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Gaspreis quo vadis? Entlastende Faktoren vs Lieferungen aus Russland

Gasflamme auf Herd

Wie geht es weiter mit der Entwicklung im europäischen Gaspreis am Terminmarkt? Der entscheidende Terminkontrakt Dutch TTF (Liefertermin Februar) war nach seinem wochenlangen kräftigen Anstieg zum Jahresende schnell und brutal abgestürzt, von 180 Euro auf 68 Euro zum Jahresanfang, und das in nur wenigen Tagen! Jetzt hängt der Markt in gewisser Weise in der Luft.

Entlastende Faktoren für den Gaspreis

Der große Crash im Gaspreis kam zustande, nachdem im Dezember klar wurde, dass zahlreiche Tanker aus Übersee Richtung Europa unterwegs waren um Flüssiggas zu liefern. Dies schien die Lösung des Problems der sich rasch leerenden Gastanks in Europa zu sein. Der Gaspreis konnte daraufhin seinen auch durch Spekulationen übertriebenen Anstieg beenden und crashte in den Keller. Dann ging es zuletzt wieder bergauf, von 68 Euro zum Jahresanfang auf 100 Euro am Freitag. Heute sehen wir Kurse um die 88 Euro. Im TradingView Chart  am Ende des Artikels sehen wir den Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 15. November. Entlastend auf den Terminmarktpreis wirkt aktuell zum einen, dass offenbar wirklich viele Tanker unterwegs sind Richtung Europa. Noch mehr Gas-Mengen per Flüssiggas-Tankern helfen die Lager zu füllen, und den Gaspreis zu entlasten. Der Tweet des Experten Tom Marzec-Manser zeigt umfangreiche Lieferungen von Flüssiggas per Schiff nach Europa.

Außerdem merkt der Experte Stephen Stapczynski an, dass die in den letzten Monaten explodierenden Gaspreise dazu geführt haben, dass es in Europa zu weitreichenden Produktionskürzungen kam bei Industrieunternehmen, deren Produktion viel Gas benötigt. Denn die Herstellungskosten explodierten durch den hohen Gaspreis derart, dass man den Produktionspreis seines Produkts nicht mehr an die Endkunden weitergeben konnte. Also fuhr man seine Produktion runter, wodurch die Nachfrage nach Gas durch die Industrie sank. Laut Stephen Stapczynski sank die industrielle Nachfrage nach Gas in Großbritannien im 4. Quartal 2021 um satte 54 Prozent. In Nordeuropa ging sie in der letzten Woche um 7 Prozent zurück. Weniger Nachfrage wirkt natürlich entspannend auf den Gaspreis.

Weiterhin wenig Lieferung aus Russland

Wo es also Gründe gibt, die für einen rückläufigen Gaspreis sprechen, da gibt es auch immer noch Preistreiber. Und wie schon letzte Woche, so bleiben die russischen Gas-Lieferungen per Pipeline nach Europa hier auch heute das Hauptthema. Die deutsche Politik (unter der Fuchtel des jetzt grünen Wirtschaftsminister Habeck) blockiert die Genehmigung der neuen Ostee-Pipeline Nord Stream 2, durch die deutlich mehr Gas nach Europa geliefert werden könnte. Wegen Nord Stream 2, aber auch wegen dem geopolitischen Konflikt des Westens mit Russland über die Ukraine, hält Russland seine Gas-Lieferungen Richtung Europa offenbar weiterhin im Keller. Lieferungen über den Verteilerpunkt Mallnow in Brandenburg zum Beispiel liegen immer noch bei Null. Diese Knappheit bei den geringen Lieferungen aus Russland lässt weiterhin die Möglichkeit für eine Aufwärtsphantasie im Gaspreis bestehen.

Chart zeigt Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 15. November 2021



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3 Kommentare

  1. @Claudio Kummerfeld, was versprechen Sie sich eigentlich davon, ständig mehr oder minder unterschwellig die Grünen für den Gaspreis verantwortlich zu machen? Wäre es Ihrer Meinung nach besser oder klüger, sich wie das Kaninchen vor der Schlange Putins Erpressungsversuchen zu unterwerfen? Oder sollte man nicht ausnahmsweise nach den wahren Ursachen forschen?

    Es ist doch so: Russland könnte problemlos genügend Gas durch vorhandene Pipelines liefern. Mit rund 55 Milliarden Kubikmetern jährlicher Kapazität könnte alleine Nord Stream 1 auf direktem Weg von Russland schon etwa halb so viel Gas liefern, wie Deutschland insgesamt verbraucht. Nord Stream 2 ist bestenfalls eine zusätzliche Transportoption und wegen der anderen Pipelines noch lange nicht wirklich notwendig. Man könnte also jederzeit liefern, wenn man nur wollte. Was ich aber seit Monaten von Tag zu Tag mehr bezweifle, vor allem, wenn da plötzlich von heute auf morgen ein kremlhöriger Gasgigant wie Kasachstan nicht einmal mehr die eigene Bevölkerung mit bezahlbarem Gas beliefern will. Und das so ganz kurz vor den internationalen Verhandlungen wegen einer drohenden Invasion Russlands in die Ukraine.

    Nicht, dass ich jetzt unterstellen möchte, Russland annektiert noch auf die Schnelle ein weiteres Land und agiert wie eine erzimperialistische Kolonialmacht, um seine Verhandlungsposition im geopolitischen Pokerspiel zu stärken. Die EU-Staaten sind sicher nur ganz zufällig bisher der größte Abnehmer der üppigen Öl- und Gasexporte Kasachstans. Daher ist natürlich auch die Frage obsolet, warum die Apparatschik-Regierung des ehemaligen Sowjetstaates zum Jahreswechsel die Deckelung der Preise bei Autogas (LPG) aufgehoben hat. Oder, warum nun Putin auch hier noch schnell einmarschiert? Sorry, ich korrigiere: Er lässt sich nicht lange bitten und eilt mit Luftwaffe und Fallschirmjägern binnen eines Tages „zu Hilfe“, um das Land gegen ausländische Terroristen zu verteidigen. Selbstverständlich nur auf Bitte und mit überwältigender Mehrheit des kasachischen Volkes.

    Ich schweife ab, zurück zur deutschen Politik unter der furchtbaren Fuchtel des grünen Wirtschaftsministers Habeck. Die europäische Gasrichtlinie besagt, dass der Gasproduzent nicht gleichzeitig auch der Betreiber der Pipeline sein darf, durch die das Gas transportiert wird. Dies wäre bei Nord Stream 2 aber der Fall: Die russische Gazprom produziert das Gas und betreibt über ihre 100-prozentige Tochter Nord Stream 2 AG die Pipeline.
    Im Falle einer deutschen Ausnahmegenehmigung würde die EU diese prüfen. Wird dort wiederum keine Ausnahmegenehmigung erteilt, dann müsste die Pipeline auch anderen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Dies hätte gravierende wirtschaftliche Folgen für Gazprom. Deshalb laufen aktuell auch Rechtsmittelverfahren der Nord Stream 2 AG am Europäischen Gerichtshof, ob die europäische Gasrichtlinie überhaupt wirksam ist. Schließlich geht es um Milliarden an Investitionen und Abermilliarden an zukünftigen Gewinnen. Wer Geld hat, hat Recht. Ist vielleicht sogar die ganze EU unwirksam und illegal, hat sich dort ein grün-versifftes Anti-Kartell gebildet, das vom globalen oligoplen Block-Kapitalismus nie gebilligt wurde?

    Mit den Grünen und der Fuchtel von Habeck hat das also eher wenig zu tun. Das Thema Baerbock ist inzwischen auch zur Genüge gebasht und ausgelutscht und liegt aktiv unter latenter Beobachtung auf Eis.
    Hinter Nord Stream 2 stehen jeweils zur Hälfte der russische Gazprom-Konzern, der faktisch vom Kreml kontrolliert wird, und ein Konsortium europäischer Energieversorger, darunter die OMV, Wintershall und Shell. Also viele altbekannte und historisch gewachsene Schwerverbrecher aus der Energie-Mafia, die sich wie viele andere dubiose und mafiose Machteliten ‒ wo auch sonst ‒ im neutralen und verschwiegenen Finanzparadies im Herzen der Alpen zusammengefunden haben.

    Wie auch immer, wedelt Gas-Putin einmal mit der Fuchtel und aktiviert seine digitalen Propagandakanäle, kuschen und erzittern die globalen Kräfte und Märkte. Lernen sie auch daraus? Wohl eher nicht.

    1. Hr. Fugmann bat uns bereits letzten Sommer/Herbst, für einen windreichen und milden Winter in Bezug auf die Strom-, Energieversorgung zu beten. Dies sollten wir für die kommenden Winter ebenso tun.
      Rußland bzw. Gazprom stehen nur für 40% in der Debatte, den Grünen steigt ihre Ökosozialistische Energiewende schon langsam zu Kopf, wenn man einfach von den Niederlanden 1Mrd. Kubikmeter Gas zusätzlich FORDERT.
      https://www.rijksoverheid.nl/actueel/nieuws/2022/01/06/dit-jaar-waarschijnlijk-meer-gas-nodig-uit-groningenveld

      https://www.handelsblatt.com/politik/international/gasfeld-in-groningen-unangenehme-ueberraschung-niederlande-veraergert-ueber-deutschen-wunsch-nach-mehr-gaslieferungen/27961996.html?ticket=ST-3597794-NZwt7o33HddfyjQjp91V-ap5

      1. Deutsche Gasversorger haben für das Geschäftsjahr 2021/22 einen deutlich höheren Bedarf an Gas aus dem Feld Groningen angemeldet als erwartet. Schon interessant, wie schnell das zu Fake News umgedichtet wird: Ökosozialistische Grüne FORDERN einfach 1 Mrd. cbm zusätzliches Gas von den Niederlanden.

        Das ist alles so traurig und hirnrissig, dass mir ab und an speiübel wird.

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