Frankreich steht „mal wieder“ vor einer Eskalation der politischen Krise. Und die Anleiherenditen zeigen sofort, was der Markt davon hält. Höhere politische Instabilität bedeutet schwindende Verlässlichkeit in die Solidität der französischen Staatsfinanzen. Ein Staatsbankrott und ein Zahlungsausfall – das sind Szenarien, die noch unendlich weit entfernt sind. Aber Anleger preisen Schritte hin zu mehr Instabilität sofort ein.
Frankreich vor massiver Instabilität
Seit letzter Woche Freitag Abend sind die zehnjährigen Staatsanleihen aus Frankreich gefallen, die Rendite ist von 3,41 % bis heute früh auf 3,50 % gestiegen. Der Grund: Der französische Premierminister Francois Bayrou hat eine Vertrauensabstimmung im Parlament angesetzt, die schon im nächsten Monat die Regierung in Paris zu Fall bringen könnte. Bloomberg meldet hierzu: Bayrou hat das Vertrauensvotum einberufen, um seine Unterstützung zu festigen, nachdem er auf Widerstand gegen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von 44 Milliarden Euro gestoßen war, die er für unverzichtbar hält, um eine Katastrophe für die öffentlichen Finanzen Frankreichs abzuwenden. Er schlug außerdem vor, zwei französische Feiertage abzuschaffen, was ihm Spott seitens der Opposition einbrachte.
Die Rechtspartei Rassemblement National, die linksgerichtete France Insoumise und die Grünen kündigten an, am 8. September bei der Vertrauensfrage gegen Bayrou zu stimmen. Die Sozialisten erklärten, sie würden die Regierung ebenfalls nicht unterstützen. Findet sich eine Mehrheit der Abgeordneten gegen Bayrou, müsste er den Rücktritt seiner Regierung einreichen.
Das Scheitern eines weiteren französischen Kabinetts – Bayrous Vorgänger Michel Barnier hielt sich nur 90 Tage im Amt – würde die prekäre Lage von Präsident Emmanuel Macron noch deutlicher machen. Seine Partei und deren Verbündete haben 2024 jede Spur einer Parlamentsmehrheit verloren. Marine Le Pens Rassemblement National, das in dieser Wahl zur stärksten Fraktion im Unterhaus aufstieg, fordert Neuwahlen.
“Ja, das ist ein Risiko, aber das höchste Risiko besteht darin, nichts zu tun”, sagte Bayrou am Montag auf einer Pressekonferenz in Paris. “Aus dieser Lage kommen wir nicht heraus, wenn wir nicht mutig sind.”
Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich um fünf auf 75 Basispunkte aus, den höchsten Stand seit April. Ende Juli hatte er noch 65 Basispunkte betragen. Die Rendite zehnjähriger Anleihen Frankreichs zählt nun zu den höchsten im Euroraum. Sie liegt inzwischen über denen von Ländern, die einst im Zentrum der europäischen Schuldenkrise standen – etwa Griechenland und Portugal. Am Montag lag sie nur noch rund acht Basispunkte unter der von Anleihen Italiens.
Was Bloomberg Economics sagt: „Die Oppositionsparteien scheinen geneigt, den Antrag abzulehnen. Wenn sie nicht zurückrudern, wird die Regierung stürzen.“
—Antonio Barroso und Jean Dalbard.
Ein Aktienkorb von Barclays, der Unternehmen mit dem höchsten Risiko in Bezug auf die französische Binnenkonjunktur enthält, darunter auch den Staatshaushalt, fiel am Montag um 2,9 %. „Die Anleger, die in Europa investiert haben, weil sie glaubten, dass Deutschland in gewisser Weise das Potenzial der Eurozone repräsentiert, haben einen Fehler gemacht“, sagte Vincent Juvyns, Chef-Anlagestratege bei ING in Brüssel, in einem heutigen Interview. „Wir haben jetzt ein zweigeteiltes Europa mit einigen Ländern wie Deutschland, die sich Ausgaben für Wachstum leisten können, und anderen, die keine andere Wahl haben, als ihre öffentlichen Finanzen zu konsolidieren.
Sollte die Regierung stürzen, würden die Kreditkosten Frankreichs „innerhalb von 15 Tagen“ über die Italiens steigen, sagte Finanzminister Eric Lombard und fügte hinzu: „Wir wären dann wirklich das letzte der 27 Länder in Europa.“
Kommentar
FMW: Im Chart sehen wir den Verlauf von Anleiherenditen seit fünf Jahren. Es ist schon jetzt maximal bitter für Frankreich (blaue Linie), dass die Anleiherendite des Landes jetzt sogar drei Punkte oberhalb von Griechenland (rot) notiert. Wo Athen doch seit der großen Staatsschuldenkrise im Zuge der Finanzkrise als das Pleiteland Europas schlechthin galt. Scheitert die aktuelle Regierung in Frankreich, könnte der Weg zu weiter ausufernden Staatsschulden geöffnet werden, was die Anleiherenditen des Landes kräftig nach oben bringen könnte.
Eine neue Staatsschuldenkrise im Herzen Europas? Dann könnte sogar die EZB mit Anleihekäufen intervenieren, um die Renditen zu drücken? Alles wäre denkbar. Man sieht im Chart den schleichenden Prozess, in dem sich französische Renditen vor allem seit Anfang 2024 immer stärken denen von Griechenland und Italien angenähert haben. Aber auch für Deutschland gilt: die Abstände sinken. Und trotz halbierter EZB-Zinsen steigen auch die deutschen Renditen. Aufgrund der massiven Neuverschuldung, die die Regierung Merz ausgerufen hat, dürfte der Aufwärtsdruck bei den Renditen zunehmen.
FMW/Bloomberg
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Moin, moin,
die europäischen Dominosteine fangen langsam, aber wie vorher gesagt, an zu fallen. Frankreich, England, BRD und andere Europastaaten sind alle Pleite. Was machen die Regierungen der jeweiligen Länder? Das was sie immer machen, Steuererhöhungen und Schulden. Oder auf Einfachdeutsch, Insolvenzverschleppung. Wieso wird bspw. versucht Oppositionsparteien zu verbieten? Damit man ungeniert in die Staatskasse greifen kann und für weitere Schulden Tür und Tor geöffnet werden.
Fazit: Frankreich und die anderen großen „Wirtschaftsnationen“ Europas haben fertig.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, der EUR habe die Integration voran getrieben und sei unverzichtbar für Europa, glaube ich ans Gegenteil, der hat das Potential, Europa in den Abgrund zu reißen.
Die extreme Erstarkung der Rechten in EU ist aber nicht im Eur als Ursache zu suchen. Dennoch verbindet sie das Gleiche, das Euro Drama ist ebenfalls Symptom der gleichen Ursache.
Das ganze EU Gebilde erinnert stark an eine sehr schlechte Softwarearchitektur. Voll mit Bugs, undurchschaubar verschachtelt, ständig Feuerwehr aktiv…
Abschalten, neu machen wäre bei so einer Software die Lösung, sird bei der EU wohl so nicht gehen.
Beim EuroStoxx ziehen heute auch wieder die französischen Aktien den Index runter. Deshalb ist der DAX aktuell nur -0,5%, während der EuroStoxx -1% ist. DJ übrigens nur -0,15%, aber da wissen wir erst heute Nachmittag genaueres. Euro-Dollar ist heute bisher stabil, aber ob das so bleibt? Würde mich wundern. Ja, ja, der Euro ist die Alternative zum Dollar, sagen die EUrokraten. Lachhaft!
Staatspräsident Emmanuel Macron, ein im Vergleich zu Bundeskanzler Friedrich Merz engagierter Iran-Politiker, wird wissen, daß ein JCPOA-Deal den EU-Cluster Maschinenbau stimulieren würde.
Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz räumt Staatspräsident Emmanuel Macron zwar den Start-ups und der Künstlichen Intelligenz einen entsprechenden Stellenwert ein. Die Agenda des Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung Martin Schulz Kultur der zweiten Chance für KI-Start-ups scheint sich bei Macron aber im Hinblick auf seine Zusammenarbeit mit dem genannten FES-Vorsitzenden noch nicht herumgesprochen zu haben. Staatspräsident Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz. Na, das kann ja eine französisch-deutsche Achse werden.