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Blick auf Speicher, Wetter und LNG-Terminals Warum der Gaspreis in den USA gerade fällt und bei uns deutlich steigt

De europäische Gaspreis steigt deutlich. Trotz voller Gasspeicher wirkt das kalte Wetter! Und ein LNG-Terminal in den USA meldet Probleme.

Gas-Rohr und steigender Pfeil

Der europäische Terminmarkt-Gaspreis (Dutch TTF Dezember-Kontrakt) steigt heute um 10,8 % auf 126 Euro pro Megawattstunde. Noch letzten Freitag sah man Kurse unter 100 Euro. Im Chart sehen wir den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Schauen wir auf die aktuellen Gründe für den doch recht schnellen Preisanstieg.

Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten

Gaspreis in Europa steigt – trotz voller Gasspeicher

Die Gasspeicher in Europa werden immer voller mit aktuell 95,61 % Füllstand laut Gas Infrastructure Europe. In Deutschland erreicht der Füllstand aktuell sogar die offizielle Maximalauslastung mit 99,96 %. Aber wie Klaus Müller von der Bundesnetzagentur vor wenigen Stunden anmerkte, kann auch mehr als der offizielle Füllstand von 100 % eingespeichert werden. Diese Nachrichtenlage spräche eher für einen fallenden Gaspreis. Also müssen wir wohl auf die Wetterlage in Europa schauen. Es ist nun deutlich kälter, die Heizungen werden aufgedreht, der Gasverbrauch steigt. Aber da ist noch mehr.

Probleme bei Freeport LNG-Terminal in den USA helfen

Der Gaspreis in Europa steigt angesichts der Besorgnis über LNG-Importe aus einer wichtigen US-Anlage und der ersten Anzeichen kalten Wetters, so berichtet es aktuell Bloomberg. Die texanische Freeport LNG-Anlage wird wahrscheinlich ihren im Juni begonnenen Stillstand verlängern, was den weltweiten Wettbewerb um die dringend benötigten LNG-Lieferungen (Flüssiggas) kurz vor dem Winter verschärft.

Die Temperaturen in Europa werden gegen Ende der Woche unter den Durchschnitt fallen, was die Menschen zwingen könnte, Heizungen zu benutzen, was die Gasnachfrage ankurbeln würde. Die Kombination aus Kälteeinbruch und Versorgungsproblemen erinnert daran, dass das europäische System im ersten Winter seit langem ohne nennenswerte russische Lieferungen anfällig sein wird.

Der TTF-Terminmarkt-Gaspreis war aufgrund des milden Wetters, das den Beginn der Heizsaison verzögerte, und der starken LNG-Ströme, die zur Auffüllung der Lagerbestände beitrugen, gesunken. Aber selbst mit diesem Puffer ist die Krise noch lange nicht vorbei. Die Futures werden zum Vierfachen des Fünfjahresdurchschnitts gehandelt.

Freeport LNG hat den Käufern mitgeteilt, dass es die für November und Dezember geplanten LNG-Lieferungen wahrscheinlich stornieren wird, da die Reparaturarbeiten und die behördlichen Genehmigungen vor einem Neustart fortgesetzt werden, wie Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, berichten. Auf die Anlage entfielen bisher etwa 15 % der US-LNG-Lieferungen. Die Verlängerung des Ausfalls wird den Wettbewerb um Ladungen in Europa und Asien verschärfen.

Warum der US-Gaspreis fällt

Während der Gaspreis am Terminmarkt in Europa gerade anzieht, kann er in den USA fallen. Denn wenn Freeport noch länger ausfällt, verbleibt eine noch größere Menge Gas, das eigentlich nach Europa verschifft werden sollte, in den USA. Die höhere Angebotsmenge in den USA drückt dort den Gaspreis. Seit gestern Abend fällt das US-Gas Henry Hub von 6,37 auf 6,01 Dollar.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Naja, die SEFE, Nachfolgeorganisaton von Gazprom, muss nun noch LNG-Gas bis 2041 an Indien liefern.
    Und zwar zu den damaligen Gazprompreisen.
    Das wird für Deutschland richtig teuer. Warum sollten dann für Deutschland die LNG-Preise fallen?
    Ganz im Gegenteil.
    Die Sanktionen gegen Russland ermöglichen so etwas.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Nicht, daß wir da etwas durcheinander schmeißen ?

    SEFE ist nicht Gazprom gewesen, sondern Gazprom Germania. Also eine Tochter der Gazprom, die für die Gasversorgung und -verteilung in Deutschland und Europa zuständig war. Mit Indien hatte die wohl wenig bis nichts zu tun. Es würde auch total keinen Sinn machen, Gas per Pipeline nach Deutschland zu transportieren, um es dann in LNG zu wandeln (mit welchen techn. Mitteln überhaupt?) und das per Schiff nach Indien zu transportieren. Wer bitte (Heise?) bringt so eine Info in die Welt ? Und wer glaubt so etwas so einfach ?

  3. Absage von LNG-Lieferungen nach Indien: Deutschland droht Schiedsverfahren | Telepolis

    „Absage von LNG-Lieferungen nach Indien: Deutschland droht Schiedsverfahren | Telepolis“ https://www.heise.de/tp/features/Absage-von-LNG-Lieferungen-nach-Indien-Deutschland-droht-Schiedsverfahren-7338705.html

  4. Richtig Helmut. Das scheint wirklich so zu sein, daß Gazprom-Germania Lieferverpflichtungen nach Indien 2012 eingegangen ist.
    Ich hoffe, daß unsere Regierung das bei ihrer Entscheidung mit berücksichtig und rechtlich bewertet hat. Das hoffe ich inständig.

    https://de.marketscreener.com/kurs/aktie/GAIL-INDIA-LIMITED-9743098/news/Gewinn-von-GAIL-India-bricht-aufgrund-von-Lieferkurzungen-der-ehemaligen-Gazprom-Einheit-ein-42203178/?utm_medium=RSS&utm_content=20221104

  5. Hallo jumpi, die jetzige Regierung soll etwas bedacht haben?
    Mal so ganz pauschal:
    Gibt es irgendeinen Punkt in der Regierung, wo man sagen kann: Ja, da haben die Leute gut mitgedacht, denn das hätte sonst sehr teuer werden können?
    Russland wird das LNG schon an Indien liefern. Nur Deutschland darf den Differenzbetrag bezahlen.
    So haben doch alle was. Russland liefert das Gas, Indien bekommt das Gas, und Deutschland bezahlt
    geschätzt den 5 fachen Preis als Entschädigung an Indien. Und alle Grünen Santionisten könnten sagen: Wir haben die Sanktionen eingehalten, und zerstören damit Russlands Wirtschaft.
    Ist da Irrenhaus übertrieben?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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