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Gaspreis am Terminmarkt zeigt sich entspannt – wie das sein kann

Der europäische Gaspreis am Terminmarkt fällt. Wie das sein kann? Die Gasspeicher füllen sich schneller als gedacht. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Gas-Flamme

Der europäische Gaspreis Dutch TTF (Terminkontrakt für die Juni-Lieferung) notiert mit aktuell 90,55 Euro für die letzten Wochen gesehen auf einem sehr entspannten Niveau. Im Tief waren es heute bereits unter 88 Euro. Vor genau einer Woche sah man noch Kurse über 100 Euro. Anfang der Woche hatte zur Entspannung beigetragen, dass die sanktionsfreie Bezahlung von russischem Gas durch die EU weiterhin erlaubt wird. Im Chart sieht man den Kursverlauf der letzten 30 Tage. Die aktuell eher entspannte Lage am europäischen Gasmarkt liegt an Faktoren wie dem Wetter, Flüssiggas, Pipeline-Lieferungen aus Russland, und asiatischen Käufen aus Russland. Hier der Blick auf die Details.

Gaspreis tendenziell eher fallend – wie das sein kann

Die Pipelines aus Russland pumpen auch jetzt weiterhin viel Gas nach Europa. Hinzu kommt europaweit ein recht warmes Wetter für den Monat Mai, was den Gasverbrauch gering ausfallen lässt. Dazu kommen noch große Mengen an Flüssiggas (LNG), das seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs so umfangreich wie nur irgend möglich aus Übersee nach Europa verschifft werden. All diese Punkte führen dazu, dass sich die Gasspeicher in Deutschland derzeit schneller füllen können als gedacht – und der Gaspreis steigt dementsprechend. Je mehr Angebot vorhanden ist, desto eher können sich Preise nach unten entwickeln.

Daten zu den Füllständen der Gasspeicher

Aktuelle Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen für den 18. Mai, dass die Füllstände in den Gaslagern in der gesamten EU im Schnitt wieder bei 41,23 Prozent angekommen sind. Seit Wochen legen die Füllstände Tag für Tag zu. Mitte Februar, also wenige Tage vor Start des Ukraine-Kriegs, sah man für die EU einen Füllstand von 32,27 Prozent. Schaut man auf Deutschland, so gab es am 15. Februar einen Füllstand das Gaslager von 31,97 Prozent – vorgestern waren es 42,77 Prozent. Je voller die Gasspeicher, desto entspannter der Gaspreis, und desto größer ist die Chance, dass Europa den nächsten Winter ohne tatsächliche Verknappung bei Gas überstehen kann – auch wenn Wladimir Putin irgendwann mal die Pipelinezufuhr abdrehen sollte.

Analystenaussage

Die Expertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank sagt heute, dass die höheren Pipeline-Durchleitungen von Russland durch die Ukraine für Entlastung sorgen, weswegen der Gaspreis in den letzten Tagen fallen konnte. Auch erwähnt sie die „schneller als üblich“ steigenden Vorräte der Gasspeicher. Der Rückstand zur üblichen Füllmenge habe sich damit deutlich verkürzt. Auch erwähnt sie, dass sich EU-Rat und EU-Parlament gestern zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit vorläufig auf eine verbindliche Mindestbefüllung der Gasspeicher geeinigt haben. In diesem Jahr soll diese Mindestbefüllung Anfang November bei 80 Prozent liegen, künftig dann bei 90 Prozent. Sorgenfrei ist der Gasmarkt laut Barbara Lambrecht aber nicht. Denn Finnlands staatlicher Energiekonzern fürchte ab dem Wochenende keine Gaslieferungen mehr aus Russland zu erhalten, weil man nicht wie verlangt in Rubel bezahle. Auch für viele andere Importeure bleibe die Unsicherheit über die Zahlungsformalitäten bestehen.

Asien kauft Gas in Russland – das ist tendenziell gut für den Preis auf dem Weltmarkt

Der Experte Stephen Stapczynski erwähnt heute, dass China im April 80 Prozent mehr Flüssiggas aus Russland importiert hat als im April 2021. Indien greife auch verstärkt nach LNG aus Russland. Dies kann im großen Bild gesehen auch gut für den Gaspreis in Europa sein. Denn wenn diese riesigen Brennstoffverbraucher wie Indien und China (jeweils mehr als 1 Milliarde Menschen) verstärkt ihr Flüssiggas in Russland einkaufen, findet es weiterhin seinen Weg auf den Weltmarkt. Europa will so schnell wie möglich seine Importe aus Russland reduzieren. Wenn die Asiaten nun vermehrt in Russland einkaufen, werden (ganz pauschal angenommen) auf dem Weltmarkt eigentlich für Asien gedachte Angebotsmengen frei, die in Europa angeboten werden können, was dort wiederum den Gaspreis fallen lassen könnte.

Vorsicht – Sprung im Gaspreis jederzeit möglich

Aber wie auch am Ölmarkt ist seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs Vorsicht geboten! Auch wenn der Gaspreis sich seit Tagen tendenziell fallend zeigt, und damit eine Art Gelassenheit am Terminmarkt für Gas symbolisiert – die Nachrichtenlage kann sich in Windeseile ändern. Verknappungsängste können schnell wieder aufkommen. Wird Wladimir Putin irgendwann doch noch Gas als Wirtschaftswache gegen Europa einsetzen? Bulgarien und Polen hat man ja bereits den Gashahn zugedreht. Kehrt die Verknappungsangst zurück, kann der Gaspreis schnell wieder einen Sprung nach oben machen, über 100 Euro oder weit darüber hinaus.

Chart zeigt Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis in den letzten 30 Tagen



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1 Kommentar

  1. Zwei Fehlerchen: 2. Abschnitt steigt statt fällt (und der Gaspreis steigt dementsprechend) und letzer Abschnitt Wirtschaftswache = Waffe 😂 Gruss Tom

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