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Zu wenig Gas – IEA-Chef schiebt Russland den Schwarzen Peter zu

Gas-Flamme

Erst gestern wies der russische Gaskonzern Gazprom per Twitter darauf hin, dass die Füllmengen in den unterirdischen Lagerstätten in Europa stark reduziert seien (nur noch zu gut 50 Prozent). Es sei für diesen saisonalen Zeitpunkt der niedrigste jemals gemessene Stand. Auf der einen Seite kann man sagen: Russland verursacht über seinen Lieferanten Gazprom diese Knappheit doch selbst durch zu geringe Lieferungen. Dem entgegen könnte man auch sagen: Dann sollen die europäischen Abnehmer doch mehr Gas in Russland bestellen? Nun hat sich Fatih Birol, der Chef der Internationalen Energie-Agentur (IEA), zu dem Thema geäußert.

Russland soll schuld sein an der Gas-Knappheit in Europa

Nach übereinstimmenden Berichten (siehe hier und auch hier) schiebt Fatih Birol Russland den „Schwarzen Peter“ zu. Russland sei schuld an den geringen Gasreserven in Europa. Gegenüber Journalisten sagte er, dass Gazprom bis zu einem Drittel mehr Gas durch die bestehenden Pipelines leiten könne, was etwa 10 Prozent des täglichen europäischen Gas-Verbrauchs entspreche. Aufgrund des Verhaltens von Russland käme es zu Engpässen am europäischen Gasmarkt, so die Aussage von Fatih Birol. Seiner Aussage nach hat Gazprom seine Gas-Lieferungen im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent reduziert – wohingegen Lieferanten wie Algerien, Aserbaidschan oder Norwegen ihre Lieferungen nach Europa erhöhen würden.

Russland nennt Gegenargumente

Aussagen aus Russland aus den letzten Tagen und Wochen schieben den Schwarzen Peter den europäischen Politikern und Abnehmern für Gas zu. Dort würde man die neue Gas-Pipeline Nord Stream 2 blockieren. Ebenfalls hätten die europäischen Abnehmer es unterlassen mehr langfristige Lieferverträge zu schließen (zu günstigeren Preisen), und nun zahlt man (folgt man dieser Logik) den Preis in Form deutlich höherer Preise am Spot-Markt. Wladimir Putin wies unlängst darauf hin, dass Russland seine Verpflichtungen aus Lieferverträgen einhalte. Ende Dezember wies Wladimir Putin auch darauf hin, dass Gazprom seine Liefermengen über die bestehenden Pipelines nicht ausgeweitet habe, weil französische und deutsche Abnehmer keine erhöhten Kaufanfragen gestellt hätten. Auch sei von Deutschland aus Gas wieder Richtung Polen und Ukraine verkauft worden, anstatt die Nachfrage nach Gas am deutschen Markt zu beachten.

IEA-Chef Fatih Birol sagte gestern, dass er darauf hinweisen wolle, das die derzeit geringen Gas-Liefermengen aus Russland Richtung Europa zeitlich mit den erhöhten geopolitischen Spannungen wegen der Ukraine zusammenfallen würden. Die Unsicherheit bezüglich der Gaspreise und des Angebots bleibt laut Fatih Birol hoch, da der größte Teil der Heizsaison noch bevorstehe. Gazprom ist seiner Aussage nach für einen Großteil der geringeren Lagerbestände an Gas in Europa verantwortlich, da das Unternehmen die Hälfte des Defizits an gelagertem Gas ausmache, obwohl es nur 10 Prozent der europäischen Speicherkapazität besitze.

Der Experte Tom Marzec-Manser verweist auf die nach wie vor geringen Gas-Liefermengen aus Russland.

Der Experte Stephen Stapczynski weist aktuell darauf hin, dass sich die US-Exporte von Flüssiggas einem Rekordhoch nähern. Europa steuert also verstärkt um auf die USA als Ersatzlieferanten für das fehlende russische Gas?



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