Aktien

Gamestop-Trades wieder möglich, Trade Republic löscht Kommunikation, Facebook schließt Gruppe

Trader vor seinem Screen

Gestern beschränkte Trade Republic den Handel mit einigen Aktien, darunter Gamestop und andere Highflyer. Viele Kunden hatten massive Probleme. Trades gingen gar nicht, oft waren bei Aktien wie Gamestop nur noch Schließungen möglich. Der gestrige Tweet von Trade Republic, in dem man auf dieses Problem hinwies, und auf welchen es gut 2.000 extremst kritische Kundenreaktionen gab (wir berichteten), ist jetzt vom Anbieter komplett gelöscht und durch einen neuen Tweet ersetzt worden…. als sei gestern nicht wirklich was Gravierendes passiert? Also sei die Kritik nicht wichtig, Transparenz nur bei positiven Kommentaren?

Geht man nach dieser neuen Meldung, dann läuft der Handel über Trade Republic jetzt wieder reibungslos. Aber auch unter diesem Tweet findet man inzwischen 387 Kommentare, die fast ausnahmslos sehr negativ ausfallen. Die Kundenbeschwerden sind massiv. Einige Kunden wollen ihre Konten auflösen. Ein Kunde berichtet zum Beispiel davon, dass bei Scalable der Handel gestern reibungslos funktioniert hätte. Andere Nutzer fordern dazu auf sich massenhaft bei der BaFin über Trade Republic zu beschweren.

Robinhood

Der US-Broker Robinhood hat heute verkündet den Handel mit Gamestop wieder teilweise zu erlauben. Das Unternehmen hat laut CNBC aktuell 1 Milliarden Dollar von Investoren erhalten um seine Bilanz zu stützen, um Beschränkungen im Handel von bestimmten volatilen Aktien aufheben zu können. Zu der Milliarde kamen nochmal 500 Millionen Dollar hinzu, auf die der Broker über Kreditlinien Zugriff hatte. Damit wolle man sicherstellen, dass Robinhood das erforderliche Kapital hat, um seinen Kunden weiterhin den Handel mit Aktien wie GameStop und AMC Entertainment zu ermöglichen. Robinhood-CEO Vlad Tenev sagte dazu gegenüber CNBC, dass das Anzapfen der Kreditlinien eine proaktive Maßnahme sei und bestritt, dass es sich um ein Liquiditätsproblem gehandelt habe. Man habe nun mehr Kapital, das man bei den Clearing-Häusern hinterlegen könne. Damit würde es ermöglicht im Idealfall mehr Handelsmöglichkeiten mit weniger Einschränkungen zu ermöglichen.

Facebook

Unterdessen hat Facebook eine 157.000 Mitglieder starke Gruppe namens „Robinhood Stock Trades“ geschlossen. Der Betreiber der Gruppe habe eine Benachrichtigung von Facebook erhalten, wonach die Gruppe wegen einer Verletzung des Regelwerks gesperrt wurde. Tja, was soll man dazu sagen? Zeitlicher Zufall? Gegen was für eine Regel wurde denn da genau verstoßen? Hat Facebook proaktiv gehandelt? Nur wieso, weshalb, warum? Will man jetzt für alle Bereiche des Lebens, wenn irgendwo ein Problem auftaucht, immer gleich die hierfür vorhandenen Diskussionsgruppen sperren oder gleich ganz löschen?

Ein Politikum

Die ganze Angelegenheit um die Gamestop-Aktie wird zunehmend zum Politikum in den USA. In der deutschen Politik wird man davon vielleicht in sechs Monaten was mitbekommen, wenn es längst zu spät ist? Aber zurück zur US-Politik. Jetzt wo die Demokraten den Präsidenten stellen und beide Kongress-Kammern in der Tasche haben, bekommen auch sehr linkslastige Abgeordnete wie Alexandria Ocasio-Cortez Aufwind. Sie hinterfragt aktuell, warum Privatanleger die Aktie nicht mehr kaufen konnten, während Hedgefonds weiterhin uneingeschränkt agieren konnten.  Gut, das mag daran liegen, dass die Hedgefonds ihre Trades nicht über eine „einfache Privatkundenklitsche“ wie Robinhood abwickeln, sondern direkt mit Banken und Clearingfirmen agieren, und ohne lästige Zwischenstationen. Aber für die Politik bietet so was gleich Raum für den großen Klassenkamp? Hearings im Kongress werden wohl folgen.



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6 Kommentare

  1. Das ist der Anfang vom Ende Für die „alten sozialen Netzwerke“. Das lassen sich die Jungen nicht mehr gefallen. Und wenn ich an meine Tochter denke, sie ist 21 Jahre, die lacht über Facebook. Sie sagt „das hat doch keiner mehr!“

  2. Im Subreddit wird auch berichtet, dass die NYSE gestern den Handel teilweise „pausiert“ hat.
    Ebenfalls wurde gestern der für die Gruppe wichtige Discord-Kanal wegen (vermeintlicher) Regelverstöße gesperrt. Und Discord ist jetzt nicht wirklich wegen seiner strengen Netiquette bekannt.

    Im Forum riecht es aktuell tatsächlich nach Klassenkampf!

  3. Frechheit was sich Facebook hier erlaubt, einfach Gruppen zu löschen, das ist aber nichts neues. Die Löschabteilungen sind übelste Ex-Stasi, Kulturmarxisten und ähnliche Kapitalismusfeinde.
    Leute, verlasst Facebook und geht auf Telegramm!

    1. Ja genau, dort denkt man selbst und frei, in der größten Zensurmaschinerie, die jemals existierte: den Telegramgruppen, in der jede andere Meinung gelöscht, jeder objektive Beitrag zerissen und jeder Andersdenkende gebannt wird.

  4. @Jörg Dressler
    Kapitalismus, eine Form der Wirtschaft und Gesellschaft auf der Grundlage des Strebens nach Kapitalbesitz des Einzelnen, nach Akkumulation und maximalem Gewinn. Und ausgerechnet bei Facebook, einer der reinsten Formen und übelsten Auswüchse des digitalen Plattformkapitalismus, befinden sich Löschabteilungen, zusammengesetzt aus Ex-Stasis und Kapitalismusfeinden?

    Klingt irgendwie schizophren, antagonistisch, inkonsistent, aber durchaus spannend. Scheint sich demnach doch der Kapitalismus auf seinem Weg zur zunehmenden Monopolisierung und überbordenen Machtkumulierung durch unkontrollierte Datenanhäufung langsam selbst von innen heraus zu zersetzen. Durch eine Art marxistischer Deep-Eraser-State, tief im System verborgen.

    Hellhörig und hoch motiviert ob dieses sensationellen Mind-Catchers wollte ich Facebook sofort verlassen, bis mir einfiel, dass ich dort ja gar nicht gemeldet bin. Egal, ich wollte mich trotzdem schnell bei Telegramm anmelden, konnte dieses aber nirgendwo finden.

    +++ Suche Telegramm +++ Stop +++ Kann nichts finden +++ Stopp +++

    Vielleicht Telegram mit einem Emm, dessen Entwickler-Team sich laut Telegram-Website in Dubai befindet, und das irgendwie aus der russischen Telegram Messenger LLP in hervorgegangen ist? Die wiederum unter der Londoner Adresse eines Unternehmens registriert ist oder war, das seinen Hauptsitz auf den Seychellen hat, und dessen Gesellschafter zwei Firmen mit Sitz auf den Jungferninseln und in Belize sind? Klingt seriös und maximal vertrauenerweckend…

    Enttäuscht und schlagartig demotiviert musste ich feststellen, dass es sich hierbei nur um einen weiteren Messengerdienst, wie Threema, Signal, iMessenger, WhatsApp oder dem Facebook Messenger (eine kleine Zusatzfunktion von Facebook) handelt. Der Reiz und Vorzug mag vermutlich in der Möglichkeit öffentlicher Supergruppen liegen, in denen man mit tausenden von Unbekannten sinnvolle und interessante Themen diskutieren, aber auch andere mit Werbemüll zuschütten oder Aufrufe und Absprachen zu kriminellen Handlungen tätigen kann. Alles natürlich in einer serverbasierten Cloud, der man aber gerne sein volles Vertrauen schenkt, nachdem man sich das dahinter befindliche Firmenkonstrukt erst einmal ins Bewusstsein gerufen hat.

  5. Wer oder was sind eigentlich jene mysteriösen „Kulturmarxisten“, die seit einiger Zeit zusehends öfter in öffentlichen Foren und sozialen Medien angeprangert werden?

    Wer sich mit dem Thema befasst, findet schnell heraus, dass es sich dabei um einen aus Amerika stammenden Kampfbegriff gewisser einschlägiger, dogmatisch-ideologischer Gruppierungen handelt, die sich zumeist aus weißen, christlich-konservativen Möchtegern-Ariern rekrutieren, platzend vor Stolz auf ihre europäische Abstammung und Ethnie. Im deutschsprachigen Raum wird heute der Begriff des „Kulturmarxismus“ gerne als Weiterentwicklung oder Überbegriff früherer, etwas unscharfer Kampfparolen verwendet, wie etwa „Gutmenschen, politisch Korrekte, Blogwarts, linksgrün Versiffte oder Greta“. Klingt einfach irgendwie besser, bedeutungsschwangerer und intellektueller.

    Jetzt kennen wir die Urheber und Verbreiter des Begriffes und haben etwas über seinen Einsatzzweck erfahren. Doch wer genau sind nun die Kulturmarxisten? Es handelt sich um finstere, neomarxistische Intellektuelle, die die Welt mit ihrer Propaganda erziehen wollen, um dem globalen Sozialismus schleichend Einzug zu gewähren. Aber es sind auch Feministen, Homosexuelle, Multikulturalisten, Migranten und Umweltschützer. Was die genau nun mit Marx zu tun haben, bleibt vorerst weiterhin geheimnisumwittert. Und ob sich Facebooks Löschtruppen aus diesen Menschen zusammensetzen, darf ebenfalls in Frage gestellt werden.

    Vielleicht werden wir eines Tages Antworten auf diese Fragen erhalten. Wer weiß, eventuell schon beim nächsten Update des Begriffes.

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