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Warum der Gaspreis am Terminmarkt so deutlich fällt

Gas-Flamme

Eigentlich müsste der Gaspreis doch wegen der gerade in Deutschland bestehenden massiven Abhängigkeit von Gas aus Russland weiter ansteigen, wo doch die Angst nach wie vor da ist, dass entweder Russland Gas noch als Wirtschaftswaffe gegen Europa einsetzt, oder dass Europa von sich aus ein Gas-Embargo verhängt? Aber nein. Der Gaspreis am Terminmarkt fällt spürbar. Noch am Donnerstag vor Ostern bei über 100 Euro, so ist der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF heute im Tief auf 85 Euro gefallen – aktuell sieht man Kurse um 90 Euro. Im Chart am Ende des Artikels sieht man den Kursverlauf seit dem 23. Februar, also dem Tag vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Die Gewinne wegen der Verknappungsangst durch den Ukraine-Krieg wurden bis jetzt also wieder vollständig abgegeben.

Gaspreis fällt – IEA-Report zum Thema Gas sorgt für Erleichterung

Direkt vor Ostern hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihren Gasmarkt-Report für das zweite Quartal 2022 veröffentlicht. Er hat offenbar durch Aussagen für die Nachfrage nach Gas für Entspannung im Gaspreis gesorgt. In dem Bericht wird das Wachstum des weltweiten Erdgasverbrauchs für 2022 nämlich von zuvor +1 Prozent auf knapp unter Null korrigiert, was einer negativen Nachfragekorrektur von 50 Mrd. m³ gegenüber der Prognose des letzten Quartalsberichts entspricht. Fast alle Regionen wurden bei der Nachfrage nach unten korrigiert, wobei ein Großteil der Auswirkungen auf den asiatisch-pazifischen Raum entfällt, und zwar aufgrund einer Kombination aus verschlechterten Wirtschaftsaussichten aufgrund hoher Rohstoffpreise und dem Risiko physischer Beschränkungen beim Zugang zu Flüssiggas (LNG) – insbesondere für preissensible Käufer mit einem höheren Engagement in der kurzfristigen LNG-Beschaffung.

Der Erdgasverbrauch in Europa und Eurasien, für den bereits ein Rückgang im Jahr 2022 erwartet wurde, nachdem die wetterbedingte Nachfrage im Jahr 2021 stark zugenommen hatte, wurde durch die IEA weiter nach unten korrigiert. Es wird erwartet, dass der Verbrauch in diesen Regionen im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um fast 6 Prozent zurückgehen wird. Die Aussichten seien nach wie vor höchst ungewiss, und insbesondere auf den aufstrebenden Gasimportmärkten sei aufgrund der anhaltenden Versorgungsspannungen, der hohen Preise und der Volatilität mit weiteren negativen Auswirkungen zu rechnen.

Was das zu bedeuten hat? Vor allem in Schwellenländern in Asien dürfte der explodierte Gaspreis zu eingeschränktem Konsum von Gas und damit weniger Nachfrage führen. Dieses Szenario in Worte gefasst durch die IEA sorgt nun wiederum dafür, dass man am Weltmarkt von einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Versorgungsknappheit ausgehen kann, auch in Europa. Und somit kann der Gaspreis am Terminmarkt derzeit fallen.

Gaslager in Deutschland füllen sich deutlich

Trotz Ukraine-Krieg fließt derzeit weiter Gas aus Russland nach Europa. Hier ist die Heizperiode so gut wie beendet, und nun ist man in Europa wieder dabei seine Gaslager aufzufüllen. Wie Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, steigen die Füllstände der deutschen Gaslager seit dem 5. April ohne Unterbrechung immer weiter an. Am 5. April noch bei 26,48 Prozent, sind die Bestände für Gas bis Ostersonntag auf 30,78 Prozent gestiegen. Dies sorgt offenbar ebenfalls für eine entspannte Lage, und einen fallenden Gaspreis.

Putin ohne weitere Drohung

Experten für das Thema Gas wie Stephen Stapczynski haben auch darauf verwiesen, dass von Wladimir Putin erst einmal keine neuen Drohungen ausgesprochen wurden zu möglichen Lieferunterbrechungen Richtung Europa. Denn letzte Woche Donnerstag habe er bei einem Treffen seine Warnungen vor Lieferunterbrechungen nicht wiederholt. Dennoch sehe die russische Regierung Probleme bei den Zahlungen für russische Exportenergielieferungen, da Banken aus den unfreundlichen Staaten Geldüberweisungen verzögern würden.

Meine Meinung: Schaut man auf den Verlauf im Gaspreis am Terminmarkt in den letzten Tagen, dann wirkt die Lage doch sehr entspannt. Aber dies ist womöglich nur eine trügerische Ruhe. Jederzeit könnten von Wladimir Putin oder von Seiten der EU neue Aussagen kommen, welche die Lage am Gasmarkt verschärfen, und den Gaspreis von jetzt auf gleich kräftig ansteigen lassen könnten.

Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 23. Februar



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6 Kommentare

  1. Ich hoffe Putin dreht Europa des Gashahn zu. Ich wette die USA werden dann kein einziges Schiff mehr nach Europa schicken, weil sie in Asien höhere Preise dafür erhalten. Die USA haben keine Freunde nur hegemoniale Interessen die sie mit Gewalt durchsetzen. Alle 25 Kriege die die USA geführt haben waren Angriffskriege. Niemand hat jemals die USA angegriffen.

    Übrigens ihr Klimaverbesserer: Die USA verbrauchen doppelt soviel Ressourcen wie die Erde hergibt. Da müssen natürlich andere kürzer treten.

    1. Niemand hat jemals die USA angegriffen:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Angriff_auf_Pearl_Harbor
      https://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_11._September_2001

      Ich weiß, das erste ist nur ein Märchen und das zweite war eigentlich die CIA 😂

  2. Hier kann man nur zustimmen.

  3. Solange Deutschland keine schweren Waffen liefert bleibt die vertragliche Zusage an Gasmengen seitens Russland erhalten. Auch wenn Gazprom der Vertragspartner ist, der Dirigent ist die russische Regierung.
    Meine Meinung: RU Gas gegen keine D Waffen ist der gemeinsame Nenner.

  4. Ich kann mich „Robert“ nur anschließen!!!!!!!!!

  5. Ich bin der gleichen Meinung wie Tom , pearl halber war die japanische Antwort auf die Unterdrückung des Königreiches und der USA , nicht vergessen was die Antwort gewesen ist 2 Atombomben!
    9/11 eine Tragödie! , aber wurde jemals veröffentlicht wieviel Zivilisten in Afghanistan durch deren “ Einsatz “ ums Leben kamen?
    Bitte das eigene Hirn einschalten , nicht nur blind den Medien vertrauen .

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