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Gamestop, AMC und Co fallen deutlich – hier die Hintergründe

Handel mit Gamestop-Aktie über Smartphone App

Gestern war Abverkaufstag bei Meme Stocks. Gamestop verlor 13,12 Prozent, AMC 10,75 Prozent, Bed Bath & Beyond 10,84 Prozent. Ebenso wurden die Aktien von US-Elektroautobauern runter gerissen (siehe Rivian oder Nikola). Auch verloren Cannabis-Aktien wie Sundial Growers, oder auch Aktien von Handelsanbietern, siehe Robinhood mit -8,16 Prozent und Coinbase mit -6,36 Prozent. Man könnte die Liste endlos fortsetzen.

AMC und Gamestop führen Absturz an, der durch die Fed verstärkt wurde

Der gestrige Absturz lief den ganzen Handelstag über. Aber in den letzten beiden Handelsstunden von 20 bis 22 Uhr deutscher Zeit wurde er verstärkt durch die Veröffentlichung des FOMC-Protokolls der Federal Reserve um 20 Uhr (wir berichteten). Markus Fugmann kommentierte dazu, dass es eine „hawkishe Breitseite“ der Fed gewesen sei. Sie ist extrem besorgt wegen der hohen Inflation in den USA, und denkt über schnellere Zinsanhebungen nach als bisher erwartet. Vor allem aber will sie ihre Bilanzsumme reduzieren – wie genau das passieren soll, hat sie in dem FOMC-Protokoll aber bisher nicht angedeutet. Aber faktisch signalisiert die Fed eine Zinsanhebung bereits im März. Darauf reagierten die Aktienmärkte gestern Abend mit fallenden Kursen, auch internationale Märkte sind betroffen. Und Meme Stocks wie Gamestop, AMC und Bed Bath & Beyond zeigten gestern die stärkten Verluste. Aber warum reagieren in solchen Momenten gerade immer diese Meme Stocks und bestimmte andere Branchen wie Cannabis und andere so negativ? Dazu ein Zitat von Markus Fugmann von gestern Abend:

Liquiditätsentzug und steigende Zinsen drücken gegen wacklige Geschäftsmodelle

Was hat das zu bedeuten? Durch die Reduzierung der Bilanzsumme und die Anhebung der Zinsen entzieht die Federal Reserve dem Markt Liquidität. Und Aktien die durch eine Liquiditätsschwemme lange Zeit angefeuert wurden, erleben daher in Erwartung eines Entzugs von Liquidität den Absturz. Ebenso werden Kredite durch die Zinswende der Fed teurer, was in der Regel die Unternehmen härter trifft, die aufgrund ihrer wackligen Geschäftsmodelle höhere Zinsen zahlen müssen, als es zum Beispiel ein Billionen-Konzern wie Apple zahlen müsste, der in Cash-Reserven regelrecht ertrinkt. Apropos Apple: Die Aktie fiel gestern nur um 2,66 Prozent. Wie schon mehrmals in den letzten Monaten zeigt sich: In solchen Phasen der Abverkäufe fallen Qualitätsaktien nicht so stark wie die Aktien von Unternehmen, bei denen die Geschäftsmodelle wacklig erscheinen (um es mal relativ nett auszudrücken).

Tritt man ein paar Schritte zurück, und schaut sich das Gesamtbild an, dann kann man es so formulieren: Die Anleger verkaufen im Sinne einer Rotation riskante Aktien, und suchen Qualität. Apple fiel wie gesagt nicht ansatzweise so stark wie die Meme Stocks. Exxon Mobil konnte sogar 1,2 Prozent zulegen. By the way… steigende Renditen für Anleihen machen diese Anlageklasse attraktiver im Vergleich zu Aktien. Und schon bald spürbar steigende Zinsen werden es Unternehmen mit wackligen Geschäftsmodellen, die verschuldet sind, schwieriger machen neue Kredite oder Anschlusskredite zu erhalten. Und wenn sie diese erhalten, dann nur zu schlechteren Konditionen. So ein Szenario drückt gegen die Meme Stocks. Und da stehen Aktien wie AMC und Gamestop nun mal ganz vorne in der Aufmerksamkeit der Börsianer. Dieser aktuelle Absturz ist womöglich keine Eintagsfliege. Diese Aktien dürften im Zuge der nun anstehenden Welle von Zinsanhebungen unter Druck bleiben.

Abseits von dieser aktuellen Situation möchten wir hinweisen auf den am Dienstag veröffentlichten Artikel eines Lesers, der eine alternative Sichtweise für die Gamestop-Aktie aufgeworfen hat. Lesen Sie beim Anklicken an dieser Stelle den Artikel mit der Überschrift „Gamestop: fast Auslöser eines Finanz-Tsunamis – dennoch bald ein Blue-Chip?“



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