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Gas-Krise ist nicht vorbei – warum Russland tieferen Gaspreis sehen will

Gas-Flamme auf Herd

Die globale Gas-Krise ist noch lange nicht vorbei. Asien kauft nach wie vor kräftig Flüssiggas ein, offenbar vor allem in den USA. Die Preise in den USA und Europa notieren immer noch auf sehr hohem Niveau. Der folgende TradingView Chart zeigt seit Mai den Verlauf in den Terminkontrakten für US-Erdgas (blaue Linie), und für das europäische Erdgas Dutch TTF (orange Linie). Man sieht , dass das amerikanische Erdgas sich derzeit seinem Hochpunkt vom 6. Oktober wieder annähert. Dutch TTF hängt noch zurück. Aber man sieht, dass der Terminmarktpreis für Gas in Europa in nur fünf Monaten von 23 Euro auf derzeit um die 87 Euro angestiegen ist. Auf diesem Preisniveau liegen derzeit neben November auch die Liefermonate Dezember und Januar.

Chart zeigt Kursverlauf im Gaspreis für die USA und Europa seit Mai

Warum Russland einen tieferen Gaspreis sehen will

Eigentlich müsste man sich sachlogisch denken: Je höher der Gaspreis, desto mehr freuen sich die Förderländer wie Russland oder Katar. Denn dann sprudeln die Einnahmen natürlich umso mehr. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Denn man bedenke: Wenn sich die Preise für Gas in kurzer Zeit verfielfachen, werden sich nicht nur industrielle, sondern auch private Verbraucher nach Alternativen umsehen. Denn man kann oder will solche exorbitant gestiegenen Preise für Gas eben nicht dauerhaft zahlen. Und so schaut man sich um, ob Öl, Kohle oder alternative Energien billiger sind, und auch als Energiequelle genutzt werden können. Dass dieses Szenario gar nicht so unrealistisch ist, zeigt beispielsweise die heutige Meldung der „RP“, dass wegen dem explodierten Gaspreis in Mönchengladbach 50.000 Heizungen umgerüstet werden sollen.

Natürlich geht so was im großen Maßstab nicht von heute auf morgen. Aber bleiben die Gaspreise längere Zeit so exorbitant hoch, besteht die Gefahr, dass sich mehr und mehr Abnehmer in Europa nach alternativen Brennstoffen umsehen. Das kann kaum im Interesse Russlands sein. So sieht es auch der Gas-Experte Stephen Stapczynski. Seiner Aussage nach gibt es Stimmen aus Russland, dass man den Gaspreis für die Abnehmer in Europa gerne 60 Prozent tiefer als heute sehen möchte. Wäre es dann nicht eigentlich angebracht, dass Russland jetzt den europäischen Markt mit zusätzlichen Gas-Lieferungen flutet, um den Gaspreis am Terminmarkt runterzudrücken?



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