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Frankreich: Teil 2 der Serie „Die wirtschaftliche Lage in Europa“

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Mit dem heutigen zweiten Teil unserer Serie „Die wirtschaftliche Lage in Europa“ widmen wir uns Frankreich. Wir analysieren diverse Faktoren sowie die politische Lage. Auch bewerten wir länderspezifische Besonderheiten und die Zukunftsaussichten.

Frankreich La Defense Paris
Große Konzerne brauchen fette Bürotürme: Alle großen Staatskonzerne Frankreichs haben zentralisiert ihren Platz im künstlich geschaffenen Pariser Büroviertel „La Defense“.
Foto: Jean-Christophe BENOIST / Wikipedia (CC BY 3.0)

Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt in Frankreich entwickelt sich seit der Krise 2008 erstaunlich gut. Seit dem Einbruch bis Ende 2009 ist das BIP in Frankreich bis heute um 200 Milliarden Euro gewachsen, also etwas mehr als 10%. Die Europäische Kommission erwartet für Frankreich für dieses Jahr ein Wachstum von 1% und für 2016 von 1,6%. Diese Einschätzung wirkt recht optimistisch.

Frankreich Bruttoinlandsprodukt

Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung in Frankreich wächst kontinuierlich, wie am Strich gezogen.
Die EU-Kommission erwartet ein Ansteigen der Schuldenquote bis Ende 2016 auf 98,2%. Das Haushaltsdefizit wird in 2015 mit geschätzten -4,7% deutlich über den 3% des Maastrichtkriteriums liegen. Die sozialistische Regierung von Präsident Hollande geht den Weg der Investitionen auf Pump – nur bringen tut es nichts, denn vor allem die Arbeitslosigkeit bleibt strukturell hoch.

Frankreich Staatsverschuldung

Arbeitslosigkeit

Wenn man vergleicht, dass die europäische Statistikbehörde „Eurostat“ die deutsche Arbeitslosenquote Ende 2014 mit nur 5% angibt, und wenn man weiß, dass die tatsächliche Arbeitslosenquote ungefähr 3% höher liegt, kann man grob geschätzt davon ausgehen, dass die tatsächliche Arbeitslosenquote in Frankreich, die „Eurostat“ zu Ende 2014 mit 10,3% angibt, wohl eher bei 13-15% liegt. Die EU-Kommission erwartet eine Stagnation für 2015 und 2016 auf hohem Niveau. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei erschreckenden 25%.

Frankreich Arbeitslosenquote

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung in Frankreich ist im Wachstum begriffen. Aktuell mit mehr als 66 Millionen Einwohnern ist man dabei Deutschland nach und nach „einzuholen“. Die Geburtenrate von 2 Kindern und die hohe Einwanderung sind die beiden Gründe hierfür. Was einerseits Demographieexperten freut, wird zum Problem, wenn immer mehr Menschen immer weniger Arbeitsplätzen gegenüberstehen.

Politik: Frankreich vor dem Rechtsruck?

Marie Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front Nationale, liegt Umfragen zufolge bei grob geschätzt 30% Zustimmung, wenn jetzt die Präsidentschaftswahlen stattfinden würden. Diese sind zwar erst 2017, aber das Alarmzeichen ist jetzt schon da. Es ist zu erwarten, dass es zu einem großen stillschweigenden Bündnis zwischen den Sozialisten und den Konservativen sowie deren Wählern kommen wird, wodurch Nicolas Sarkozy ins Präsidentenamt gewählt wird – nach dem Motto „besser der konservative Sarkozy als die rechtsextreme Le Pen“. Notwendiger Pragmatismus, könnte man sagen. So wird es mit großer Wahrscheinlichkeit kommen. Da mag man dann durchschnaufen nach dem Motto „Gott sei Dank die Rechten verhindert“.
Frankreich Präsident Francois Hollande
Frankreichs Präsident Francois Hollande.
Foto: Kremlin.ru / Wikipedia (CC BY 3.0)
Rechten großen Zulauf bescheren, werden wohl auch nur zugedeckt werden.

Frankreich Kandidatin Marie Le Pen
Marie Le Pen ist die Pareivorsitzende des rechtsextremen „Front Nationale“.
Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Börse

Der französische Aktienindex CAC40 hat sich seit der Krise 2008 deutlich schlechter entwickelt als z.B. der Dax. Während er gut 50% zulegte, hat der CAC40 im selben Zeitraum gut 15% verloren. Die im CAC40 enthaltenen Konzerne sind im Vergleich zu den Dax-Konzernen eher inlandslastig, und haben damit in den letzten Krisenjahren weniger Gewinne aus Auslandsgeschäften „ansaugen“ können wie die Dax-Werte. Das ist ein Hauptgrund für die schlechtere Performance. Bei einem Abwärtstrend der großen Börsen dürfte Frankreich aber im Abwärtssog genau so kräftig dabei sein wie die anderen.

Frankreich CAC40

Das strukturelle Problem Frankreichs

Die wirtschaftspolitische „Staatsraison“ in Frankreich lautete schon immer „große starke staatlich beeinflusste Konzerne müssen es sein“. Der Staat will weltweit glänzen, deswegen konzentriert man sich nach wie vor auf die Champions aus der ersten Reihe. Ein gesunder industrieller Mittelstand wurde nie aufgebaut. Das Problem dabei: Unternehmen, die unter „staatlicher Obhut“ tätig sind, fühlen sich sicher und geborgen, vernachlässigen Innovationen und Produktivitätssteigerungen, kümmern sich nicht mehr ausreichend um ihre globale Wettbewerbsfähigkeit und verlieren nach und nach ihre Rentabilität. Die dauerhafte Folge: der Staat muss die Verluste ausgleichen. Und dieses Problem kommt nicht erst seit der Krise 2008, aber vor allem seitdem immer mehr zum Vorschein. Neue Industriearbeitsplätze werden woanders geschaffen. Ein Mittelstand, der massenhaft „gesunde“ und nachhaltige Arbeitsplätze schafft, ist nicht vorhanden.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist in Frankreich schon aus historischer Sicht die Meinung tief in der Gesellschaft verankert, dass die Wirtschaft staatlich gelenkt sein bzw. von Staatsunternehmen gestützt sein sollte. Dies ist in Frankreich ein Grundverständnis (sozialistisch angehaucht) von Wirtschaftspolitik, das man respektieren sollte, auch wenn man diese Ansicht nicht teilen muss. Dieses Verständnis erkennt man zum Beispiel daran, dass es in Frankreich nach wie vor viele große Konzerne gibt, die in Staatsbesitz sind.

Der französische Staat hat z.B. letztes Jahr ein Rohstoffunternehmen gegründet, das Gold- und Lithium-Vorräte in Frankreich und auch in Übersee aufspüren und ausbeuten soll. Der Staat will in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro investieren – große Projekte sollen in Zukunft in Partnerschaften mit großen Konzernen realisiert werden. Auch hat sich der französische Staat letztes Jahr mit 14% am Autobauer „Peugeot Citroën“ beteiligt zusammen mit chinesischen Partnern, um die stark angeschlagene Firma zu retten. Ebenso beim zweiten großen Autobauer im Land Renault mischt der Staat aktiv als Aktionär mit. Dass das Wirtschaftsverständnis in Frankreich eher von einer „Staatslenkung“ oder besser gesagt „Staatswirtschaft“ geprägt ist, zeigte letztes Jahr auch sehr gut die Übernahmeschlacht des Industriekonzerns Alstom durch den US-Konzern „General Electric“. Die eigentlichen Verhandlungen fanden nicht beim Aufsichtsrat von Alstom statt, sondern direkt im Elysee-Palast bei Präsident Hollande, der einfach so Siemens um Hilfe bat, den amerikanischen Übernahmeversuch abzuwehren. Letztendlich vergeblich, da der Aufsichtsrat wohl den „bösen Deutschen“ Alstom nicht gönnen wollte, aber das tieferliegende Problem in Frankreich ist, dass internationale Investoren nicht gerade begeistert davon sind von einer quasi „Rund um Staatswirtschaft“.

Auch die Aussagen der französischen Regierung der letzten Jahre, in denen man ausländischen Investoren mit französischen Standorten immer wieder mit ernsthaften Konsequenzen drohte, weil sie Mitarbeiter entlassen wollten, hat nie strukturell die Probleme gelöst, sondern nur für zukünftige Unsicherheit bei neuen Investitionen gesorgt. Welcher Investor will sich dieses Umfeld antun?

Electricite´de France (EDF), zweitgrößter Energieerzeuger der Welt, ist mehrheitlich im Besitz des französischen Staates und macht gute Gewinne. Nur das Problem: man ruht sich darauf aus. Die Gewinne aus der stark atomlastigen Produktion sprudeln, von daher denkt man alles wäre in Ordnung. Während überall um Frankreich herum umfassend auf Solar und Windkraft umgetellt wird, verschläft EDF diesen Trend im Großen und Ganzen – und damit auch die Chance auf neue Arbeitsplätze in diesen Bereichen – die entstehen anderswo.

Steuern ersticken alles

Zu den eh schon hohen Steuern in Frankreich bescherte Francois Hollande (wie im Wahlkampf versprochen) neue Steuern für „die Bösen“. Gemeint hiermit die Finanzzocker und die Reichen. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, schafft ein Gesamtklima, das jeglichen Anreiz abtötet, etwas schaffen oder leisten zu wollen. Transaktionen auf große Aktienwerte aus Frankreich werden derzeit mit einer Finanztransaktionssteuer von 0,2% belegt. Wer bekommt als ausländischer Investor da große Lust in französische Aktien zu investieren? Nicht zu vergessen ist die Wohnsitzflucht der Großverdiener aus Frankreich (u.a. nach Belgien), die nach Hollandes Wahl einsetzte, als er die 75%-Steuer für Millioneneinkommen einführte. Die Flucht und die fast nicht vorhandenen Einnahmen durch diese Steuer brachte ihn dazu sie vor Kurzem wieder abzuschaffen. Dennoch: Die Steuern für die „bösen“ Besserverdiener in Frankreich bleiben im Vergleich auch zu Deutschland so allumfassend hoch, dass kaum ein positives Klima für Wirtschaftswachstum oder Leistungsbereitschaft entstehen kann.

Kultur der Sturheit bei Gewerkschaften

Die totale Entnervung, die wohl auch viele zukünftige Investoren veranlassen wird eine Bogen um Frankreich zu machen, leisten sich immer wieder Gewerkschafter, die Vorstände und Werksleiter kurzzeitig als Geiseln nehmen. Was natürlich bei einem gewissen Publikum kurzfristig für Applaus sorgt, schreckt langfristig Investoren ab. Die französischen Gewerkschaften leben eine Sturheit, die historisch bedingt gewachsen ist. Anders als z.B. in Deutschland wird nicht konstruktiv mit den Arbeitgebern gestritten oder verhandelt, sondern stur auf dem eigenen Standpunkt beharrt. Es entsteht ein investitionsfeindliches Klima, das langfristig negativ auf die Arbeitnehmer zurückfällt.

Zukunftsaussichten

Das grundlegende Wirtschaftsverständnis, dass der Staat alles lenken und beeinflussen soll, ist das Hauptproblem. So wird die Industrie davon abgehalten sich dem internationalen Wettbewerb ernsthaft zu stellen. Dauerhaft wird dann der Staat gezwungen defizitäre Unternehmen zu stützen – eine Abwärtsspirale aus immer mehr Staatsschulden ist die Folge. Langfristig sind die unrentablen Arbeitsplätze trotzdem nicht zu halten. Der Staat muss sich zurücknehmen bei Wirtschaftsbereichen, wo er einfach nichts zu suchen hat, siehe z.B. die Autoindustrie.

Was das Wirtschaftswachstum angeht (siehe BIP), steht Frankreich besser da als man denkt. Wo die gravierenden Probleme aber sichtbar werden, sind die Bereiche Schulden und Arbeitslosigkeit – hier zeigt die Tendenz nach oben. Die Gewerkschaften müssten sich reformieren und von Blockierern zu „konstruktiven Kontrahenten“ der Arbeitgeber werden. Der französische Staat müsste sich klar werden, dass maßlos hohe Steuern nicht wirtschaftsfreundlich sind. Aber Frankreich ist in einer Zwickmühle. Jahrzehntelang bis zum heutigen Tag heißt das französische Modell: Der Staat pumpt Geld in die Wirtschaft oder schafft die Arbeitsplätze gleich selbst, und das war es dann. Dieses Modell führt langfristig zu einem Teufelskreislauf aus immer höheren Staatsausgaben, immer weniger neuen Stellen in der Privatwirtschaft und somit immer weniger Steuereinnahmen. Und die EU-Kommission sitzt Hollande im Nacken… die ständige Überschreitung der 3% Maastricht-Grenze führt zusätzlich zu Strafzahlungen an Brüssel. Während Frankreich „stehen bleibt“, haben Länder wie Spanien oder Irland den Ernst ihrer Lage erkannt und gehen einen Schritt voraus, was Investitionsklima und Strukturreformen angeht. Trotz der Geldschwemme der EZB kommt Frankreich nicht in Fahrt, dank hoher Steuern und einem allumfassenden investitionsfeindlichen Klima.





Quellen:
Eurostat
Europäische Zentralbank
Europäische Kommission
Die Zeit

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Manfred Corte

    20. April 2015 16:38 at 16:38

    Redaktion: Die gute Frau Le Pen heißt „Marine“ mit Vornamen …

  2. Avatar

    lümmel

    21. April 2015 08:20 at 08:20

    rechtschreibung wie auch kenntnisse von börse sind eben nicht hr.fugmann’s steckenpferde -)

  3. Markus Fugmann

    Markus Fugmann

    21. April 2015 08:48 at 08:48

    @lümmel, das ist natürlich unbestreitbar richtig! Doch sei dennoch der dezente Hinweis erlaubt, dass der Artikel von Herrn Kummerfeld stammt :)

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Aktien: Bubble-Boomer demaskieren Wall Street-Casino! Marktgeflüster (Video)

Mit Aktien wie Gamestop bringen die Bubble-Boomer Hedgefunds in Schieflage – und demaskieren damit gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street!

Markus Fugmann

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Aktien wie Gamestop oder AMC schießen auch heute wieder durch die Decke – die Bubble-Boomer bringen damit jene Hedgefunds weiter in Schwierigkeiten, die eben diese Aktien short spielen. Diese Bubble-Bommer (Generation Z) ist mit der Spiele-Mechanik bestens vertraut und hat damit nicht nur eine Schwachstelle der Finanzmärkte offengelegt, sondern gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street demaskiert. Man darf gespannt sein, ob die Fed heute dazu etwas sagen wird – letztlich sind es die Notenbanken, die dieses Casino ermöglicht haben und den beteiligten Spielern das Gefühl suggerierten, dass man im Casino nicht verlieren könne, weil jedesmal wenn es eng wird, die Retter in Gestalt der Notenbanken nahen..

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Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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Apple-Quartalszahlen – kurze Vorschau auf heute Abend

Claudio Kummerfeld

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iPhones von Apple

Die Apple-Quartalszahlen werden heute Abend ab 22 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Wir werden dann umgehend berichten. Hier eine kurze Vorschau. Vor genau einem Jahr lag der Umsatz von Apple im 4. Quartal noch bei 91,8 Milliarden Dollar. Für heute liegen die durchschnittlichen Erwartungen von 27 Analysten bei 103,3 Milliarden Dollar. Beim Gewinn pro Aktie lag Apple vor einem Jahr bei 1,25 Dollar (nach Aktiensplit). Für heute werden im Durchschnitt von 30 Analysten 1,41 Dollar erwartet.

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Positive Überraschungen für Apple dank iPhone12?

Interessant wird es zu sehen, ob Apple seinen Services-Umsatz weiter kräftig steigern kann. Schaut man einige Analystenkommentare an, dann wäre dies gut möglich. Wichtig: Mehrere Analysten gehen von deutlichen Umsatzzuwächsen beim iPhone aus. Dies könnte daran liegen, dass zahlreiche Stammkunden die Anschaffung eines neuen iPhones hinauszögerten, weil das neue iPhone12 noch nicht auf dem Markt war. Dementsprechend fielen die Quartalszahlen von Apple im 3. Quartal 2020 auch eher mau aus. Aber der im 4. Quartal womöglich nachgeholte Konsum der neuen 12er-Modelle könnte bei Apple für glänzende Zahlen im 4. Quartal gesorgt haben. Aber es ist, wie es ist. Wissen tun wir es erst heute Abend genau! Aber positive Überraschungen sind möglich.

Die Aktie

Schauen wir uns mal die Apple-Aktie an. Vor einem Jahr notierte sie noch bei 80 Dollar, und erst vorgestern wurde mit 145 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Die KGV-Schätzung für 2021 liegt bei einem Wert von 35. Das ist nicht gerade billig, aber für einen Tech-Wert immer noch relativ in Ordnung, wenn man das mal mit Tesla vergleicht, wo das KGV bei 294 erwartet wird. Bei Apple kann man noch von gesunden Relationen sprechen. Schaut man sich mehrere Kommentare von wichtigen Analysten an, dann ist die Stimmung für die heutigen Quartalszahlen ziemlich optimistisch.

Chart zeigt Apple-Aktie im Verlauf der letzten zwölf Monate
Apple-Aktie im Verlauf der letzten zwölf Monate.

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Anmeldestatus

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