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Gaspreise im Höhenflug – Propagandamaschinerie in Russland

Gas-Tanker

Gaspreise erklimmen neue Höhen. Historische Peaks haben sie längst hinter sich gelassen. Das zeigen die Preise für Gas Futures beim Handelsportal TTF im Jahresverlauf. Damit sind wir womöglich in einer Welt mit 2000 Euro je 1000 Kubikmeter Gas angekommen, die Dmitri Medwedew als Reaktion auf den Stopp der Zertifizierung der zweiten Ostseegasleitung am 22. Februar auf Twitter angekündigt hatte. Das Aus für Nord Stream 2 bedeute eine irreparable Schädigung der russisch-deutschen Beziehungen, äußerte Medienberichten zufolge jüngst eine Sprecherin aus dem russischen Außenministerium.

Das Ministerium ist wie die Regierung, das Präsidentenamt, staatliche Medien und Energiekonzerne zeitweise nicht erreichbar. Das Hackernetzwerk Anonymous will dadurch die Verbreitung der russischen Propaganda stören. Die Gas-Futures-Preise in Europa begannen nach ihrem historischen Maximum von 2.279 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter zu sinken und fielen laut Daten der Londoner ICE Futures-Börse auf unter 1.900 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas, berichtete die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti jetzt zum aktuellen Preisstand.

Gaspreise wegen Risiko vor Lieferunterbrechung volatil

„Der Anstieg der Gaspreise steht in direktem Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine. Bisher gibt es keine sichtbaren Anzeichen einer Deeskalation. Daher ist das Risiko einer Versorgungsunterbrechung in den Gaspreisen enthalten. Die Volatilität wird anhalten. Es ist sinnlos, eine Prognose für Stunden, sogar Tage abzugeben, da der Preis fast beliebig sein kann, je nachdem, wie sich die Situation entwickelt“, zitierten russische Nachrichtenagenturen Dmitri Skrjabin, Portfoliomanager bei Alfa Capital, am 2. März.

Drastisch fielen Ende Februar die Aussagen zu Szenarien der Gaspreise von Igor Yushkov, Experte und Analyst beim russischen National Energy Security Fund (FNEB) aus. „Angesichts der antirussischen Beschränkungen, die der Westen auferlegt, können wir wirklich einige Szenarien in Betracht ziehen, die sich zuvor als radikal und fantastisch erwiesen haben. Zum Beispiel die Einstellung von Rohstoffen an den europäischen Markt. Und wenn so etwas passiert, dann werden die Gaspreise in Europa natürlich bei 10.000 Dollar pro 1000 Kubikmeter liegen“, warnte er gegenüber der Nachrichtenagentur Prime. In einem solchen Szenario könne man bereits von einer globalen Energiekrise sprechen, da alle Märkte miteinander verbunden seien.

Risiken und Propaganda

Ebenfalls sorge die gestrige Forderung des Europäischen Parlaments, die Lieferung von Energieressourcen aus Russland zu begrenzen, für Unsicherheit, erklärte der Analyst von Alfa Capital. Darüber hinaus bestehe das Risiko, dass weniger Gas eingekauft werde, was zu niedrigen Füllständen von Gasspeichern in Europa führen könnte. Europa suche nach alternativen Gasquellen. Es könnte notwendig sein, den Einsatz von Kohle und Dieselkraftstoff sowie alternative Energiequellen zu erhöhen und den Verbrauch per Richtlinie zu begrenzen, so dass die Produktion eingestellt werden müsste, erläuterte Skrjabin.

Die Zusammenfassung zu seiner Einschätzung lautet bei Ria Nowosti und Prime: „Die Gaspreise in Europa haben in den letzten Tagen eine starke Volatilität gezeigt. Sie stiegen an, nachdem Präsident Wladimir Putin am 21. Februar die Dekrete unterzeichnet hatte, mit denen die Souveränität der Volksrepubliken Donezk und Lugansk anerkannt wurden, und Russland am 24. Februar eine militärische Spezialoperation zur Entmilitarisierung der Ukraine startete.“ An dieser Lesart von russischen staatlichen Nachrichtenagenturen zeigt sich, wie sie die Kriegsereignisse in der Ukraine ausblenden und auf Linie von Präsident Putin verharmlosen. Auch um das Erklären hoher Gaspreise ist längst ein Kampf entbrannt.

Chart zeigt Dutch TTF Gaspreise seit Mai 2021 TradingView Chart zeigt Dutch TTF Gaspreise seit Mai 2021.



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1 Kommentar

  1. Was ist denn das für eine Überschrift? Seit wann macht denn Propaganda (die noch dazu in Deutschland/Europa kaum noch jemand zu hören bekommt) irgendwelche Preise? Die macht der Markt! Und der reagiert auf äußere Umstände, aber sicher nicht auf Sprüche! Wie wäre es, wenn wir wenigstens hier mal ein wenig bei der Sache bleiben?

    Ich kenne die Autorin nicht, aber mit (wirtschafts-) journalistischem Ruhm hat sie sich da nicht gerade bekleckert!

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