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Gaspreis ist weiter deutlich am Fallen – warum der „Dank“ an Putin geht

Gas-Flamme auf Herd

Wladimir Putin hat am Mittwoch gesprochen, und der Gaspreis spurte, nämlich auf dem Weg nach unten. Wir berichteten bereits darüber. Im Zuge der explodierenden Preise für Gas war wohl die Befürchtung auf russischer Seite groß, dass sich immer mehr Abnehmer auf mittlere und längerfristige Sicht nach Brennstoff-Alternativen und womöglich auch anderen Lieferanten umsehen. Wladimir Putin wies den russischen Gas-Konzern Gazprom am Mittwoch an ab dem 8. November mehr Gas nach Europa zu senden. Somit konnte der europäische Gaspreis (Terminkontrakt Dutch TTF für die Dezember-Lieferung) deutlich fallen.

Gaspreis fällt weiter dank Putin-Ansage

Heute geht es weiter bergab. Der Gaspreis fällt seit Anfang der Woche von 91 Euro auf aktuell 66,55 Euro. Im TradingView Chart sehen wir den Preisverlauf für den Gas-Terminkontrakt seit Anfang August. Die Preisexplosion, die am 24. September begann, ist durch den aktuellen Rückgang wieder zunichte gemacht worden. Dennoch ist es immer noch ein sehr hohes Preisniveau vergleichen mit Preisen unter 20 Euro im Frühjahr. Um drastisch steigende Gas-Kosten werden die Verbraucher in Europa in diesem Winter nicht herumkommen.

Beobachter freuen sich

Die Experten der Commerzbank betiteln ihre heutige Rohstoff-Analyse mit dem kurzen Ausspruch „Danke, Putin“. Dies ist sicherlich nicht als Huldigung an Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu verstehen. Vielmehr will man offensichtlich den klaren Zusammenhang verdeutlichen, den der seit zwei Tagen deutlich fallende Gaspreis hat zu der Verkündung von Wladimir Putin, dass in Kürze mehr Gas nach Europa fließen soll. Auch der Chef der Internationalen Energie-Agentur Fatih Birol zeigt sich begeistert. Das Signal von Russland mehr Gas nach Europa zu liefern sei ermutigend.

Die einfache Logik am Gasmarkt: Mehr Gas in den Speichern in Europa drückt den Gaspreis. Dieses Szenario nimmt der Terminmarkt natürlich sofort vorweg, was man aktuell in den deutlich fallenden Preisen sieht. Man bedenke: Noch am 5. Oktober sah man den Gaspreis im Dutch TTF-Kontrakt bei 161 Euro in der Spitze, jetzt sehen wir 66,55 Euro. Das ist ein drastischer Rückgang der Rallye in kurzer Zeit.

Aber zurück zu den Experten der Commerzbank. Sie sind der Meinung, dass es bis zuletzt Zweifel an höheren russischen Gas-Lieferungen Richtung Deutschland gab, aufgrund der zuletzt sehr niedrigen Eingänge am deutschen Knotenpunkt Mallnow. Diesmal aber sei die Ankündigung von Wladimir Putin konkreter. Bis zum 8. November seien laut Putin die russischen Vorräte gefüllt, so dass man danach die Speicher in Österreich und Deutschland füllen könne. Die Erdgasspeicher in Deutschland sind laut den Commerzbankern derzeit zu gut 70 Prozent gefüllt, die in der EU zu 77 Prozent. Normalerweise liege der Füllstand zu dieser Jahreszeit bei mehr als 90 Prozent. Höhere Erdgaslieferungen Russlands seien daher dringend erforderlich um gut über den Winter zu kommen.

Chart zeigt Verlauf im Dutch TTF Gaspreis seit August



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1 Kommentar

  1. Das Investoren eine derart eingeschliffene Sichtweise zu Putin/Russland haben ist sehr amüsant.
    Es kann nur so sein, dass die Russen nur politische Vorteile aus der Situation schlagen wollen. Das mag durchaus auch sein und ist legitim. Dass Putin einer weiteren Eskalation der Energiekrise vermeiden möchte weil dadurch unweigerlich auch Russland betroffen ist kommt anscheinend keinem der Profi-Analysten in den Sinn.

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