigte das Finanzministerium jedoch ein bescheideneres Ziel für die Auktionen am Donnerstag an, was das Angebot unterstützt haben könnte.

Staatliche Schuldenagenturen führen häufig Scorecards über die verschiedenen Arten, wie Händler – die verpflichtet sind, Gebote abzugeben – bei Auktionen mit dem Markt interagieren. Die besten werden mit saftigen Gebühren für die Abwicklung von Konsortialanleiheverkäufen belohnt. „Die Händler haben einen Anreiz, sich stark zu zeigen, um sicherzustellen, dass der Verkauf gut läuft“, sagte Lyn Graham-Taylor, Senior Rate Strategist bei der Rabobank am Mittwoch.

Zu Beginn dieser Woche sagte Vanguard, dass der Abwärtstrend letztendlich eine Kaufgelegenheit schaffen wird, aber die Anleihe-Spreads haben sich weiter ausgeweitet, um sie wieder anzulocken. Candriam ist der Ansicht, dass ein anhaltender Rückgang der Kurse bei Staatsanleihen Frankreich auf den Weg zu einer umfassenden Finanzkrise führen könnte, während UBS Asset Management befürchtet, dass die politischen Unruhen in Frankreich sogar die europäische Einheit gefährden könnten.

Französische Staatsanleihen mit längerer Laufzeit waren in diesem Jahr bei den Käufern beliebter, und eine 25-jährige grüne Anleihe, die über Banken angeboten wurde, erhielt im Januar Rekordaufträge. Eine 30-jährige Anleihe, die Anfang dieses Monats verkauft wurde, war 2,86-fach überzeichnet und erreichte damit fast ein Vierjahreshoch.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Im Notfall würde die EZB eingreifen, das wissen die Finanzmärkte.

  2. Ja, aber kann die EZB? Meiner Meinung nach hat die EZB bei weitem nicht die Macht der FED. Deshalb hat sie die Zinsen vor der Zeit gesenkt. Das wird aber nicht reichen, wenn es hart auf hart kommt. USA und UK haben nicht gesenkt, und die wissen es im allgemeinen besser.

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