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Weshalb der Gaspreis vor einer Entspannung stehen könnte – Szenario

Gas-Flamme

Der Gaspreis ist hoch. Die europäischen Verbraucher haben mit explodierenden Gas-Rechnungen zu kämpfen. Und daran wird sich auch kaum etwas ändern, wenn der Gaspreis am Terminmarkt mal etwas zurückkommen sollte. Denn das Niveau im Vergleich zum Vorjahr oder zum Sommer diesen Jahres (Preis verdreifacht) ist einfach immer noch dramatisch erhöht. Ein Preisrückgang für europäisches Gas am Terminmarkt (Kontrakt Dutch TTF) von aktuell 88,70 Euro auf vielleicht 80 oder 75 Euro würde den Verbrauchern kaum Erleichterung bringen. Aber soweit sind wir ja noch nicht einmal.

Das Szenario vom fallenden Gaspreis – Blick auf den US-Markt

Dass der europäische Gaspreis am Terminmarkt fallen könnte, ist ein Szenario – es kann eintreten, muss es aber nicht. Als Grund für möglicherweise fallende Preise sollte man auf den US-Markt schauen. Für den gestarteten Monat Dezember wird sehr mildes Wetter in den USA erwartet. Dies lässt den Schluss zu, dass die Amerikaner die Heizung nicht so stark aufdrehen müssen. Folglich könnte die Nachfrage nach Gas in den nächsten Wochen geringer ausfallen. Gleichzeitig steigt die Gasproduktion in den USA weiter an und nähert sich Rekordhöchstständen. Szenario: Weniger Nachfrage nach Gas bei gleichzeitig steigender Angebotsmenge – dies bedeutet einen sinkenden Gaspreis. Und da man am Terminmarkt immer sehr schnell mit dem Einpreisen von Szenarien ist, ist der dort für die USA relevante Terminkontrakt Henry Hub seit Anfang November von 5,80 Dollar auf jetzt 3,78 Dollar gefallen. Wenn die USA also womöglich zu viel Gas haben sollten, können sie mehr als eh schon auf den Weltmarkt exportieren. In Übersee (Asien, Europa) dadurch erhöhte Angebotsmengen könnten dort ebenfalls den Gaspreis absenken. Soweit das positive Szenario. Aber es gibt ja noch Gegenargumente.

Gegen-Szenario

Man schaue auf den folgenden Chart. In blau sehen wir seit Ende Juni den europäischen Gaspreis (Kontrakt am Terminmarkt Dutch TTF), und im Vergleich dazu den US-Kontrakt Henry Hub in orange. Man sieht eindeutig, wie der Gaspreis am US-Terminmarkt in den letzten Tagen deutlich gefallen ist, während der europäische Preis oben hängen bleibt. Natürlich kann US-Gas vermehrt auf den Weltmarkt schwappen, und so auch bei uns für eine Entspannung sorgen.

Dagegen stehen als Alternativ-Szenario aber immer noch die Sorgen, dass Russland seine Gaslieferungen nicht stark genug ausweitet, um für den Winter die europäischen Gasspeicher gut genug aufzufüllen. Diese Angst sorgt für aktuell noch hoch bleibende Gaspreise für den europäischen Markt. Dass sich die Gasspeicher in Europa derzeit schnell leeren, und dass die Lagermengen laut Analystenaussagen sogar auf Null fallen könnten, hatten wir letzte Woche bereits besprochen. Hohe Nachfrage in Europa und Angst vor zu wenig Gas-Nachschub – in den USA sieht die Lage (zumindest nach aktueller Betrachtung) umgekehrt aus, weshalb sich der Gaspreis dort entspannt. Wie gesagt, das US-Gas könnte bei verstärkter Verschiffung von Flüssiggas auch bei uns für Entspannung im Terminmarktpreis sorgen. Aber die Angst vor Russlands begrenzten Liefermengen könnte den europäischen Preis dennoch oben halten.

Chart vergleicht Gaspreis Dutch TTF mit US-Kontrakt Henry Hub TradingView Chart zeigt den Dutch TTF Gaspreis (blau) im Vergleich zum US-Preis Heny Hub (orange) seit Ende Juni.



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1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Kummerfeld,
    Ich beschäftige mich ebenfalls von Zeit zu Zeit mit den Gasmärkten. Zu Ihrer Hypothese, „zunehmende Gas-Überschüsse aus den USA gelangen möglicherweise mit dem Tanker nach Europa“ habe ich einen Einwand:
    Haben Sie sich mal den Preisunterschied zwischen den beiden Gasmärkten USA und Europa angeschaut?
    Das Preisniveau in der Spitze von ca. 6 $/BTU entspricht in unseren Einheiten ca. 18 €/MWh. Ich wage mal zu behaupten, dass es fast keinen Einfluss hat, ob der Gaspreis in den USA umgerechnet bei 10 (aktuell) oder bei 18 €/MWh steht, da die LNG-Exporte nach Europa beim hiesigen Preisniveau von ca. 90 €/MWh in jedem Fall extrem lukrativ sind. Ich würde davon ausgehen, dass die vorhandene LNG-Infrastruktur (Terminals, Tanker, usw.) auch schon bei 18 €/MWh bereits vollständig ausgenutzt war. Insofern fehlt mir die Vorstellungskraft, wie sich das auf erhöhte Liefermengen an uns Europäer auswirken soll….
    Ich würde mich sehr über Ihre Einschätzung zu meiner Argumentation freuen.
    MfG,
    Philipp Magnus

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