Europa

Frankreich: das eigentliche Problem des „kranken Mannes Europas“

Nein, die politischen und ökonomischen Nachrichten aus unserem Nachbarland sind derzeit nicht gerade positiv: die Regierungsumbildung am Montag ist der wohl letzte Versuch Hollandes, seine Präsidentschaft zu retten. Die Wirtschaft des Landes dümmpelt vor sich hin, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag in Frankreich im letzten Monat nur knapp über der 46er-Marke. Das bedeutet: Kontraktion.

Heute Morgen dann die nächste Hiobsbotschaft: der Geschäftsklimaindex fiel mit 96 auf den tiefsten Stand seit Juli 2013. Das war zwar so erwartet worden, zeigt aber einmal mehr, dass die Stimmung in Frankreich alles andere als rosig ist. Inzwischen gilt Frankreich als „kranker Mann Europas“, ein wenig schmeichelhafter Titel, der in den 90-Jahren noch Duetschland zukam.

Aber während bei uns alles supergut ist – die Wirtschaft boomt, Mutti ist Kanzlerin, bald müssen Ausländer endlich auch Maut zahlen, hähä – hadern die Franzosen mit sich und der Politik. Man will schon irgendwie Reformen, aber am Besten sollte eigentlich alles so bleiben wie es ist. Kein Wunder: die Franzosen haben eine 35-Stunden-Woche und genießen neun Wochen Urlaub im Jahr. Da werden deutsche Hartz IV-Empfänger bleich vor Neid.

Und während die Franzosen sich faul am Meer sonnen, sind die Deutschen fleißig. Das hat er dann davon, der Franzose: der Weltmarktanteil am Export geht konstant zurück, die Lohnstückkosen liegen deutlich über den Werten in Deutschland. Französische Produkte sind deshalb vergleichsweise teuer.

Aber das eigentliche ökonomische Problem Frankreichs ist die Fokussierung auf Großkonzerne. Es fehlt ein solider Mittelstand, weil Frankreich in den 90er-Jahren glaubte, dass nur große Konzerne global werden mithalten können. Und überhaupt sind die Franzosen erstaunlich staatsgläubig: immer muß es der Staat richten, alles wird zentral aus Paris geregelt. Kreativität entsteht meist aus Vielfalt – und der staatliche Zentralismus macht Frankreich unkreativ und bewegungsunfähig. Das eigentliche Problem in Frankreich sind also weniger ausbleibende Reformen, sondern vielmehr der französische Zentralismus. Erst wenn sich daran etwas ändert – und das ist leider nicht absehbar, weil die Krise noch nicht akut genug ist – wird Frankreich nicht mehr der „kranke Mann Europas“ sein. Es steht zu fürchten, dass Hollande bald scheitert – und dann der Front National regiert. Ob sich dann jenseits ausländerfeindlicher Rhetorik wirklich etwas ändern wird, ist sehr zu bezweifeln..



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