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Gaspreis zu ruhig? Gas-Reserven sinken diese Woche dramatisch schnell

Gasflamme auf Herd

Ja herrscht denn schon Alarm beim Gaspreis? Noch nicht wirklich. Obwohl der europäische Gaspreis am Terminmarkt Dutch TTF zum Wochenstart einen Aufwärtsschub von 16 Prozent sah, pendelt er seit Montag knapp über der 90 Euro-Marke, aktuell bei 91,75 Euro. Je nach Nachrichtenlage kann sich das schnell ändern. Was uns diese Woche besonders ins Auge fällt: Die seit Wochen laufende Leerung der Gasspeicher in Europa und Deutschland (hier eine Analyse zurück bis September 2020) hat sich jetzt nochmal beschleunigt. Das Tempo des Abbaus von Gas-Reserven ist enorm.

Laut Daten von Gas Infrastructure Europe, wo man die Daten der einzelnen Speicher-Unternehmen zusammenfasst, waren die Gasspeicher in Deutschland noch am letzten Samstag zu 41,79 Prozent gefüllt. Vorgestern (aktuellste Daten) waren es nur noch 39,5 Prozent. Das sind 2,79 Prozentpunkte Rückgang in den Speichern in nur drei Tagen. Noch am Jahresanfang waren es 53,71 Prozent. Das sollte schon zu Denken geben – droht ein weiterer Sprung im Gaspreis, wenn die Leerung der Speicher so weitergeht? Offenbar kommt aus Übersee viel zu wenig Flüssiggas in Europa und Deutschland an, um die fehlenden Gas-Lieferungen aus Russland auszugleichen – zumal tagelang noch Gas von Deutschland ostwärts nach Polen gepumpt wurde – absurd!

Laut jüngsten Berichten (siehe hier im Spiegel) spricht Wirtschaftsminister Habeck davon, dass für die Zukunft in Deutschland die Einrichtung einer nationalen Gasreserve denkbar sei, oder auch eine Vorschrift, wie sie Italien kenne – nämlich dass zu einem bestimmten Datum ein gewisser Stand in den Gasspeichern erreicht sein müsse. Wie auch immer. Kurzfristig muss man mit dem Problem der akuten Gas-Knappheit und der sich rasch leeren Gasspeicher umgehen. Putin ist der Schlüssel, zumindest auf kurzfristige Sicht. Ohne einem Abbremsen beim Abschmelzen der Lagerbestände für Gas droht (vor allem bei einer Ukrainekrise-Eskalation) ein weiterer Sprung nach oben im Gaspreis – die Preisexplosion im Dezember sollte als mahnendes Beispiel dienen, wie schnell das gehen kann (siehe Chart). Übrigens: Die Experten Javier Blas und Stephen Stapczynski weisen heute darauf hin, dass der Gaspreis in Europa wohl auch nach der „Zankerei“ mit Russland hoch bleiben wird. Denn die Terminmarktpreise für Gas für Sommer 2023 und 2024 würden 50 bis 100 Prozent über ihren 10-Jahresdurchschnitten notieren.

Chart zeigt Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit Oktober 2021 TradingView Chart zeigt Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit Oktober 2021.



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1 Kommentar

  1. Und warum bestellen die Betreiber der Gasspeicher kein Gas in Russland?

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