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Warum der Gaspreis am Terminmarkt an einem Tag 16 Prozent steigt

Gasflamme

Alleine am gestrigen Montag stieg das Preis für europäisches Gas am Terminmarkt (Dutch TTF Kontrakt für die Lieferung im Februar) um satte 16,2 Prozent auf 91,80 Euro. Heute notiert dieser Gaspreis, der für die europäischen Verbraucher als Vorlaufpreis extrem wichtig ist, mit 90,51 Euro weiterhin auf erhöhtem Niveau. Schaut man auf den folgenden TradingView Chart, wo Dutch TTF im Kursverlauf seit Ende Oktober 2021 gezeigt wird, dann wirkt der jüngste Anstieg gar nicht so groß. Dies liegt aber nur daran, dass exorbitante Kursanstieg von Ende Dezember auf fast 180 Euro die Dimensionen verzerrt. Aber auf dieses extrem hohe Niveau kann der Gaspreis auch schnell wieder ansteigen.

Kursverlauf im Dutch TTF Gaspreis seit Ende Oktober 2021

Ukraine-Angst treibt Gaspreis nach oben

Als der Dutch TTF Gaspreis letzte Woche Mittwoch noch um die 73 Euro notierte, stellte ich die Frage in den Raum, ob man sich am Markt nicht zu früh gefreut hat – denn umfangreiche Gas-Lieferungen mit Flüssiggas-Tankern aus Übersee sorgen derzeit in Europa zwar für ein gewisses Maß an Entlastung für die fehlenden russischen Gas-Lieferungen. Aber wie eine umfangreiche Analyse der Commerzbank jüngst zeigte – Flüssiggas per Schiff wird Pipeline-Gas aus Russland noch für lange Zeit nicht ansatzweise in der Menge ersetzen können! Aber wie gesagt, Flüssiggas-Lieferungen per Schiff aus Übersee sorgen derzeit in gewissem Umfang für Entlastung, und beruhigten für mehrere Tage die Lage am Terminmarkt für Gas.

Gestern aber war die Angst schnell wieder da, dass Russland noch weniger oder überhaupt kein Gas mehr nach Europa liefert. Denn offenkundig scheint die Ukraine-Krise immer weiter zu eskalieren. Marschiert Russland ein, und der Westen belegt Russland mit deftigen Sanktionen, könnte Wladimir Putin veranlassen, dass USA und Europa nicht nur von Palladium-Lieferungen für die Autoindustrie abgeschnitten werden. Auch Gas könnte zur Waffe Russlands gegen die NATO-Staaten werden. Diese Angst zeigt sich im gestern sprunghaft gestiegenen Gaspreis. Sinkt die Angebotsmenge deutlich, steigt der Preis – das ist der normale Marktmechanismus.

Gazprom mit geopolitischem Statement

Die Tatsache, dass die US-Regierung Botschaftspersonal und Angehörige aus der Ukraine abzieht, und US-Bürger bittet das Land zu verlassen, zeigt klar, dass man mit einer ernsthaften Eskalation rechnet. Und was Gazprom da gestern präsentierte, zeigt auch eindeutig, dass geopolitische Aussagen von russischer Seite offen präsentiert werden. Der russische Gaskonzern präsentierte Infos über dramatisch sinkende Lagerbestände für Gas in Deutschland, Europa und der Ukraine – und erwähnte aber gleichzeitig als Abschlussbemerkung, dass man derzeit rekordhohe Gas-Mengen nach China durchleitet. Weniger Gas für Europa, welches dann offenkundig auf dem chinesischen Markt landet. Dies macht Druck auf den europäischen Gaspreis Dutch TTF. Man sehe nur mal im obigen Chart, dass sich der Preis in wenigen Tagen verdoppeln konnte auf fast 180 Euro. Bei einer tatsächlichen Eskalation rund um die Ukraine sind ähnliche oder viel deftigere Preisentwicklungen möglich.



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