Die europäischen Gaspreise steigen wieder deutlich an. Der Krieg im Nahen Osten, mögliche Lieferunterbrechungen und wachsende Sorgen über eine globale Energiekrise sorgen für Turbulenzen an den Energiemärkten. Besonders der europäische Erdgasmarkt reagiert empfindlich auf Störungen im globalen LNG-Handel, während knappe Reserven und der anhaltende Iran-Konflikt die Preise weiter nach oben treiben.
Europas Gaspreise im Höhenflug
Europäische Erdgaspreise haben ihre stärkste Rally seit Jahren fortgesetzt, da die Unsicherheit rund um den Krieg im Nahen Osten die Energiemärkte weiterhin erschüttert.
Wie Bloomberg berichtet, stiegen die Benchmark-Futures am Donnerstag zeitweise um bis zu 13 Prozent. Einen Tag zuvor waren die Kontrakte noch gefallen, nachdem der Markt die Umsetzbarkeit eines amerikanischen Plans zur Sicherung der Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus bewertet hatte. Der Vorschlag enthält bislang jedoch kaum konkrete Details.
Dennoch preisen Händler weiterhin erhebliche Störungen der weltweiten Energieversorgung ein, was die Öl- und Gaspreise weiter nach oben treibt.
Globale Energiemärkte wurden durch den Krieg stark erschüttert, der inzwischen in seinen sechsten Tag geht, ohne dass eine schnelle Lösung absehbar wäre. Handelsunterbrechungen schüren zunehmend die Sorge vor einer weltweiten Energiekrise und verstärken gleichzeitig Inflationsängste.
Europas Gasmarkt gilt dabei als besonders anfällig. Lange Kälteperioden im Winter haben die ohnehin niedrigen Gasreserven stark reduziert. Um die Speicher wieder aufzufüllen, wird Europa im Sommer zusätzliche LNG-Lieferungen einkaufen müssen. Gleichzeitig droht ein harter Wettbewerb um verfügbare Ladungen, falls Lieferungen aus dem Nahen Osten nicht mehr zuverlässig den Weltmarkt erreichen. Der Iran-Krieg zeigt inzwischen konkrete Auswirkungen. Drei LNG-Tanker auf dem Weg nach Europa haben bereits ihren Kurs nach Asien geändert.

Versorgungsängste treiben Preise
„Es gibt derzeit keine Lösung für eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, daher steigen die Sorgen über zu geringe LNG-Lieferungen von Tag zu Tag“, sagte Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management.
Zu Beginn der Woche waren die europäischen Gaspreise bereits auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen. Auslöser war die Schließung von Ras Laffan in Katar – der größten LNG-Exportanlage der Welt – nach einem iranischen Drohnenangriff.
Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen. Normalerweise wird über diese Route rund ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen transportiert.
Auch wenn asiatische Länder den Großteil des im Nahen Osten produzierten Flüssigerdgases kaufen, wirkt sich jede länger anhaltende Störung unmittelbar auf das globale Angebot aus. Dadurch wird das verfügbare LNG knapper – und die Preise steigen weltweit.
Asien konkurriert um LNG
Käufer reagieren bereits mit der Suche nach alternativen Lieferquellen. Taiwan erklärte, es habe sich LNG-Lieferungen für April aus Regionen außerhalb des Nahen Ostens gesichert. Auch Thailand bemüht sich derzeit um zusätzliche Gaslieferungen.
Diese Entwicklung verschärft den Wettbewerb auf dem globalen LNG-Markt weiter – insbesondere für Europa, das seine Speicher dringend wieder auffüllen muss. Noch kann Europas Wirtschaft den Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf die Energiepreise verkraften – vorausgesetzt, er endet innerhalb der von US-Präsident Donald Trump vorgegebenen vier Wochen. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, steigen die Risiken für Wirtschaft und Inflation deutlich.
Die niederländischen Front-Month-Futures – der wichtigste europäische Gas-Benchmark – stiegen bis 8:25 Uhr in Amsterdam um 9,2 Prozent auf 53,26 Euro je Megawattstunde.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken














