Die Bundesregierung konkretisiert ihre Pläne für eine strategische Gasreserve in Deutschland angesichts zunehmender geopolitischer Risiken und wachsender Energieunsicherheiten. Nach dem Ausstieg aus russischem Erdgas und im Kontext des Nahostkonflikts verschärft sich die Debatte um Versorgungssicherheit und Krisenvorsorge. Das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche treibt die Ausarbeitung einer nationalen Gasreserve nun gezielt voran. Die Umsetzung könnte spürbare Auswirkungen auf Energiemarkt, Gaspreise und staatliche Eingriffe haben.
Strategische Gasreserve konkretisiert
Die Bundesregierung hat ihre Pläne für eine milliardenschwere strategische Gasreserve zur Krisenvorsorge konkretisiert, wie aus einem Bloomberg vorliegenden Papier hervorgeht.
Die Reserve soll rund 24 Terawattstunden umfassen, was etwa 10% der nationalen Gasspeicher-Kapazität entspricht. Damit könnte die Vollversorgung von Haushalten und Gewerbe für etwa zwei Wochen in einem normalen Winter oder für eine Woche im Falle eines sehr kalten Winters sichergestellt werden, selbst wenn sämtliche Importe über Pipelines oder LNG-Terminals ausfallen sollten.
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Das Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) veranschlagt die einmaligen Befüllungskosten auf 500 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro und die jährlichen laufenden Kosten auf bis zu 165 Millionen Euro, heißt es in einer internen Einschätzung angesichts des Nahost-Krieges.
Um eine Wiedereinführung der umstrittenen Gasspeicherumlage zu vermeiden, plädiert das Ministerium für eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Die Umlage — die zu Unmut bei EU-Nachbarn geführt hatte — war erst zu Jahresbeginn abgeschafft wurden, was die Verbraucher um mehr als 3 Milliarden Euro entlastete, und wird nun aus dem Klima- und Transformationsfonds bezahlt.
Finanzierung und geopolitische Risiken
Die Rechnung wäre immer noch günstiger als die rund 4 Milliarden Euro, die Österreich in der Energiekrise für seine nur halb so große Anlage zahlen musste.
Seit Deutschland im Jahr 2022 aufgehört hat, auf russisches Erdgas zu setzen, ist es auf Lieferungen über Pipelines aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden sowie auf Flüssigerdgas (LNG) aus den USA angewiesen. Zwar kommen bislang keine nennenswerten Mengen an Flüssiggas aus der Golfregion, doch zeigt der Plan, dass die Regierung plötzliche Risiken wie Sabotage oder geopolitische Krisen nun noch ernster nimmt.
Berlin bereitet sich darauf vor, dass die Straße von Hormus trotz des Waffenstillstands länger gesperrt bleibt — inklusive lang anhaltender hoher Energiepreise. Allerdings stellt das Wirtschaftsministerium in dem Papier klar, dass das Notfall-Instrument kein Mechanismus zur Preisdämpfung sei. Anders als die strategische Ölreserve kann es keine längere Versorgung von etwa 90 Tagen sicherstellen, da Erdgas schlechter und nur zu höheren Kosten gespeichert werden kann.
Ein Sprecher Reiches bestätigte, dass eine strategische Reserve gerade geprüft werde, “um uns gegen exogene Schocks abzusichern”, allerdings “strikt vom Markt getrennt als reine Krisenvorsorge.” Hierzu sei das Haus mit Interessensgruppen und innerhalb der Bundesregierung in Gesprächen.
Marktmechanismen und Speicherprobleme
Das Ministerium stellt in dem Papier klar, dass es nicht in den regulären Markt eingreifen werde, um die Kavernen zu füllen und weist die Forderung der verstaatlichten Uniper zurück, den Speicherbetrieb mit Subventionen zu stützen. Derzeit sind die Speicher nur zu rund 23% gefüllt — der niedrigste Stand in sieben Jahren; somit könnte die Wiederbefüllung bis zum Winter bei anhaltend ungünstiger Preislage schwierig werden.
Laut dem Dokument kam es infolge des Nahostkonflikts auch wieder zu Spekulationen gegen Maßnahmen der Bundesregierung — ähnlich wie Anfang des letzten Jahres, als Markthändler auf ein Eingreifen des Staates wetteten und somit zusätzlich die Gaspreise trieben.
Die nationalen Füllstandsvorgaben laufen im März 2027 aus, und laut dem Dokument plant die Europäische Kommission auch nicht, ihre eigene Regelung im nächsten Jahr zu verlängern.
Umsetzung und politische Hürden
Um die Befüllung in diesem Sommer nicht zu gefährden, soll die Gasreserve den Plänen zufolge erst im nächsten Jahr aufgebaut werden und im Winter 2027/28 bereitstehen. Die Mengen könnten in verschiedenen Regionen Deutschlands verteilt und auktioniert werden — entweder durch den Marktmanager Trading Hub Europe oder durch die Deutsche Energy Terminal, den staatlichen Betreiber von LNG-Terminals.
Über die Freigabe im Krisenfall würden allein das Ministerium oder die Netzagentur entscheiden. Die Gasreserve müsste in einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes vom Kabinett und vom Parlament beschlossen und von der Europäischen Kommission beihilferechtlich genehmigt werden.
FMW/Bloomberg
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Immerhin macht man es nicht wie Habeck und füllt die Speicher zu Höchstkursen voll.
@ Robert
Das kommt noch on top. Ich habe Dienstag eine US-Gas-Aktie nachgekauft und bin in eine kanadisch-afrikanische Öl-Aktie eingestiegen.