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Gaspreis-Explosion – so ist die Lage der Gasspeicher in Deutschland

Gasflamme auf Herd

Der Gaspreis für die deutschen und europäischen Verbraucher explodiert seit Tagen und Wochen. Die böse Überraschung für Wohnungsmieter kommt dann erst wohl noch bei den Betriebskostennachzahlungen nächstes Jahr für 2022. Wichtig am Terminmarkt für Gas, der quasi als Vorlaufindikator für die Endverbraucher gilt, ist vor allem die Füllmenge in den Gasspeichern in Deutschland. Wie viel Reserven sind noch da, um über den restlichen Winter zu kommen? Wird es knapp? Dieses Droh-Szenario treibt die Preise für Gas in die Höhe.

Die jüngste Verschärfung der Lage rund um die Ukraine nährt die Angst vor noch weniger Gas-Lieferungen aus Russland. Gazprom erwähnte gestern in einer Mitteilung die deutlich sinkenden Gasspeicher in Deutschland, in ganz Europa und der Ukraine – gleichzeitig erwähnte man die auf Rekordniveau gestiegenen Lieferungen Richtung China. Das war wohl als klares Signal zu werten, dass man sich von Europa als großem Abnehmer verstärkt unabhängig machen will? Gestern stieg der Gaspreis am Terminmarkt mal eben um 16 Prozent auf über 91 Euro an – heute wird dieses Niveau gehalten. Auf jeden Fall droht weiterhin wenig Gas aus Russland zu fließen, und die Lage am Markt bleibt angespannt.

Blick auf die Gasspeicher in Deutschland

Umso interessanter ist es zu sehen, wie voll die Gasspeicher in Deutschland denn derzeit wirklich sind. Gazprom erwähnte gestern für unterirdische Gasspeicher in Deutschland mit Stand vom 22. Januar einen Füllstand von 41,8 Prozent. Schaut man direkt auf die Original-Statistik bei „Gas Infrastructure Europe“, dann sieht man einen Füllstand der gesamten deutschen Gasspeicher am 23. Januar (aktuellste Daten) von 41,23 Prozent. Am 15. Januar waren es noch 46,5 Prozent, und am 15. Dezember 2021 noch 57,96 Prozent. Die Lagermengen gehen also spürbar zurück. Die Grafik zeigt die Füllmenge in Prozent von September 2020 bis zum 23. Januar 2022. Dort sind Daten von 21 Gasspeicher-Unternehmen in Deutschland enthalten, darunter auch Gazprom mit seinem deutschen Speichereinrichtungen.

Vergleicht man das mit dem Vorjahr, dann sieht man aktuell deutlich weniger gespeichertes Gas. Am 15. Dezember 2020 waren die Gasspeicher zu 79,04 Prozent gefüllt, und am 15. Januar 2021 zu 58,2 Prozent. Schaut man mal, wie leer die deutschen Gasspeicher zum Ende des Winters im letzten Jahr waren, dann kann man schon etwas ängstlich werden, zumal ein Bodensatz an Gas aus den Tanks nicht entnommen werden kann, um den Druck aufrecht zu erhalten. Am 1. April 2021 waren die Gasspeicher in Deutschland noch zu 27,76 Prozent gefüllt.

Schaut man auf die aktuellsten Daten von vorgestern, sind die Gasspeicher aktuell ganze 10 Prozentpunkte leerer als vor genau einem Jahr. Setzt man diesen Vergleich fort, wären das zum 1. April nur noch um die 17 Prozent Füllmenge. Aber nun stellt sich die Frage: Wie umfangreich sind die Tanker-Lieferungen von Flüssiggas, die derzeit vor allem aus den USA in Europa eintreffen? Sie werden auf keinen Fall einen vollwertigen Ersatz für fehlendes russisches Gas darstellen. Aber sie können womöglich die kräftige Leerung der Gasspeicher etwas abbremsen, um über diesen Winter zu kommen. Der Gaspreis bleibt aber unter Druck. Weiter steigende Preise sind bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts denkbar.

Grafik zeigt prozentuale Auslastung der Gasspeicher in Deutschland Grafik: Finanzmarktwelt.de mit Daten von Gas Infrastructure Europe



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1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Kummerfeld,

    danke für den interessanten Artikel.
    Nach Lektüre von https://www.nachdenkseiten.de/?p=80121
    frage ich mich, wer für den Füllzustand der Gasspeicher verantwortlich ist, ob diese Person fehl am Platz ist und ob es geregelt ist, daß man erst nach Erreichen eines Mindestfüllstands knappes Gas mit Riesenprofit weiterverkaufen darf.

    Freundliche Grüße

    Falk Immendörfer

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