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Europa

Frankreich: das eigentliche Problem des „kranken Mannes Europas“

Markus Fugmann

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Nein, die politischen und ökonomischen Nachrichten aus unserem Nachbarland sind derzeit nicht gerade positiv: die Regierungsumbildung am Montag ist der wohl letzte Versuch Hollandes, seine Präsidentschaft zu retten. Die Wirtschaft des Landes dümmpelt vor sich hin, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag in Frankreich im letzten Monat nur knapp über der 46er-Marke. Das bedeutet: Kontraktion.

Heute Morgen dann die nächste Hiobsbotschaft: der Geschäftsklimaindex fiel mit 96 auf den tiefsten Stand seit Juli 2013. Das war zwar so erwartet worden, zeigt aber einmal mehr, dass die Stimmung in Frankreich alles andere als rosig ist. Inzwischen gilt Frankreich als „kranker Mann Europas“, ein wenig schmeichelhafter Titel, der in den 90-Jahren noch Duetschland zukam.

Aber während bei uns alles supergut ist – die Wirtschaft boomt, Mutti ist Kanzlerin, bald müssen Ausländer endlich auch Maut zahlen, hähä – hadern die Franzosen mit sich und der Politik. Man will schon irgendwie Reformen, aber am Besten sollte eigentlich alles so bleiben wie es ist. Kein Wunder: die Franzosen haben eine 35-Stunden-Woche und genießen neun Wochen Urlaub im Jahr. Da werden deutsche Hartz IV-Empfänger bleich vor Neid.

Und während die Franzosen sich faul am Meer sonnen, sind die Deutschen fleißig. Das hat er dann davon, der Franzose: der Weltmarktanteil am Export geht konstant zurück, die Lohnstückkosen liegen deutlich über den Werten in Deutschland. Französische Produkte sind deshalb vergleichsweise teuer.

Aber das eigentliche ökonomische Problem Frankreichs ist die Fokussierung auf Großkonzerne. Es fehlt ein solider Mittelstand, weil Frankreich in den 90er-Jahren glaubte, dass nur große Konzerne global werden mithalten können. Und überhaupt sind die Franzosen erstaunlich staatsgläubig: immer muß es der Staat richten, alles wird zentral aus Paris geregelt. Kreativität entsteht meist aus Vielfalt – und der staatliche Zentralismus macht Frankreich unkreativ und bewegungsunfähig. Das eigentliche Problem in Frankreich sind also weniger ausbleibende Reformen, sondern vielmehr der französische Zentralismus. Erst wenn sich daran etwas ändert – und das ist leider nicht absehbar, weil die Krise noch nicht akut genug ist – wird Frankreich nicht mehr der „kranke Mann Europas“ sein. Es steht zu fürchten, dass Hollande bald scheitert – und dann der Front National regiert. Ob sich dann jenseits ausländerfeindlicher Rhetorik wirklich etwas ändern wird, ist sehr zu bezweifeln..

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Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

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Europa

Verbraucherpreise im November: Dritter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Kartoffel mit Löffel und Münzen

Soeben hat das Statistische Bundesamt vorab die Verbraucherpreise für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich sind sie mit -0,3 Prozent den dritten Monat in Folge deflationär (Vormonate jeweils -0,2 Prozent im Jahresvergleich). Erwartet für heute waren ein Minus von 0,1 Prozent. Die Inflationsrate ist unter anderem durch die seit 1. Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung beeinflusst, wie die Statistiker in ihrer Headline-Mittelung erwähnen. Hier die Daten im Detail:

Datenblatt zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise im Detail

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