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Enorme Volatilität Gaspreis sinkt auf Zweimonatstief – Maßnahmen machen Eindruck?

Der europäische Terminmarkt-Gaspreis sinkt auf ein Zweimonatstief. Die Maßnahmen der EU-Regierungen machen Eindruck auf die Märkte?

Gas-Flamme auf einem Herd

In den letzten Tagen sieht man eine enorme Volatilität im europäischen Großhandels-Gaspreis (Dutch TTF-Kontrakt). Sah man Ende August noch Preise über 330 Euro, ging der Preis danach im Tief runter auf 182 Euro letzte Woche Dienstag. Dann stieg der Gaspreis wieder schnell und kräftig an binnen 48 Stunden auf 244 Euro am Donnerstag. Und seitdem rauscht der Markt wieder in den Keller. Aktuell sehen wir einen Kurs von 174 Euro, ein Minus von 7,3 Prozent gegenüber Freitag Abend. Das ist derzeit der tiefste Stand seit zwei Monaten. Im Chart sehen wir das größere Bild für europäisches Gas, den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Warum sehen wir diesen Absturz? Man kann es natürlich grundsätzlich als technische Erholung nach der vorigen drastischen Rally ansehen, die im Juni bei Kursniveaus unter 100 Euro begann.

Gaspreis am Terminmarkt im Kursverlauf der letzten zwölf Monate

Gaspreis fällt kräftig – Blick auf  die Faktoren

Letzte Woche Donnerstag berichteten wir noch vom steigenden Gaspreis, der von drei Faktoren angetrieben wurde. Da war die Angst vor einem Bahnstreik in den USA (Thema inzwischen erledigt). Dann ist da noch die nun langsam beginnende Heizperiode. Die Tage werden kühler, die Menschen drehen langsam ihre Heizungen auf, der Gasverbrauch dürfte steigen. Und man konnte letzte Woche in gewisser Weise enttäuscht sein über die Verkündung der politischen Maßnahmen gegen die Energiekrise auf EU-Ebene. Denn erstmal muss noch wochenlang zwischen EU-Kommission und Regierungen verhandelt werden.

Aber hat sich diese Stimmung nun gedreht, sieht der Markt doch große Fortschritte in der Bekämpfung der Energiekrise? Bloomberg schreibt dazu aktuell, dass der Gaspreis so deutlich fällt, weil die Länder der EU ihren Kampf gegen die Energiekrise verstärken, da der Beginn der Heizperiode weniger als zwei Wochen entfernt ist. Deutschland, Großbritannien und andere Länder planen Milliarden auszugeben, um ihre Abhängigkeit von russischen Importen zu verringern, lokale Energieunternehmen zu retten und die Preise zu deckeln, um die Belastung für Unternehmen und Haushalte zu verringern.

Die Diskussionen über die Vorschläge der EU-Kommission zur Abmilderung der Auswirkungen der Krise gehen weiter und müssen noch von den Mitgliedstaaten abgesegnet werden. Der Plan sieht unter anderem vor 140 Milliarden Euro aus den Gewinnen der Energieunternehmen zu beschaffen, den Spitzenstrombedarf zu begrenzen und die Liquidität zu erhöhen.

Die Entscheidung Deutschlands vom Freitag, die Kontrolle über die deutschen Ölraffinerien des russischen Ölkonzerns Rosneft zu übernehmen, wird laut Bloomberg als erster Schritt einer Überarbeitung gesehen, die Berlin unter Druck setzen könnte, einen großen Teil des Energiesektors in Europas größter Volkswirtschaft zu übernehmen. Nach Angaben von Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, führt die Bundesregierung auch Gespräche über die Verstaatlichung der größten deutschen Gasimporteure, darunter Uniper und VNG.

Die britische Regierung entwickelt laut Bloomberg einen Plan, der die Energiepreise für viele Unternehmen halbieren könnte, als Teil eines 40 Milliarden Pfund schweren Unterstützungspakets, das von Premierministerin Liz Truss ausgearbeitet wird. Frankreich plant die Energiepreiserhöhungen für Haushalte ab dem nächsten Jahr auf 15 % zu begrenzen, was die Regierung laut Finanzminister Bruno Le Maire bis 2023 netto 16 Milliarden Euro kosten wird.

Mit dem Herannahen der Heizperiode wird die Wirksamkeit dieser Maßnahmen getestet werden, und die Händler werden sich weiterhin auf die Lagerbestände konzentrieren. Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe sind die europäischen Lager zu etwa 86 % gefüllt, was leicht über dem Fünfjahresdurchschnitt liegt, in Deutschland sogar zu 90 %.

Trotz der Entspannung in den letzten Wochen liegt der Gaspreis immer noch mehr als siebenmal so hoch wie der Durchschnitt für diese Jahreszeit, was die Inflation beschleunigt und die Volkswirtschaften an den Rand einer Rezession bringt. Es wird erwartet, dass die Nachfrage vor dem Beginn der Heizsaison am 1. Oktober allmählich ansteigt.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Mit sinkenden Gaspreisen geht dem Putin-Lobby der AfD und den Linken ein wichtiges Argument verloren.
    Werden sich die Linken und die Rechten in Deutschland zusammenschließen, eine Putin-Partei gründen und eine Berliner Volksrepublik ausrufen, bleibt abzuwarten….

  2. Eine Schwalbe bringt noch keinen Frühling……! Der Winter kommt, abwarten!

  3. Ist egal ,gegen die Regierung ist ohnehin illegal!

    Netzfund ,köstlich zusammengefasst.

    https://www.youtube.com/watch?v=1W2Gw9-fWRQ

  4. @ Schirche Sau, wie kann man so naiv sein und bei dieser Volatilität eine Schwankung tradermässig ernst nehmen.Ich nehme somit an, dass alle die ihre Bude geste4n schlissen mussten morgen wieder aufmachen.

  5. @strassi, eine Schwalbe bringt noch keinen Frühling, aber der Winter könnte noch einige SCHWARZEN SCHWÄNE bringen.Der lustige Robert von der gebaadeten Bank, meinte einst, die Notenbanken würden sämtlichen Schwarzen Schwäne auf weiss malen. Witze haben oft eine Spur Wahrheit, aber die Weissmalerei scheint zu Ende zu gehen. Seine Sprüche sind zwar lustig, ob seine Kunden mit den rotgefärbten Konten es auch lustig finden ist fraglich.

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