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Dauert die Gaskrise länger? Gaslieferungen: Russland legt Drosselung des Gasflusses bis 2025 fest

Gaslieferungen: Russland legt Drosselung des Gasflusses bis 2025 fest

Trotz der ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland haben sich die deutschen Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt. Kommt Deutschland also ohne den Gasfluss aus Russland über den Winter? Kurzfristig scheint das zu gelingen, aber können wir die wegfallenden Gaslieferungen auch mittelfristig kompensieren, und das zu einem einigermaßen vernünftigen Preis? Diese Frage ist aktueller denn je, denn Russland hat festgelegt, wie stark es den Gasfluss bis 2025 drosseln wird.

In einem aktuell veröffentlichten Haushaltsentwurf hat Russland dargelegt, wie stark seine Gaslieferungen an den Weltmarkt in den nächsten drei Jahren zurückgehen werden – und die Zahlen unterstreichen die große Herausforderung, vor der die europäischen Energieverbraucher stehen.

Russlands drosselt seine Gaslieferungen bis 2025

Die jährlichen Gasexporte über Pipelines werden um fast 40 % auf 125,2 Milliarden Kubikmeter in den Jahren 2023-2025 sinken, so der Entwurf des Dreijahresplans, der Bloomberg vorliegt. In diesem Jahr schätzt man den Gasexport über Pipelines auf 142 Milliarden Kubikmeter, wie aus dem Entwurf hervorgeht.

Dazu sagt Bloomberg aktuell: Der russische Gasriese Gazprom hat die Gaslieferungen nach Europa – seinem historisch größten Markt – seit Monaten aufgrund der Sanktionen gegen die Region wegen der Invasion in der Ukraine reduziert. Einige europäische Kunden wurden von den Lieferungen abgeschnitten, nachdem sie sich geweigert hatten, der Forderung des Kremls nachzukommen, für die Lieferungen in Rubel zu zahlen. Russland hat ebenfalls Lieferungen durch wichtige Pipelines nach Europa unter Berufung auf westliche Sanktionen und technische Gründe eingestellt. Damit bleiben der Region nur noch die gedeckelten Lieferungen über die Ukraine und die Lieferungen über den zweiten Abschnitt von TurkStream als letzte verbleibende Versorgungsrouten für den Kontinent.

Der Gasfluss verlagert sich auf andere Regionen

Der Haushaltsentwurf, der Bloomberg vorliegt, enthält keine Aufschlüsselung der Exportmärkte. Ausgehend von den historischen Daten und den aktuellen Lieferströmen könnte die Türkei jedoch der größte Einzelkunde von Gazprom auf dem Kontinent werden. Im vergangenen Jahr exportierte der russische Gasproduzent fast 27 Milliarden Kubikmeter in die Türkei.

China könnte im nächsten Jahr der zweitgrößte Abnehmer von russischem Pipelinegas werden. Die Vereinbarung zwischen Gazprom und der China National Petroleum Corporation sieht eine schrittweise Erhöhung der Gaslieferungen über die Kraft Sibieriens Pipeline auf rund 21 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2023 vor, während in diesem Jahr rund 15 bis 16 Milliarden Kubikmeter geplant sind.

Ausgehend von den obigen Annahmen und den jährlichen Gaslieferungen von etwa 30 Milliarden Kubikmetern an die Länder der ehemaligen Sowjetunion könnten etwa 45 Milliarden Kubikmeter Gas an den europäischen Markt geliefert werden. Das entspricht etwa 123 Millionen Kubikmetern pro Tag. Russland exportiert derzeit wegen der Sanktionen nur etwa 80 Millionen Kubikmeter pro Tag nach Europa, so Bloomberg.

Diese Zahlen können sich noch ändern, da Gazprom die endgültige Entscheidung über die Gaslieferungen auf der Grundlage der Marktbedingungen, der Kundenanfragen und einer möglichen weiteren Eskalation des Konflikts zwischen Russland und dem Westen trifft.

Die Ölexporte sollen steigen

Laut Bloomberg rechnet Russland mit einem leichten Anstieg der Rohölexporte, obwohl Europa die meisten Käufe aus dem Land eingestellt hat. Der dreijährige Haushaltsentwurf sieht vor, dass im nächsten Jahr 250 Millionen Tonnen Rohöl exportiert werden, gegenüber 243 Millionen Tonnen in diesem Jahr, sowie 255 Millionen Tonnen und 260 Millionen Tonnen in den Jahren 2024 bzw. 2025.

Die Verschiffung von Erdölerzeugnissen hingegen soll laut dem Entwurf von 130 Millionen Tonnen in diesem Jahr auf 113 Millionen Tonnen im Jahr 2023 zurückgehen.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Das ist doch schon mal was.

    Spanien baut die Gasverbindung mit Frankreich um bis zu 18 % aus

    https://nachrichten.es/spanien-baut-die-gasverbindung-mit-frankreich-um-bis-zu-18-aus/

  2. Jetzt passiert das was ich als Möglichkeit annahm. So sehr wie unsere Politik sagt, Russland sei auf uns mit seinem Gasverkauf angewiesen, es brauche unser Geld, dem ist nicht so. Russland reduziert freiwillig und lenkt dann die Gasströme um. Was glauben wir haben wir, Europa für eine Stärke, daß wir es so unüberlegt wagen es mit anderen wie Russland aufzunehmen ? Oder haben die USA uns jetzt dort wo wir sein müssten und uns hinten anstellen müssen um beim großen Bruder betteln gehen zu müssen. Unsere Politiker sind betteln gegangen nach Energie – und bekamen keine.
    Russland wurde so oft abgewiesen, wurde ständig gegens Bein gestoßen, ins Gesicht geschlagen, daß sie jetzt sagen „Njet“ für die Zukunft. Haben wir gedacht nach diesem Russland Bashing auch gegen das Volk gegen die Kultur, gegen den Sport usw. würde sich das Verhältnis wieder normalisieren ? Wir beteiligen uns an einem Krieg gegen Russland (so sieht es auch der Wissenschaftliche Dienst) und haben anscheinend die 27 Mill. Toten die Deutschland zu verantworten hat vergessen, beiseite gewischt und unterstützen jetzt wieder Nazis was diese sind. Denn für diese Nationalisten sind die Russen nur „Orks“. Und unsere Medien haben noch 2019 diese als Nazis beschrieben. Jetzt werden sie verharmlost.
    Es wird nicht schön werden.

    1. Hallo Ottonorma,
      das alles ist vollkommen richtig.
      Nur, bei den Ideologen, die das alles zu verantworten haben, können Sie sich die Zeit sparen, das alles zu schreiben.
      Im nächste Frühjahr sieht das alles anders aus, denn dann hat jeder Bundesbürger (ohne Ausnahme) die vorläufige Quittung für das Handeln der Regierung bekommen.
      Aber eben nur die vorläufige Quittung.
      Die Ideologen werden dann den Druck auf die Bevölkerung verstärken, und noch abstrusere Maßnahmen versuchen durchzusetzen.
      Mal sehen ob das Volk sich weiter verarschen lässt.
      Ich denke schon, denn die Ärmsten der Armen haben dann nur 2 Möglichkeiten: Weiter den Ideologen glauben, oder sie zum Teufel jagen.
      Ich denke, sie werden weiter glauben.
      Das ist so eine Eigenart der Deutschen, bis in den Untergang.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  3. @Helmut

    Wir suchen gerade zwischen Porto, Lisboa und Castello Branco eine Immobilie.

    Würden Sie kaufen?

    Erfrieren wird man dort nicht, aber am frühen Morgen ist es kalt und teilweise feucht.
    Die Alternative wäre die wärmere Südküste. Geplant ist ein Überwintern für einige Jahre.

    Wir wollen in Portugal arbeiten, einen Nutzgarten, Wasser, Fahrrad fahren und Ruhe.
    Außerdem werden wir die kostenpflichtigen Autobahnen nutzen, da die Landstraßen teilweise nicht zu befahren sind.

    Bezüglich Steuern hat sich Einiges geändert.

    Grüße

    1. Hallo Chris, Portugal kenne ich auch nicht aus persönlichen Etfahrungen.
      Aber generell würde ich empfehlen, immer einige Monate in der Region (in der ich dann leben will) eine Immobilie anzumieten.
      So kann man sich ersteinmal „die Ecke“ in Ruhe ansehen.
      Unser ehemaliger langjähriger Mitarbeiter verwaltet seit einigen Monaten ganz bei uns in der Nähe einen Komplex mit Ferienwohnungen für etwa 40 Personen. Alle Ferienwohnungen sind auch schon bis 2024 (fasst nur von Deutschen) ausgebucht. Hauptsächlich über mehrere Monate, was belegt, dass es sich nicht um eine typische Vermietung an Feriengäste für einige Wochen handelt. Sondern um Menschen, die eine längere Bleibe suchen.
      Da ohne spanische Steuernummer keine Vermietung im üblichen Sinne möglich ist, weichen diese Menschen dann für einige Wochen und Monate auf eine Ferienwohnung aus, um von dort aus etwas langfristiges zu suchen.
      Ja, wir könnten hier auch ohne Heizung gut überleben. Bei etwa 6 bis 7 Grad Außentemperatur im Winter, würde die Raumtemperatur dann in der Nacht auf etwa 12 bis 15 Grad absinken.
      Aber lieber am Abend ein Stück Holz in den Ofen.
      Auch in Spanien sind die Zinsen für Baudarlehen explodiert. Wer natürlich das Konto voll hat, hat damit keine Probleme.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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